Was löst die weißen, haarförmigen Gebilde aus, die sich im Winter auf morschem Holz entdecken lassen?

Andreas Jahn
Mozartlocken
© Clemens Cording
(Ausschnitt)
a) Ein Pilz
b) Eine Spinne
c) Ein Insekt
d) Wasser
e) Zellulose

Antwort:

Bei den rätselhaften filigranen Strukturen handelt es sich schlicht um gefrorenes Wasser.

Erklärung:

Ein winterlicher Spaziergang im Wald mag frostig und kalt sein, doch wer mit offenen Augen durch das Gehölz stiefelt, kann so manch interessante Entdeckung machen. Diese rätselhaften weißen Gebilde zum Beispiel, die sich auf abgestorbenen Ästen und Zweigen befinden. Irgendwie erinnern sie an die Perücken zu Zeiten Mozarts. Was verbirgt sich hinter diesen "Mozart-Locken"?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, hier hat keine Spinne ihr Unwesen getrieben. Auch die Schaumzikaden, die im Frühjahr ihren Nachwuchs unter einer Schaumhülle verstecken, waren nicht am Werk. Und Pilze, die sich auf Totholz durchaus wohl fühlen, scheiden ebenfalls aus – genauso wie der Mensch, der hier vielleicht unbemerkt Glaswolle "entsorgen" wollte.

Bei näherer Betrachtung löst sich das Rätsel. Es handelt sich nicht um ein biologisches, sondern ein physikalisches Phänomen: Die filigranen Strukturen bestehen schlicht aus – Eis.
Mozartlocken
© Clemens Cording
(Ausschnitt)
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Das tote Holz enthält immer noch reichlich Wasser, das einst durch die Leitbündel von den Wurzeln zu den Blättern strömte. Gefriert nun dieses Wasser, dann dehnt es sich - da Eis eine geringere Dichte als Wasser hat - kräftig aus. Bei morschen Ästen, deren Rinde bereits aufgebrochen ist, findet das Eis - durch die Leitbündelstruktur zu einem haarförmigen Gebilde gepresst - seinen Weg nach draußen.

Technikern ist dieses Phänomen wohl vertraut. Denn beim so genannten Strangpressen werden Drähte oder Rohre hergestellt, indem ein Werkstoff mit hohem Druck durch eine Matrix gepresst wird. Wichtig dabei ist, dass der Druck von allen Seiten gleichmäßig wirkt. Dadurch beginnt der Werkstoff zu fließen und lässt sich so durch die Matrizenöffnungen pressen, wodurch ein Strang entsteht.

Nach genau demselben Prinzip baut Mutter Natur die winterlichen "Mozartlocken", wobei die Erdanziehung den wachsenden "Haaren" ihren Dreh gibt. Allerdings bedarf es hierfür nicht nur frostiger Temperaturen, sondern auch absoluter Windstille. Schon der leiseste Hauch zerstört die kleinen Kunstwerke.

Wir danken Herrn Prof. Clemens Cording von der Universität Regensburg, der uns auf das Naturphänomen aufmerksam gemacht hat.