Wer häufig vertiefende Fragen stellt, weckt beim Gegenüber einen sympathischeren Eindruck. Das berichtet ein Team der Harvard University in einer Studienreihe, die demnächst im "Journal of Personality and Social Psychology" erscheint. Die Forscher um Verhaltensökonomin Francesca Gino untersuchten dazu die Gespräche zwischen zwei Menschen, die einander gerade kennen lernten. Sie griffen dafür unter anderem auf knapp 1000 Tonaufnahmen aus einer Feldstudie über Speed-Dating zurück. Bei dieser Form der Kontaktvermittlung sitzen sich zwei Personen ein paar Minuten lang gegenüber und wechseln dann an einen anderen Tisch, um so an einem Abend eine Vielzahl potenzieller Partner zu treffen. Wenn beide einander sympathisch finden, vermittelt der Veranstalter die Kontaktdaten.

Gino und ihre Kollegen analysierten die Kommunikation von insgesamt 110 Männern und Frauen, die jeweils zwischen 15 und 19 solcher Dates absolvierten. Nach jedem der vierminütigen Treffen notierten die Teilnehmer, wie sie ihr Gegenüber fanden und ob sie die Person noch einmal treffen wollten. Ein Computeralgorithmus zählte außerdem alle Fragen und kategorisierte sie beispielsweise danach, ob sie der Begrüßung dienten ("how are you?"), ob sie an die vorangehende Äußerung des anderen anschlossen oder ob sie das Thema wechselten.

Je mehr Fragen jemand stellte, desto besser war seine oder ihre Chance auf ein zweites Date – und dieser Sympathie-Bonus war allein den Anschlussfragen zu verdanken. Im Schnitt stellte jeder seinem Gegenüber rund zehn Fragen, knapp die Hälfte davon vertiefte das Thema. Wer durchschnittlich drei oder mehr solche Fragen pro Gespräch stellte, bekam im Verlauf von 20 Speed-Dates ein zweites Date mehr angeboten. Im Schnitt wollten die Männer 57 Prozent ihrer weiblichen Gegenüber wiedersehen; die Frauen waren mit einer Zustimmungsquote von 37 Prozent deutlich wählerischer.

Da der Dating-Erfolg von Vielfragern auch andere Ursachen haben könnte, testeten die Wissenschaftler den Effekt auch im Labor. Für eines ihrer Experimente rekrutierten sie rund 400 Probanden und teilten je zwei von ihnen nach dem Zufallsprinzip einander zu. Über Instant Messaging sollte nun jedes Paar am Computer 15 Minuten lang chatten und danach über den anderen Auskunft geben. Je einer von beiden wurde gebeten, dabei insgesamt höchstens vier oder aber mindestens neun Fragen zu stellen. Die Instruktion wirkte: Die Probanden kamen entsprechend auf einen Schnitt von vier beziehungsweise zehn Fragen (und ihre nicht instruierten Gegenüber auf sieben). Am Ende sollten alle Teilnehmer angeben, wie sie ihren Chat-Partner fanden. Die Vielfrager und die Wenigfrager unterschieden sich weder in ihrem Urteil über den Partner noch dahingehend, wie sympathisch sie selbst zu wirken glaubten. Ihre Gegenüber jedoch fanden die Vielfrager netter als die Wenigfrager.

Um den Sympathie-Bonus zu erklären, hatte das Forscherteam darüber hinaus einschätzen lassen, wie "responsiv", also zugewandt, einfühlsam und verständnisvoll die Fragenden wirkten. Tatsächlich gab dieser Eindruck den Ausschlag: Wer vertiefend nachfragt, erscheint besonders responsiv und weckt auf diese Weise Sympathie. Allerdings nur beim Gesprächspartner selbst: Dritte Personen, die den Chat mitverfolgten, fanden die Vielfrager nicht netter als die Wenigfrager – stattdessen vielmehr jene, die den Vielfragern antworteten und somit mehr über sich erzählten. Wer Gespräche strategisch angeht, sollte sich demnach überlegen, bei wem er gut ankommen möchte: beim Gesprächspartner oder bei etwaigen Zuschauern.