Etwa fünf Millionen Deutsche wanderten im Lauf des 19. Jahrhunderts in die Vereinigten Staaten aus – und ein beträchtlicher Teil von ihnen flüchtete vor schlechtem Wetter in die Neue Welt. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Rüdiger Glaser von der Universität Freiburg anhand von Daten aus der Region des heutigen Baden-Württemberg. Das Team verglich Aufzeichnungen über Temperaturen, Ernteerträge und Getreidepreise mit demografischen Daten. Insgesamt erklären Wetterfaktoren und die dadurch schwankenden Ernteerträge wohl mehr als ein Fünftel der Auswanderung.

Nach der Analyse von Glasers Team lassen sich vor allem zwei große Auswanderungswellen auf Wettereinflüsse zurückführen: Jene durch das "Jahr ohne Sommer" nach dem Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1815 und eine weitere im Jahr 1846, die auf einen sehr trockenen Sommer zurückging. Die größte Auswanderungswelle aus Südwestdeutschland im Zeitraum von 1850 bis 1855 allerdings passt nicht in dieses Muster, so die Arbeitsgruppe. Zwar hätten auch in dieser Phase Wetter und schlechte Ernten zum Strom der Wirtschaftsflüchtlinge beigetragen, für den größten Teil der Migration waren jedoch politische und wirtschaftliche Faktoren verantwortlich. So ließen die ökonomischen Auswirkungen des Krimkrieges die Getreidepreise steigen und einige Regierungen führten wirtschaftliche Anreize ein, um die Auswanderung unerwünscher Bevölkerungsschichten zu fördern. Heute hat ein beträchtlicher Anteil der US-Amerikaner deutsche Vorfahren, darunter der amtierende Präsident Donald Trump.