"Nur fliegen ist schöner" - Sloganschöpfer und Werbegrafiker Carolus Horn ermöglichte Medizinern und Psychologen tiefe Einblicke in die Auswirkungen einer verbreiteten neurologischen Erkrankung. Welcher?

a) Parkinson-Krankheit
b) Schizophrenie
c) Alzheimer-Krankheit
d) Depression
e) Borderline-Syndrom

Antwort:

Carolus Horn (1921-1992), der wohl erfolgreichste Werbegrafiker der Nachkriegszeit, litt an der Alzheimer-Krankheit. Seine bis zum Tod gemalten Bilder enthüllten viele grundlegenden Einblicke, wie sich die Wahrnehmung von Alzheimer-Patienten mit Fortschreiten der Krankheit verändert.

Erklärung:

Zahlreiche noch heute bekannten Werbesprüche und Plakate stammten aus Horns Feder. So hatte er nicht nur den erwähnten Opel-Werbespruch entwickelt, sondern auch für Esso das "Es gibt viel zu tun. Packen wir's an" geprägt, der Bundesbahn zu "Alle reden vom Wetter. Wir nicht" verholfen, dem Glücksklee "Die glücklichen Kühe" vermacht und vieles mehr.

Schon als Kind hatte sich Horns hervorragendes Zeichentalent offenbart. Zu seinen ersten Werken, die er als gerade mal 15-Jähriger veröffentlichte, gehörten Schwarz-Weiß-Anzeigen für Coca-Cola. In sowjetischer Kriegsgefangenschaft überlebte er, indem er Postkarten für Lageraufseher zeichnete und dafür bevorzugt behandelt wurde. Und er beschränkte sich nicht etwa auf Werbegrafiken – daneben malte Horn auch zahlreiche Landschaftsdarstellungen und Städteansichten.

Mitte der achtziger Jahre allerdings diagnostizierten Ärzte bei Horn die Alzheimer-Krankheit. Seiner Schaffenskraft tat dies keinen Abbruch: Bis zu seinem Tode malte er weiter. Und anhand jener Bilder lässt sich deutlich verfolgen, dass Alzheimer-Patienten unter anderem zunehmend Probleme mit der räumlichen Wahrnehmung bekommen. So wurden Horns Ansichten der Rialto-Brücke in Venedig beispielsweise zwar immer bunter, gleichzeitig wirken sie aber zunehmend erstarrt und sind perspektivisch verzerrt, weil unter anderem die Größe von Objekten nicht mehr passend zur Entfernung verkleinert wurde. Mit Fortschreiten der Erkrankung verlor Horn auch den Bezug zu waagerechten und senkrechten Dimensionen: Eigentlich waagerechte Gardinenstangen stellt er in den späteren Bildern schräg dar, also parallel zur Brückenoberfläche. Außerdem gibt es Hinweise auf Halluzinationen, die ebenfalls als Symptome der Demenz auftreten können: So verdoppelte er in einem Portrait Mund und Nase und fügt ein drittes Auge hinzu.

Gegen Ende der achtziger Jahre werden Horns Teilmotive immer grober und schematisiert. Bekannt ist hier die Veränderung seiner Wolkendarstellung: Waren sie früher sehr detailliert und realistisch, ähneln die strukturlosen weißen Flecken mit dunklem Rand und rotem Punkt in der Mitte später eher Spiegeleiern.

Einige Bilder von Carolus Horn sind heute als Ausstellung ständig auf Reise. Sie sind eine wertvolle Hilfe für die Angehörigen von Alzheimer-Patienten, die darin erkennen können, wie sich die Fähigkeiten eines Betroffenen durch die Krankheit nach und nach verändern. Und sie verdeutlichen typische Krankheitssymptome, etwa dass die Kranken Gesichter nicht mehr erkennen können oder den Orientierungssinn verlieren.