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Astronomie: Schnappschuss eines kühlen Planeten

Begleiter um GJ 758
Der Begleiter von GJ 758 | Die Entdeckungsaufnahme von GJ 758 B, gewonnen im August 2009 am Subaru-Teleskop mit dem HiCIAO-Instrument im nahen Infrarot. Ohne die hier angewandte Spezialtechnik des "angular differential imaging" würde das Licht des Zentralsterns die Bilder der beiden Planetenkandidaten hoffnungslos überstrahlen.
Mehr als 400 extrasolare Planeten sind inzwischen bekannt. Erst zehn davon konnten jedoch direkt abgebildet werden, die restlichen wurden nur auf indirekte Art nachgewiesen. Nun gelangen mit dem Acht-Meter-Teleskop Subaru auf Hawaii Schnappschüsse eines weiteren Exoplanet-Kandidaten mit dem Namen G 758 B, der um den sonnenähnlichen Stern GJ 758 im Sternbild Leier kreist.

Für die direkte Abbildung solcher Objekte dürfen sie nicht zu weit entfernt sein, weil sonst die Auflösung auch der besten Teleskope nicht ausreicht, den Trabanten von seinem Mutterstern zu trennen.
Suchkarte für das neu entdeckte System GJ 758
GJ 758 ist mit einer Distanz von nur rund 50 Lichtjahren nah genug. Auch in solchen Fällen verschwindet jedoch das schwache Licht ferner Planeten im Strahlen ihres Zentralgestirns wie ein Glühwürmchen neben einer Flutlichtlampe. Durch geschickte Überlagerung verschiedener Aufnahmen konnten Christian Thalmann und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Astronomie G 758 B jedoch sichtbar machen und seine Helligkeit im infraroten Spektralbereich ermitteln. Daraus berechneten sie eine Temperatur von nur 280 bis 370 Grad Celsius. Damit ist G 758 B der kälteste direkt abgebildete Begleiter einer fernen Sonne bisher.

Wie sich zeigte, umkreist er seinen Stern in etwa der gleichen Distanz wie Neptun die Sonne.
Größenvergleich von GJ 758 B und Jupiter | Größenvergleich zwischen (von links nach rechts) der Sonne, Jupiter, GJ 758 B und GJ 758. Auf Grund seiner Temperatur von 280 bis 330 Grad Celsius glüht GJ 758 B kirschrot, wie auf seiner vom Zentralstern abgewandten Nachtseite sichtbar. Der kleine Punkt links von Jupiter ist die Erde im gleichen Maßstab.
Da G 758 B aber rund 500 Grad wärmer ist, schließen die Astronomen darauf, dass er sich noch kontrahiert, was Wärme freisetzt. In dieser Phase kann seine Masse nicht – wie üblich – anhand der Helligkeit bestimmt werden. Sie hängt vielmehr vom Alter ab. G 758 B könnte deshalb 700 Millionen Jahre alt und zehnmal so massereich wie Jupiter sein oder aber auch 8700 Jahre alt und 40-mal so schwer. Diese Daten machen ihn zu einem Kandidaten für einen Riesenplaneten oder aber einen massearmen Braunen Zwerg, also eine verhinderte Sonne. Letzteres halten Astronomen jedoch für unwahrscheinlich, weil ein weiterer Trabant des Sterns entdeckt wurde; so eine Nachbarschaft ist bei Braunen Zwergen bisher nie beobachtet worden.

Julia Eder

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