"Geschichten vom Kosmos und seinen Entdeckern" erzählt der freie Journalist Christian Pinter in seinem Buch "Helden des Himmels", das teilweise überarbeitete Beiträge für die "Wiener Zeitung" enthält. Helden des Himmels, das sind für Pinter zunächst die Götter und Halbgötter der Antike. Durch ihre Abenteuer und Leiden verdienen sie sich einen festen Platz am Himmel in Form von Sternbildern wie Perseus, Orion oder Andromeda: Der Mensch schaut also zu den Sternen und zu den Göttern zugleich. Die Gruppierungen der Sterne beinhaltet für den nächtlichen Beobachter gleichzeitig Mythen zur Erklärung der Welt.

Seit Humanismus und Renaissance dienen diese Göttergeschichten nur noch als unterhaltsame Gedächtnisstütze, um sich am Himmel zurechtzufinden. Der Mensch selbst wird in dieser Zeit zum Helden des Himmels: Nikolaus Kopernikus, Tycho Brahe, Galileo Galilei, Johannes Kepler – um die berühmtesten zu nennen, über die Christian Pinter auch in seinem Buch berichtet. Die Geschwister Wilhelm und Karoline Herschel sind möglicherweise die letzten Vertreter dieses Typus von Helden. Sie sind noch Entdecker des Himmels, die in Selbstaufopferung und einsamen Genie den Himmel wissenschaftlich beschreiben, also ohne die "Hypothese Gott" (Pierre-Simon Laplace) zu verwenden.

An der Biografie des Joseph Fraunhofer wird eine weitere Bruchlinie in "Helden des Himmels" erkennbar: Mit der zunehmenden Industrialisierung wird die Gesellschaft technisiert und die Arbeitsteilung forciert. So ist zwar Joseph Fraunhofer in der Astronomiegeschichte für die Entdeckung der Absorptionslinien im Sonnenspektrum bekannt, doch nutzte er diese Linien vor allem technisch zum Vermessen des Brechungsverhaltens seiner Gläser. Der wesentliche Beitrag Fraunhofers zur Astronomie bestand im Bau leistungsfähiger Refraktoren. Mit einem davon hat Johann Gottfried Galle den Planeten Neptun entdeckt, was nur gelang, weil der Theoretiker Urbain Le Verrier seine Position vorherberechnete. Die Hauptdarsteller nutzen also nun ingenieurstechnisch entwickelte Geräte, um Ideen der Physiker zu prüfen. Der letzte Held von diesem Schlag wiederum ist vielleicht Edwin Powell Hubble, mit dem das Buch folgerichtig endet.

Heute ist die Forschung dagegen so aufwändig und komplex, dass sie in großen, meist internationalen Institutionen organisiert wird: Die Erforschung des Himmels betreiben nun wenig "heldenhafte" Einrichtungen wie ESA, ESO, NASA. Von diesen modernen Einrichtungen handelt Christian Pinters Buch aber nicht mehr. Denn sein Thema ist nicht Astronomiegeschichte, sondern Geschichten von Astronomen. Es geht ihm auch nicht um enzyklopädische Vollständigkeit, viel lieber stellt er überraschende Aspekte heraus. So begegnet dem Leser der Astronom Johannes Kepler ausgerechnet als Sciencefiction-Autor, und über Nikolaus Kopernikus lesen wir aus der Sicht seines einzigen Schülers Joachim Rheticus.

Das Buch von Christian Pinter ist aber auch nicht bloß anekdotisch – in ihrer Gesamtheit bieten die einzelnen kurzen Texte durchaus einen Überblick über den Wandel des astronomischen Weltbildes. Leider enthält das Buch keine einzige Abbildung. Der klar geschriebene Text von Christian Pinter lässt Abbildungen zunächst auch gar nicht vermissen, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass in Sachen Astronomie unerfahrenen Lesern die eine oder andere erläuternde Abbildung helfen würde.

Und wo sind die Heldinnen? Auch das ist ein Kritikpunkt. An Karoline Herschel kommt man natürlich nicht vorbei, doch – wie Christian Pinter selber schreibt – stand sie zeitlebens im Schatten ihres Bruders und ihres Neffen. So hängen an dem Buch nach der Geschichte über Edwin Hubble noch drei kleine Kapitel über Sonnen- und Mondfinsternisse an. Schöner wäre es gewesen, beispielsweise noch von Vera Rubin zu berichten, der wir maßgebliche Beobachtungen zur Dunklen Materie verdanken. Schließlich stehen den Helden des Himmels längst Heldinnen zur Seite, und das ist ja auch eine schöne Entwicklung.