Artur Fischer, gelernter Bauschlosser und umtriebiger Unternehmer, hat diverse technische Innovationen erfunden – darunter Dübel und das "fischertechnik"-Baukastensystem. Vor 50 Jahren schenkte er seinen Kindern zu Weihnachten die ersten Bausteine. Mittlerweile ist fischertechnik in Spielzimmern, Schulklassen und Universitäten anzutreffen, ja sogar in Ingenieur- und Architektenbüros. Das entspricht auch der Zielgruppe, an die sich das Buch wendet.

Die Autoren Dirk Fox und Thomas Püttmann zeigen in dem Werk, wie sich mit fischertechnik Meilensteine der Technikgeschichte nachstellen lassen. Selbstverständlich sind sie begeisterte Anhänger des Baukastensystems. Fox ist Informatiker und gibt die Zeitschrift "ft:pedia" heraus. Püttmann, der dort als ständiger Gastautor in Erscheinung tritt, entwickelt als didaktisch interessierter Mathematikprofessor neue Lehrmodelle und verwendet dafür meist fischertechnik. Die beiden verhehlen nicht, mit dem Sachbuch kräftig Werbung für das Baukastensystem zu machen.

Hebel, Kuppel, Flaschenzug

Zunächst gehen sie auf den Flaschenzug ein, was noch von allgemeinem Interesse ist: "Vor über 2000 Jahren entdeckten die Menschen eine technische Lösung, um selbst tonnenschwere Gegenstände, wie zum Beispiel große Steinblöcke, mit Menschenkraft zu heben." Auch die historischen Darstellungen über Archimedes' Hebelgesetz, über den Baumeister der florentinischen Domkuppel Fillippo Brunelleschi (1377-1446) oder über den Faktorenflaschenzug von Leonardo Da Vinci (1452-1519) wenden sich an ein breites Publikum. Doch schon zwei Seiten später verengt sich der Fokus auf den Fischer-Baukasten.

Dieses Prinzip durchzieht das gesamte Buch mit seinen 16 deklarierten Meilensteinen – darunter Getriebe, Uhr, Rechenmaschine oder Hubschrauber. Stets folgt einer kurzen Darstellung des historischen Vorbilds die detaillierte Nachahmung mit dem Bausatz, wobei die letzte reichlich Platz eingeräumt bekommt. Mit beinahe kindlicher Freude widmen sich die Autoren der Vervollkommnung der fischertechnik in den zurückliegenden Jahrzehnten. Sie würdigen die Genialität des "Grundbaukastens" aus dem Jahr 1966, zollen dem "Aufbau-Statikkasten" von 1975 sowie dem 1990 eingeführten "Rollenlager" reichlich Anerkennung und zeigen sich begeistert vom vorläufigen Topsortiment, dem "Universalbaukasten" von 1997.

Das ist wirklich nur etwas für ausgebuffte Experten. Und die dürften sich mehr als Tüftler denn als Technikhistoriker für die ausgewählten Erfindungen interessieren. Zwar betrachten die Autoren ihre "Meilensteine" zum Schluss noch einmal überraschend kurzweilig und unterhaltsam in deren gesellschaftlichem Kontext. Doch dieser kompakte Teil bietet dem allgemein an Technikgeschichte interessierten Leser zu wenig.