Menschen, die einen Meteore gesehen haben, berichten immer wieder von sonderbaren Geräuschen, die sie zeitgleich zum Auftauchen der Feuerkugel am Himmel gehört haben wollen. Schallwellen scheiden jedoch als Verursacher aus, da diese Minuten bis zum Beobachter brauchen würden. Nun präsentieren zwei Forscher im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" eine neue Theorie für den Ursprung der Knack-, Zisch- oder Knalllaute. Demnach bringen starke elektrische Felder hinter dem Meteor Radiowellen hervor, wenn dieser durch die obere Atmosphäre saust. Und diese Energiepulse lassen Gegenstände auf der Erde mit einer für das menschliche Ohr wahrnehmbaren Frequenz vibrieren.

Erklärungen nach diesem Muster führen Wissenschaftler schon länger ins Feld. Sie sind sich jedoch nicht einig, welche Prozesse die Radiostrahlung hervorbringen. Bildet sich hinter dem Meteor ein verzwirbeltes Magnetfeld? Entstehen die Wellen, wenn der Himmelskörper beim Kontakt mit der Atmosphäre zu zerreißen beginnt? Oder hat vielleicht die beim Atmosphäreneintritt ausgesandte Schockwelle etwas damit zu tun? Vor Kurzem spekulierten Forscher sogar, dass die intensiven Lichtblitze der Feuerbälle Blätter und Kleidung in Schwingung versetzen könnten.

Michael Kelley von der Cornell University in New York und Colin Price von der Tel Aviv University halten nicht viel von diesen Theorien. Sie haben stattdessen eine andere Erklärung für die Radiowellen ausgearbeitet. Demnach ionisiert ein Meteor die Luft, wenn er durch die obere Erdatmosphäre saust. Das Erdmagnetfeld entfernt daraufhin die Elektronen von ihren Atomrümpfen. Auf diese Weise entstehen starke elektrische Felder direkt hinter dem Himmelskörper. Die resultierenden Ströme kämen der Theorie zufolge als Quelle der Radiowellen in Frage. Sie wären sogar so stark, dass bloß ein Tausendstel ihrer Energie von Gegenständen auf der Erdoberfläche absorbiert werden müsste, um für Menschen hörbare Schallwellen zu erzeugen, rechnen Kelley und Price vor.

Und die Forscher gehen noch weiter: Da vergleichbare Radiowellen ebenso bei Polarlichtern entstehen könnten, sei es denkbar, dass auch diese von wahrnehmbaren Geräuschen begleitet werden, schreiben die Forscher. Entsprechende Berichte von indigenen Völkern habe es immer wieder gegeben. Ob damit die Debatte um den Ursprung der rätselhaften Meteorgeräusche beendet ist, ist fraglich. Nach wie vor gibt es aus Sicht von Experten zu wenige verwertbare Aufzeichnungen der Knack-, Zisch- und Knallgeräusche, die das spektakuläre Himmelsphänomen begleiten sollen.

In einer früheren Version des Artikels war von "Meteoriten" die Rede. Gemeint sind aber vor allem Meteore, die anders als Meteoriten nicht auf die Erde stürzen.