Unausgeschlafene sind erkältungsanfällig, beweisen Psychologen und Schlafmediziner nun nach zwei Monaten medizinischer Tests und sieben Tagen Schlaflaborbeobachtung von 164 Freiwilligen, deren Schleimhäute sie absichtlich mit Erkältungsviren attackiert hatten. Am Ende zeigte sich, dass tatsächlich auch schon ein geringfügiger Schlafmangel das Immunsystem schwächt und Viren die Infektion erleichtert.

Der Zusammenhang ist nicht ganz leicht wissenschaftlich zu überprüfen und bis dato vor allem anekdotisch belegt, ohne dass ein zu Grunde liegender Mechanismus aufgeklärt ist. Immerhin hatten statistische Studien, die auf der Selbstauskunft von Probanden basieren, schon eine Korrelation zwischen Schlafmangel und Erkältungsneigung konstatiert. Nun haben die Forscher um Sheldon Cohen den Zusammenhang dagegen objektiv mit Daten unterfüttert. Dazu analysierten sie den Gesundheitszustand ihrer Probanden und ermittelten dann unter kontrollierten Bedingungen über sieben Tage hinweg die Schlafdauer und -qualität. Schließlich testeten sie, wie das Immunsystem der Freiwilligen auf Erkältungsviren reagierte, die per Nasenspray absichtlich verabreicht wurden. Dabei zeigte sich tatsächlich: Wer pro Nacht sechs Stunden oder weniger schlief, erkältete sich mehr als viermal so häufig als ein Langschläfer – unabhängig von anderen die Gesundheit beeinträchtigenden Parametern wie etwa dem persönlichen Stresslevel oder dem Alter.

Der Versuch simuliere einfach "ziemlich gut eine ganz normale Woche in der Erkältungssaison", so der Psychologe Aric Prather von der University of California in San Diego über das Studiendesign. Realistisch sei dabei vor allem, dass der normale Schlafrhythmus der Kandidaten nicht künstlich verkürzt worden ist – anders als bei einigen anderen Experimenten, bei denen sich andeutete, dass auch chronischer, im Experiment gezielt herbeigeführter Schlafmangel die Körperabwehr schwächt. Schon ein geringes, kaum selbst wahrgenommenes Schlafdefizit scheine aber das Immunsystem generell zu belasten. Schlaf, so die Forscher abschließend, sei eben zusammen mit richtiger Ernährung und regelmäßiger körperlicher Aktivität eine der Säulen unseres Wohlbefindens.