Wann wurde der Blutkreislauf korrekt beschrieben?

a) 350 v. Chr.
b) 170 n. Chr.
c) 1252
d) 1628

Antwort:

Im Jahr 1628 veröffentlichte William Harvey seine Schrift "Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus" - die Bewegung des Herzens und des Blutes. Darin beschreibt er korrekt den Blutkreislauf.

Erklärung:

William Harvey (1578-1657) studierte unter anderem zwei Jahre bei Fabricius (ca. 1533-1619) in Padua, wo er wie sein Lehrer Tiere sezierte, um die Funktionen von Organen aufzuklären. Nach seiner Rückkehr nach Großbritannien im Jahr 1602 machte er sich schnell einen Namen als Arzt und Dozent öffentlicher Vorlesungen und wurde 1618 als Hofarzt bestellt.

Durch verschiedene Versuche konnte er nachweisen, dass Blut tatsächlich in einem Kreislauf strömt und nicht etwa vom Körper absorbiert und ständig in der Leber nachgebildet werde, wie zu damaligen Zeiten von vielen Forschern, die Anhänger der Lehre Galens waren, vermutet wurde.

Galen (129-ca. 216) hatte um 170 beschrieben, dass die Leber der Ort der Blutbildung sei. Von dort fließe das venöse Blut, zusammen mit dem so genannten Körperpneuma, gebildet aus aufgenommener verdauter Nahrung in Form von Milchsaft (Chylus), in die rechte Herzkammer und teile sich in zwei Ströme. Einer davon führte seinen Vorstellungen nach in die Lunge, während der andere in die linke Herzkammer übertritt, dort mit Pneuma angereichert und erwärmt wird und schließlich in die Peripherie strömt, um sie mit Nährstoffen zu versorgen – der Ursprung der Arterien lag also im Herzen, jener der Venen in der Leber. Diese Ansicht der Blutversorgung hielt sich über ein Jahrtausend lang bis in die Renaissance.

Im 13. Jahrhundert – hier symbolisiert durch das Jahr 1252 – beschrieb Ibn an-Nafis (1200-1288) den so genannten kleinen Blutkreislauf: den Weg des Blutes vom Herzen über die Lungen. Er erkannte, dass ein direkter Austausch zwischen den beiden Herzkammern nicht möglich war und erklärte daher, das Blut müsse den Weg über die Lunge nehmen – damit war er der erste, der die Theorie des Lungenkreislaufes aufstellte. Seine Arbeit schien allerdings in Vergessenheit geraten zu sein, denn in den Werken aus dem 16. Jahrhundert, die ähnliche Beschreibungen enthielten, findet sich kein Hinweis auf Ibn an-Nafis' Erkenntnisse.

Harvey war in seinem Denken und seiner Arbeitsweise stark geprägt von Aristoteles (384-322 v. Chr.), der die Erforschung biomedizinischer Themen durch Sektionen an Tieren untermauerte. So erwähnt er in seiner Beschreibung des Herzens drei Kammern, die mit der Lunge in Verbindung stehen, doch ist unklar, auf welche Tierart er sich dabei bezog. Er unterschied nicht zwischen Venen und Arterien, erkannte aber bereits das im ganzen Körper zusammenhängende Blutgefäßsystem. Aus Beobachtungen an Hühnerembryonen schloss er auf das schlagende Herz als Motor des Lebens.
Blutkreislauf
© Spektrum Akademischer Verlag
(Ausschnitt)
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Vögel und Säugetiere zeigen eine vollständige Trennung der beiden Herzkammern und damit des großen und kleinen Blutkreislaufs.

Wann wurde der Blutkreislauf korrekt beschrieben?