Wann fand der erste richtige Raketenstart Europas statt?

Ariane 5
© Esa
(Ausschnitt)
a) 1232
b) 1555
c) 1720
d) 1942
e) 1957

Antwort:

Es war 1555 in Rumänien.

Erklärung:

Auch wenn es in zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert verschiedene Experimente mit Raketen in Europa gegeben haben soll: Der erste richtige, schriftlich niedergelegte Start einer Rakete mit modernem Antlitz erfolgte 1555 im rumänischen Hermannstadt (heute Sibiu).

Der Flugkörper verfügte bereits über ein Drei-Stufen-Antriebssystem, das mit einem festen Treibstoff aus verschiedenen Pulvern – wohl inklusive Schwarzpulver – befeuert wurde. Die frühen Ingenieure experimentierten darüber hinaus mit Brennsätzen aus Essigsäure, Ammoniak sowie Äthylazetat, und sie statteten das Treibgeschoss zur Erhöhung der Flugeigenschaften mit stabilisierenden Delta-Flügeln aus.

Diese frühe Konstruktionsleistung wäre wohl längst schon aus dem Gedächtnis der Menschheit entschwunden, wenn sie der frühe Chronist und damalige Depotleiter der Artillerie Conrad Haas nicht in einem Sammelband zur Geschichte der siebenbürgischen Metropole niedergeschrieben hätte. Mehr als 400 Jahre später findet 1961 der rumänische Wissenschaftler Doru Todericiu die Aufzeichnungen im Archiv der Stadt und veröffentlicht die Geschichte der Erfindung einer "fliegenden Lanze" in der Fachzeitschrift Technikgeschichte.

Der Premierenbericht von echten, bewusst betriebenen Raketen stammt aus dem Jahr 1232. Zu dieser Zeit stand das chinesische Kaiserreich im Krieg mit mongolischen Invasoren. Wie historische Überlieferungen berichten, setzten die Chinesen in der Schlacht von Kai-Keng erstmals richtiggehende Raketen-Batterien ein: Sie ließen auf die Angreifer einen ganzen Hagel von zwar simplen, von Schwarzpulver angetriebenen Geschossen niedergehen, deren Wirkung auf die Psyche der gegnerischen Kombattanten wohl aber verheerend war.

Um 1720 entwickelte der niederländische Gelehrte William Gravesande erste Modell-Vehikel, die von richtigen Dampfstrahl-Triebwerken bewegt wurden, was einen frühen Schritt hin zu den heutigen Düsenantrieben bedeutete und die Flugleistung der Raketen verbesserte. Die Erfindung wurde inspiriert durch die kurz zuvor von Newton niedergelegten Bewegungsgleichungen.

An Weihnachten 1942 hob von einer Startrampe bei Peenemünde der erste Prototyp einer von Robert Lusser für die Luftwaffe entwickelten V1-Rakete zu einem Testflug ab. Sie und ihre Nachfolgerin V2 sollten den Zweiten Weltkrieg nochmals zugunsten des Deutschen Reiches wenden. Bau, Tests und Einsätze der Waffe kosteten etwa 20 000 Menschen das Leben. Nach dem Krieg übernahmen Amerikaner und Sowjets die nach der Kapitulation Deutschlands vorgefundene Technologie und rekrutierten die beteiligten Wissenschaftler – unter ihnen Wernher von Braun – für ihre eigenen Entwicklungsabteilungen.

Erstmalig verließ eine Rakete die Gashülle der Erde am 4. Oktober 1957: Die Sowjetunion schoss "Sputnik" in eine extraterrestrische Umlaufbahn. Der Wettlauf ins All hatte begonnen.