Welcher dieser Friedhöfe ist der jüngste?

Claudia Reinert
Claudia Reinert
© Claudia Reinert
(Ausschnitt)
a) Stadt der Toten in Kairo
b) Wiener Zentralfriedhof
c) Père Lachaise in Paris
d) Wolkowo-Friedhof, Sankt Petersburg
e) La Recoleta in Buenos Aires

Antwort:

Der Wiener Zentralfriedhof ist mit seinem Eröffnungsdatum 1874 der jüngste der fünf genannten Friedhöfe.

Erklärung:

Ludwig van Beethoven, Franz Schubert und Antonio Salieri – sie alle liegen auf dem Wiener Zentralfriedhof begraben. Doch ihre sterblichen Überreste wurden erst lange nach ihrem Tod umgebettet: Sie segneten bereits in den 1820er Jahren das Zeitliche, deutlich vor der Einweihung des heute berühmten Gräberfeldes 1874. Der Wiener Zentralfriedhof ist damit die jüngste der genannten Grabanlagen. Tatsächlich dort beerdigt wurden Johannes Brahms im Jahr 1897 und Johann Strauss 1899. Neben diesen fünf Berühmtheiten haben noch weitere drei Millionen Bestattete auf dem Wiener Zentralfriedhof ihre letzte Ruhe gefunden – damit ist er eine der größten Friedhofsanlagen Europas. Als Ende des 19. Jahrhunderts Wien mehr und mehr Einwohner zählte, beschloss der Gemeinderat, einen außerhalb der Stadt gelegenen Friedhof einzurichten. Seine Kapazität sollte weitere Begräbnisstätten, wie sie über das 18. Jahrhundert entstanden waren, überflüssig machen.

Eine sehr begrenzte Aufnahmefähigkeit hat dagegen der Cementerio de La Recoleta in Buenos Aires, was ihm seinen Ruf als letzte Ruhestätte der Berühmten und Reichen einbringt: In einer der steinernen Grüfte beispielsweise liegt die 1952 verstorbene María Eva Duarte de Perón, besser bekannt als Evita. Ihre Anhänger schmücken die Tür zum Mausoleum noch heute mit Blumen und Devotionalien. Der Rest der Argentinier hat La Recoleta vor allem wegen der Beerdigung Raúl Alfonsíns in Erinnerung, der dort 2009 seine letzte Ruhestätte fand. Er war der Präsident, der das Land 1983 nach der Militärdiktatur zur Demokratie zurückführte. Als die Republik noch jung war, entstand auch La Recoleta als Friedhof: 1822 wurde das dort befindliche Kloster aufgelöst und der Klostergarten zum ersten öffentlichen Friedhof von Buenos Aires erklärt.

Im Gegensatz zum Friedhof der Berühmten und Reichen wurde der Pariser Père Lachaise gegründet für alle, denen vorher ein christliches Begräbnis verwehrt geblieben war: Die Gründung geht zurück auf ein Dekret Napoleons aus seiner Zeit als Konsul. 1804 erwarb die Stadt das Gelände und ließ die ersten Toten bestatten. Zunächst hieß er schlicht "Cimetière de l’Est", Ostfriedhof, denn das postrevolutionäre Frankreich war christlichen Symbolen gegenüber eher feindlich eingestellt. Doch weil das Gebiet des heutigen Friedhofs vorher dem Beichtvater (père) des Sonnenkönigs, François d'Aix de La Chaise, gehört hatte, nannten die Pariser "ihren" Friedhof bald nach dem Vorbesitzer. Heute pilgern Touristen vor allem zum Grab von Jim Morrison, dem Sänger von "The Doors", von dem immer noch manche Fans glauben, er sei 1971 nicht wirklich gestorben, sondern nehme sich nur eine Auszeit zum Verfassen von Songtexten.

Gegenüber Paris, das bereits 53 v. Chr. von Gaius Julius Cäsar als Hauptort eines Keltenstammes erwähnt wurde, ist die Stadt Sankt Petersburg noch relativ jung: 1703 wurde sie offiziell von Peter dem Großen gegründet. Dennoch ist der Wolkowo-Friedhof mit seinem Gründungsdatum 1756 älter als der Père Lachaise. Wolkowo war zunächst als Armenfriedhof konzipiert, wurde aber später die letzte Ruhestätte einiger bekannter Naturwissenschaftler: Dmitri Iwanowitsch Mendelejew, der Erfinder des Periodensystems, wurde 1907 dort begraben, ebenso wie 1936 Iwan Petrowitsch Pawlow, der Nobelpreisträger für Medizin. Auch die sterblichen Überreste von Andrei Andrejewitsch Markow, nach dem die Markow-Ketten und die Markow-Ungleichungen benannt sind, wurden hier bestattet.

Buchstäblich steinalt ist Kairos "Totenstadt" – auch wenn sie nichts mit den Pharaonen zu tun hat. Seit der Eroberung Ägyptens durch die Araber im siebten nachchristlichen Jahrhundert, also kurz nach Mohammeds Zeit, diente dieser Ort als Begräbnisstätte. Schon damals lebten Grabwächter zwischen den Gruften, doch heute breitet sich dort ein großes Elendsviertel aus, in dem Menschen ohne Strom- oder Wasserversorgung in den Mausoleen leben.
Claudia Reinert

Welcher dieser Friedhöfe ist der jüngste?