Wer benutzte erstmals den Begriff "Bug" für einen Fehler im (technischen) System?

Jan Osterkamp
a) Der Telefon-Miterfinder Thomas Edison
b) Die Computer-Pionierin Grace Hopper
c) Der Binär-Mathematiker George Boole
d) Der Volksmund

Antwort:

Kleine, gemeine und kaum greifbare Wesen nannte der englischsprachige Volksmund schon im 19. Jahrhundert "Bugs" - und machte sie, mangels bekannter Schuldiger, für allerlei mysteriöse Ausfälle der damals modernen Kommunikationsmittel verantwortlich.

Erklärung:

Heutzutage spricht der Volksmund, wenn er über Computertechnologie redet, bestenfalls etwas Ähnliches wie Deutsch – oder gleich totalfremdsprachliches wie A Bug is not a Feature. Damit meint der fremdsprachenverliebte Rechner-Connaisseur dann, dass offenbar ein Programmierer wieder einmal eine vorgeblich zum Nutzen des Users entworfene Überflüssigkeit derart schlecht in die Software eingebettet hat, das sie dem Rechner-Betriebssystem gerade noch erlaubt, per Blue-Screen-of-Death den Totalabsturz mitzuteilen. Ein "Bug" – im englischen Allgemeinwortschatz wortwörtlich ein kleines wanzen-, käfer- oder mottenähnliches, jedenfalls aber lästiges Kleininsekt – ist in der Sprache der Computermenschen also ein Programmfehler. Meist handelt es sich dabei um einen so genannten Laufzeitfehler, der erst auftritt, während das Programm vom Rechner nach und nach abgearbeitet wird.

Während nun Windows im Amerika des 19. Jahrhunderts noch etwas ganz anderes waren, gab es doch auch damals schon die "moderne Technik". Und wie heute hat sie natürlich immer dann nicht richtig funktioniert, wenn man sie braucht. Ein Beispiel: das brandneue Telefon. Wahrscheinlich waren Ferngespräche mit dem Gerät damals wirklich kein reines, sondern ein rauschendes Vergnügen. Und vielleicht hat damals wirklich, wie kolportiert wird, ein Witzbold behauptet, dieses Rauschen liege an "Bugs", die an der erdverlegten Leitung knabbern. Jedenfalls muss dies oder ähnliches auch dem Erfinder Thomas Edison zu Ohren gekommen sein, der an der Erfindung des Telefons seinen Anteil hat.

Im Jahr 1878 jedenfalls schrieb Edison an seinen Erfinderkollegen Tivadar Puskás eine Notiz, in der erstmals das Wort "Bug" für die Beschreibung von kleineren technischen Schwierigkeiten herhält: "… The first step [in all of my inventions] is an intuition, and comes with a burst, then difficulties arise – this thing gives out and [it is] then that 'Bugs' – as such little faults and difficulties are called – show themselves …" Kurz und werkfern übersetzt: Immer wenn man denkt, ein neues Maschinchen läuft wie geschmiert, streuen einem so genannte "Bugs" Sand ins Getriebe. Edison ist damit zwar nicht Erfinder, aber immerhin Kronzeuge für eine schon damals kursierende Neuschöpfung. Der eigentliche Erfinder des Telefons ist er übrigens auch nicht – aber das ist eine andere Geschichte.

Ein modernes Märchen ist dagegen sicher jenes von Grace Hopper. Die 1906 geborene Computer-Pionierin widmete große Teile ihrer knapp 100 Lebensjahre der Informatik, arbeitete an der Entwicklung verschiedener Ur-Computer mit und schrieb einen der ersten so genannten Compiler – ein überaus nützliches, auch heute nahezu unverzichtbares Programm, das Programmierer-Kode in maschinenverständliches Kauderwelsch übersetzt. Auf sie gehen Teile der Computersprache COBOL zurück, die heute noch gerade in der betriebswirtschaftlichen Datenverarbeitung eingesetzt wird; Hopper bekam nicht zu Unrecht den Kosenamen Großmutter COBOL. Ihre Programmsprachenvergangenheit brachte sie dann allerdings auch mit dem wohl bekanntesten aller Computer-Fehler in Zusammenhang – dem "Millenium"-, "Y2K" oder, halb deutsch, "Jahr-2000-Bug".

Denn angeblich war Hopper in den 1950er Jahren daran beteiligt gewesen, aus Gründen der Speicherersparnis im COBOL-Urdialekt Jahreszahlen nicht mit vier (1959), sondern stattdessen mit zwei Ziffern (59) auszudrücken – was dann im Jahr 99 zu teils apokalyptischer Panik in Teilen der Computerwelt führte. Spätestens im Jahr 01 war übrigens alles vergessen, nachdem die schlimmsten Bug-Befürchtungen sich als stark übertrieben entpuppt hatten.
Der erste echte "Bug" - eine Motte aus den Eingeweiden des Urcomputers Mark II
© U.S. Naval Historical Center Photograph
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernErster echter Bug
Sicher, weil im Museum hinterlegt, ist eines: Großmutter COBOL kannte und benutzte schon 55 Jahre vor dem Jahrtausendwechsel das Wort "Bug" für Computerfehler. In der Computerfrühzeit hatte die Doppeldeutigkeit des Begriffes sogar Hand und Fuß, denn gelegentlich fielen die damaligen Ur-Rechner tatsächlich deswegen aus, weil ein Insekt sich zwischen die Relais-Kontakte der Maschinen verirrt hatte. Am 9. September 1945 passierte genau dies auch dem Rechner Mark II, an dem Hopper gerade beschäftigt war. Sie (oder ihre Kollegen?) fand die Ursache, eine kleine Motte, und entfernte sie. Die sterblichen Überreste des Insekts - zu Dokumentationszwecken im Rechnerlogbuch von Mark II per Klebestreifen fixiert - finden sich heute im Marinemuseum der USA. Neben der Motte im Logbuch der launige handschriftliche Kommentar: "First actual case of a bug being found." Das Wortspiel macht klar, dass der Bug-Begriff metaphorisch schon vor dem tragischen Tod der Mark-II-Motte kursierte.

Auch wenn also Grace Hopper nicht die Urheberin des Bugs ist, bleibt sie die erste dokumentierte "debugger", wie IT-Spezialisten auch heute noch den Prozess des Fehlerentfernens beim Programmieren nennen. Tatsächliche Insekten sind dabei zunehmend seltener als Schuldige ausgemacht worden - und so können wirklich nur Kulturpessimisten behaupten, es gebe seit dem ersten Computer bis heute keinen echten Fortschritt. Der Urcomputer-Prototyp, eine von Konrad Zuse unter anderem per Laubsäge geschnitzte mechanische Rechenmaschine namens "Z1", ist schon 1938 auf der Basis des binären Zahlensystems programmiert worden, das nur 0 und 1 kennt. Dieses von Gottfried Wilhelm Leibniz erfundene System hat der englische Mathematiker George Boole 1854 für logische Verknüpfungen angewandt, in denen falsch und richtig durch einen offenen oder geschlossenen Schalter dargestellt werden. Richtig schwarzsehende Computergeschädigte von heute sollten also sagen, dass schon dies der Anfang vom Ende war.

Wer benutzte erstmals den Begriff "Bug" für einen Fehler im (technischen) System?