"Alle Ding’ sind Gift, und nichts ist ohn’ Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist" formulierte Paracelsus bereits 1585. Wie Recht er damit hat, zeigen die folgenden sieben todbringenden Naturtoxine.

Curare
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(Ausschnitt)
 Bild vergrößern6 D-Tubocurarin – von Indianern entdeckt
Sie sehen unscheinbar aus und haben doch das Potenzial zu töten. Die verschiedenen Lianenarten Südamerikas enthalten eine Reihe von alkaloiden Giften, welche von der indigenen Bevölkerung als tödliches Pfeilgift für die Jagd benutzt werden: zusammengefasst unter dem Begriff Kurare. Das aus dem Behaarten Knorpelbaum gewonnene D-Tubocurarin besetzt die Rezeptoren der Natriumkanäle unserer Skelettmuskulatur und verhindert, dass sich der betroffene Muskel zusammenziehen kann: Er ist gelähmt. Wirksam ist das Gift jedoch nur bei direktem Blutkontakt, wie schon Alexander von Humboldt bewies, der einen Kuraretrank schluckte. Bereits 1942 fand das Toxin Einzug in die Anästhesie. Während einer Operation verabreicht, setzt es den Muskeltonus herab oder kann ihn gar gänzlich aufheben. Heute werden jedoch neuere Mittel mit besseren Wirkprofilen verwendet.
Kegelschnecke
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(Ausschnitt)
 Bild vergrößern3 Ziconotid – die giftige Harpune der Kegelschnecke
Wenn die Kegelschnecke ihre giftigen Harpune abschießt, geht es ganz schnell. Innerhalb von Sekunden stirbt der getroffene Fisch und wird so zum Mahl des kleinen Meeresbewohners. Die erste beschriebene Vergiftung beim Menschen stammt aus dem Jahr 1935 und führte innerhalb von fünf Stunden zum Tod. Schuld am schnellen Ableben sind Conotoxine, kleine toxische Peptide, von denen die Natur vermutlich an die 100 000 Varianten kreiert hat. Eines der untersuchten Moleküle, das Ziconotid übertrifft die Wirkung von Morphin um das 1000-Fache. Es blockiert Kalziumkanäle, wodurch die Schmerzweiterleitung unterbrochen wird. Als starkes Schmerzmittel wird es jedoch auf Grund seiner zahlreichen Nebenwirkungen nur bei schweren chronischen Schmerzen eingesetzt.
Clostridium botulinum
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 Bild vergrößern1 Botulinumtoxin – das Schönheitsgift
So lange es schön macht, ist manchen Menschen jedes Mittel Recht, selbst wenn es sich um das giftigste Toxin der Welt handelt. Schon ein bis zwei Mikrogramm Botulinumgift reichen um einen Erwachsenen umzubringen. Produziert wird es vom Bakterium Clostridium botulinum, welches gerne in verdorbenen Konserven sein Unwesen treibt und nach deren Verzehr zu Vergiftungen führt. Bereits 1980 setzte der Augenarzt Alan Scott das Botulinumtoxin erfolgreich zur Behandlung von Gleichgewichtsstörungen der Augenmuskeln (Schielen) ein. Das Verschwinden der Falten war damals noch ein netter Nebeneffekt, heute ist es ein Millionenmarkt. Denn Botox wirkt direkt auf die Erregungsübertragung von Nervenzellen, was zu einer Lähmung der Muskulatur führt. Im Gesicht führt dies bei geeigneter Dosierung zu einem jüngeren Aussehen, auf die Herz- oder Atemmuskulatur hat es bei entsprechender Dosierung jedoch eine tödliche Wirkung.