Vom Weltraum aus betrachtet, präsentiert sich die Erde mal schick, mal schlampig -je nachdem, wohin man schaut. An manchen Orten verdecken Wolkenstreifen einen dunklen Ozean und bilden erstaunliche Farbkontraste. An anderen Orten spucken Kraftwerke graue Schwaden aus, und Wüstenstürme verschleiern große Gebiete durch Staub. Wolken und winzige Partikel, die Aerosole, verdecken nicht nur die freie Sicht auf die Oberfläche unseres Planeten. Sie reflektieren, absorbieren und emittieren Strahlung und spielen damit eine wichtige Rolle bei der Temperaturregulation der Erde. Und sie machen die Simulation atmosphärischer Modelle extrem schwer: In den vergangenen Jahrzehnten waren sie die Hauptursache für die großen Unsicherheiten bei Vorhersagen für das zukünftige Klima. Doch jetzt scheinen Wissenschaftler bei der Simulation von Wolken und Aerosolen den richtigen Dreh gefunden zu haben. In den vergangenen Monaten haben Klimaforscher damit begonnen, erste Ergebnisse einer neuen Generation von Modellen zu präsentieren, in denen Atmosphärenchemie und Mikrophysik differenzierter berücksichtigt werden als in früheren Versionen. Die Modelle erlauben Wolken und Aerosolen nun, sich zu verändern, während sie miteinander wechselwirken und auf Faktoren wie Temperatur, relative Luftfeuchtigkeit und Luftströmungen reagieren. Die ersten Ergebnisse deuten darauf hin, dass solche Prozesse einen erheblich größeren Einfluss auf das regionale Klima haben, als den Wissenschaftlern bewusst war. Jüngste Untersuchungen werfen ein Licht auf die Rolle von Wolken und Aerosolen bei der Verursachung von Dürreperioden in Afrika, der Änderung des arktischen Klimas und der Abschwächung der Monsune in Südasien. "Es handelt sich um grundlegend neue Wissenschaft",...