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Raketenschrott: Trümmerteile einer chinesischen Rakete treffen im Pazifik auf

Der Rest einer chinesischen Weltraumrakete ist unkontrolliert auf die Erde gestürzt und im Pazifik eingeschlagen. Ist ein solches Vorgehen wirklich nötig?
Ein Trümmerteil einer chinesischen Weltraumrakete
Im Juli 2022 sind bereits Trümmerteile einer chinesischen Rakete vor den Philippinen ins Meer gestürzt. (Archivbild)

Vor wenigen Tagen ist aus China eine Rakete des Typs »Langer Marsch 5B« gestartet, um das dritte und letzte Teil für die geplante Raumstation Tiangong ins All zu befördern. Und wieder einmal ist anschließend die 23 Tonnen schwere Kernstufe der Rakete unkontrolliert zur Erde zurückgestürzt und in mehreren großen Trümmerteilen auf der Oberfläche aufgeschlagen. Erste Berichte sprechen davon, dass der Raketenschrott gegen 11 Uhr mitteleuropäischer Zeit an einem Ort im Südpazifik ins Wasser gestürzt ist. Das Problem: Niemand wusste vorab genau, wann und wo die Teile auftreffen werden. Zeitweise war am Freitagmorgen der Luftraum über Spanien sicherheitshalber gesperrt worden. Betroffen waren die Flughäfen von Barcelona, Tarragona und Ibiza, wie spanische Medien unter Berufung auf den Zivilschutz berichteten.

Der Wiedereintritt großer chinesischer Raketenteile in die Erdatmosphäre hat schon mehrfach internationale Kritik ausgelöst. Im Juli 2022 fielen nach offiziellen Angaben aus Peking Raketenteile in der Nähe der Philippinen ins Meer. Auch wenn Experten die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen oder besiedelte Gebiete getroffen werden, für gering hielten, gab es Kritik von der NASA und von Experten am chinesischen Vorgehen. »Kein anderes Land lässt diese 20-Tonnen-Dinger in einer Umlaufbahn, um auf unkontrollierte Weise wieder in die Erdatmosphäre einzutreten«, sagte der Astrophysiker Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik dem US-Sender CNN im Juli. Zwar verglüht die Raketenstufe teilweise beim Eintritt in die Erdatmosphäre, aber größere Schrottteile können immer noch eine Gefahr darstellen.

Die »Langer Marsch 5B«-Trägerrakete ist nicht das einzige von Menschenhand geschaffene Objekt, auch nicht das größte, das je aus dem Weltraum gefallen ist. Teile von Raumfahrzeugen aus anderen Ländern, einschließlich der Vereinigten Staaten, sind ebenfalls in letzter Zeit auf die Erde zurückgestürzt – darunter ein kleines Stück eines SpaceX-Fahrzeugs, das im August auf einer australischen Schaffarm auftauchte. Meist geschieht dies aber nicht mit Absicht – so wie es im Fall der Chinesen offenbar der Fall ist.

Zhao Lijian, ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums, wies die Behauptung jedoch zurück, Chinas Umgang mit den Raketen sei etwas Ungewöhnliches. »Ich möchte betonen, dass China immer Aktivitäten zur friedlichen Nutzung des Weltraums in Übereinstimmung mit internationalem Recht und internationaler Praxis durchgeführt hat – der Wiedereintritt der letzten Stufe einer Rakete ist eine internationale Praxis«, sagte er laut der »New York Times«.

»Raumfahrtnationen müssen die Risiken für Menschen und Eigentum auf der Erde beim Wiedereintritt von Weltraumobjekten minimieren«Bill Nelson, Chef der NASA

Andere Orbitalraketen sind jedoch längst so konstruiert, dass ihre ersten Stufen kurz nach dem Start kontrolliert auf dem Ozean oder über unbewohntem Land auftreffen, oder, wie im Fall der »Falcon 9« und »Falcon Heavy« von SpaceX, in einem Stück herunterkommen, damit sie motorisiert landen und später wiederverwendet werden können.

»Raumfahrtnationen müssen die Risiken für Menschen und Eigentum auf der Erde beim Wiedereintritt von Weltraumobjekten minimieren und die Transparenz dieser Operationen maximieren«, schrieb NASA-Chef Bill Nelson in einer Erklärung im Mai 2021, nachdem China erstmals eine Rakete des Typs »Langer Marsch 5B« in die Umlaufbahn geschickt hatte. »Es ist von entscheidender Bedeutung, dass China und alle Raumfahrtnationen und kommerziellen Unternehmen im Weltraum verantwortungsbewusst und transparent handeln, um die Sicherheit, Stabilität, Gefahrenabwehr und langfristige Nachhaltigkeit der Weltraumaktivitäten zu gewährleisten.«

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