Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Astronomisches Jenseits?

    01.02.2012, T. Hoff
    Sie schreiben in der November-Ausgabe: "Wenn Astronomen ihre Teleskope auf den Himmel richten, können sie bis zu einer Entfernung von rund 42 Milliarden Lichtjahren sehen."

    Wie soll ich das verstehen? Das Universum soll schließlich erst ca. 13,7 Mrd Jahre alt sein. Da Licht nun mal mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs ist, kann ein Teleskop, das in den Himmel gerichtet wird, auch nur Lichtteilchen einfangen, die aus max. 13,7 Mrd. LJ Entfernung kommen. Der sichtbare Horizont ist somit nicht 42 Mrd. LJ entfernt, sondern nur 13,7 Mrd. LJ - es sei denn, das Universum wäre viel älter.
    Antwort der Redaktion:
    Unsere Angabe stimmt schon. Die Reisezeit des Lichts beträgt zwar 13,7 Milliarden Jahre; man könnte also vermuten, dass es in dieser Zeit 13,7 Milliarden Lichtjahre zurücklegt. Aber das ist nur eine untere Grenze. Denn der Kosmos expandierte in dieser ganzen Zeit. Wie man auf 42 Mrd. Lichtjahre kommt, erklärte Ned Wright von der University of California in Los Angeles schon vor längerer Zeit recht ausführlich (allerdings auf englisch).
  • Guter Aufruf zur Besinnung

    01.02.2012, Harald Bruckner
    Stimmt schon, dass sich die öffentliche Wahrnehmung der pysikalischen Grundlagen dahin geändert hat, dass sie nicht mehr die Natur möglichst exakt beschreiben, sondern der Natur vorschreiben, wie sie sich zu verhalten hat. So gesehen ist der Artikel als Aufklärung recht gut und treffend geschrieben. Für eingefleischte Physiker ist er natürlich entbehrlich - wie Herr Kronberg schreibt.
  • Einstürzende Altbauten

    31.01.2012, Udo Holländer
    Hallo,

    bin begeistert über diesen Artikel von Tony Rothman. Soviel Nestbeschmutzung
    in diesem Forum hätte ich nimmer erwartet. Chapeau !
    Um das Ganze noch würziger zu machen:
    Zu der erwähnten Selbstgefälligkeit der Physikerzunft kommt m. E. noch eine
    vollkommene Blindheit gegenüber den eigenen kategorial gesetzten
    Voraussetzungen eigenen Forschens. Es wimmelt sozusagen nur so von Aporien: Plato lässt
    grüßen, Aristoteles hat´s als Systemdenken eingetütet, die arabischen Rück-Übersetzungen waren oftmals nur vergebliche Rettungsversuche, Descartes hat den Sack dann richtig zugemacht und das sich so seiner selbst vergewisserte Ego braucht später nur noch zu sagen, daß die Natur quantifizierbar sei. Der Widerspruch hielt sich in Grenzen, weil schon keiner mehr so recht merkte, welch Verdünnisierung der Wirklichkeit und Einengung des Blickes damit einherging.

    Wacklige Altbauten mit Rissen im atomarem Fundament sind bei rausgekommen. Nicht schön !
    (das war meine Kurzform).

    Ich denke, das diese Diskussion deshalb an´s Eingemachte geht, weil sich die >Form< der Rationalität kritisieren lassen muss. Also das, was die meisten Wissenschaftler als ihre eigene Denkvoraussetzung gar nicht wahrnehmen. Es geht um geltende Denkformen und Strukturen, die eigentlich nur noch auf eine zweite, Menschen gemachte Naturform rekurrieren können
    ( das Wissen um die erste ist m. E. spätestens mit den Vorsokratikern, hier insbesondere mit Parmenides` Abweisung des >Nichts abhanden gekommen). Trost für die armen Platoniker, die im Nebenberuf Physiker sind:
    alle Anderen stehen genauso im Regen, sind aber mittlerweile im Anspruch etwas
    bescheidener geworden.

    Wie lautet sinngemäß einer der letzten Sätze des wunderbaren Artikels:

    "Die Physiker sollten nicht die Beschreibung einer Landschaft mit der
    Landschaft selbst verwechseln."

    Dem kann ich nur beipflichten und an den sympathischen Computer aus:
    "Per Anhalter durch die Galaxis" erinnern:

    Die von den Menschen gestellt Frage nach dem Ganzen und überhaupt kann er
    nach vielen Jahren des Rechnens nur adäquat mit >42< beantworten.
    Diese Antwort hat Klasse !

    Will sagen:
    Allein die Möglichkeit einer Fragestellung, die nach einem sinnhaften Ganzen im Kleinen und im Großen fragt (und sage mir keiner, das sei n i c h t die Frage nach der Wahrheit >Grüße auch an die Tunnelbauer am CERN ) ist schon Teil des Problems.
    Woher kommt bloß diese denkerische Abwehr gegen Unwägbarkeiten, Nichtkausalität, Nicht-Abgeschlossenheit und Nicht-Linearität ?

    Wow, liebe Gemeinde, seht´s mir nach. Ich weiß: Widerspruch gibt´s zuhauf, aber das hat einfach mal Spaß gemacht (obwohl mir eigentlich schon nach Tschernobyl nicht mehr so recht zum Lachen war).
    MIt Wunsch nach Veränderung und
    umstürzlerischen Grüßen

    Udo Holänder
  • Die Schlangengrube

    31.01.2012, Hartl Johann
    Wirklich sehr informativ dieser Artikel. Das sind alle mich interessierenden Artikel in Spektrum.de
    Es zeigt auch einmal mehr, wie der Mensch der Neuzeit aus Gewinnsucht (Verkauf von jungen Tigerphytons) mit seiner ihn umgebenden Natur umgeht, wenn ihm seine Schlangen über den Kopf wachsen. Sie werden einfach ganz naiv in die freie Natur entsorgt. Gehen wir Zauberlehrlinge nicht in fast allen anderen Bereichen (Umweltvergiftung, Überbewirtschaftung, Terrorbekämpfung...) genauso damit um?

    Mit freundl. Grüßen

    Hartl Johann
  • Menschengrube

    31.01.2012, Hansruedi Baetschmann
    Die Menschengrube

    Der Planet Erde im Sonnensystem steht womöglich vor seiner größten Krise: Ausgesetzte Menschen übernehmen das Festland und die Meere - und besiedeln auch schon den Südpol. Die ersten drastischen Folgen für die Natur werden jetzt sichtbar. usw. usw.

    Nichts gegen den Artikel, ich finde ihn gut und informativ. Die Idee zu dieser Übung, die Optik um ein paar Glieder in der Kausalkette auf den Ursprung allen Übels zu richten, entspringt spontanem Übermut beim ersten Morgenkaffee.
  • Sich informieren geht der Meinungsbildung voraus

    31.01.2012, Dr. Gerd Haag, Linnich
    Etwas Dümmeres als Springers Einwurf "Unwissen schadet nicht" habe ich in Spektrum der Wissenschaft seit Langem nicht gelesen. Dieses ist auch als Kritik an Ihrem von mir ansonsten geschätzten Magazin gedacht.

    Dass Fische auf ein gelbes Ziel geprägt werden können, an dem sie Futter finden, mag ja sein. Dass sie aber an dieser Prägung bis zum Verhungern festhalten, wenn man das Futter danach woanders versteckt, halte ich für eine reine Erfindung, um pseudowissenschaftlich die These zu stützen, es sei zielführend, Laien an Entscheidungen über komplizierte Probleme zu beteiligen.

    Übertragen wir doch einmal auf Springers Anregung das angebliche Tierexperiment auf das Szenario Stuttgart-21. Dann hätten die Experten beider Seiten Unrecht und müssten von den Laien auf den rechten Weg gebracht werden. In Analogie zu den Fischen müsste man die Laien alle möglichen Problemlösungen praktisch ausprobieren lassen, also sowohl einen Tiefbahnhof als auch einen oberirdischen Durchgangsbahnhof zu bauen, drittens aber auch alles so zu belassen wie es ist. Am Ende erkennen dann auch die Experten im praktischen Betrieb, welches die beste Lösung ist. Im Sinn von Springer wäre diese nicht ganz billige Strategie im besten Sinn demokratisch.

    Überhaupt hat Springer ein seltsames, geradezu absurdes Demokratieverständnis. Sonst könnte er nicht wollen, dass die Griechen über die verordneten Sparmaßnahmen abstimmen. Sogar Laien wissen, dass der Ausgang dieser Abstimmung vorhersehbar und keine Lösung des Problems gewesen wäre. Die Frage ist nicht, ob eine Demokratie in einer Welt funktionieren kann, in der nur noch Experten Bescheid wissen, sondern vielmehr, ob nicht die Pflicht, sich zu informieren, dem Recht, seine Meinung zu äußern, zeitlich vorausgehen sollte. Darauf hinzuweisen wäre verdienstvoller als populistisch zu behaupten, die Gesellschaft sei auf Leute angewiesen, die nicht wissen, wovon sie reden. So jedenfalls ist Springers Einwurf unter dem Niveau Ihres Magazins.


  • Weisheit erreicht man nur mit Demut

    30.01.2012, Eike Blum
    In der Ausgabe 1/12 spricht in dem Artikel „Was können Wissenschaft und Religion voneinander lernen“ Professor Voland als erklärter Evolutionist von einer kausal geschlossenen Welt und erklärt, überspitzt gesagt, dass er Religion und Gott als Krücke für seelisch kranke oder verletzte Menschen – was Gott nach christlichem Verständnis sogar sein will – als Kosten sparendes Denkmodell zulassen will. Mit anderen Worten: Wir brauchen Gott nicht, das können wir alles selber.
    In der Ausgabe 2/12 zeigt in dem Artikel „Die Physik – ein baufälliger Turm von Babel“ Herr Tony Rothmann unter anderem auf, dass die mathematisch und experimentell bewiesene Sätze über das Doppelpendel etwas beschreiben, was es in dem „kausal geschlossenen System unserer Welt“ gar nicht existieren kann. Konsequenterweise müsste Professor Voland jetzt eigentlich das Doppelpendel als neuen Gott anerkennen mit der hierzu gehörigen „Religion“, welche für verstörte Physiker wie Mathematiker als seelische Krücke zugelassen werden kann.
    Damit hier kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich als Gegner des unbedingten Kreationismus noch hinzufügen: Selbst höchste Intelligenz führt nie zur Weisheit, wenn sie nicht mit Demut verbunden wird.
  • Fantasiegebilde und Riesenkosten

    30.01.2012, Walter Weiss, Kassel
    Leider sind die Riesenkosten, die diese Fantasiegebilde des Verfassers auslösen würden, absolut ungerechtfertigt, wenn man ganz simple andere Möglichkeiten gegenüberstellt, die sofort ohne nennenswerten Aufwand praktiziert werden könnten - nur ein Beispiel: Um 1 kWh zu speichern, benötigt man bei Einsatz von in jedem Supermarkt billig einzukaufenden altmodischen Bleibatterien einen Platz von etwa 50 Litern/bei einem Ringwallspeicher müsste man zur Speicherung der gleich Menge Energie 4.000(!) Liter Wasser etwa 100m (!) hochpumpen.

    Mehr ist zu dem Artikel nicht zu sagen. Vielleicht nur noch folgende Nebenbemerkung: Der Verfasser trägt (wahrscheinlich unbewusst, möchte ich wenigstens hoffen) zu den Argumenten derjenigen Bürger/Energiekonzerne bei, die
    überall versuchen, die nun einmal von unserer Regierung - endlich! beschlossene Energiewende zu erschweren oder gar unmöglich zumachen. Auf derselben Ebene liegt die Behauptung (die z. T. in den Medien nach ständigen
    Wiederholungen fast wie eine unbestrittene Tatsache behandelt wird), es bedürfe unbedingt des Baus von im Meer stehenden Windmühlen (mehrfach so teuer in der Errichtung und Unterhaltung wie solchen auf dem Land - statt auch in Süddeutschland die Versorgung mit Windenergie genauso lokal wie in Norddeutschland einzurichten, und: Die daraus angeblich zwangsläufig resultierende Einrichtung umfangreichster Stromleitungen, im Wesentlichen von Nord nach Süd sei ebenfalls unabdingbar. Der regelrechte
    Kampf gegen eine örtlich einzurichtende Energieversorgung liegt nur allzu deutlich allein im Interesse der bisherigen Stromkonzerne.
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrte Herr Walter Weiss,

    bei den vorgeschlagenen Ringwallspeichern handelt es sich weder um Fantasiegebilde, noch um Riesenkosten, die davon ausgelöst würden.
    Der von Ihnen als Mittel der Wahl angesehene Bleiakkumulator, also ganz gewöhnliche Autobatterien, haben, je nach Größe, eine Kapazität von ca. einer Kilowattstunde und einen Preis von ca. 100,- €. Die Lebensdauer so eines Akkus liegt bei zirka fünf Jahren, manchmal auch noch etwas darüber. Diese Akkus wären durchaus geeignet, um beispielsweise Stromüberschüsse einer Fotovoltaikanlage vom Tag auf die Nacht zu übertragen. Dafür würden eine Hand voll Akkus pro Haushalt ausreichen, um in sonnenreichen Perioden eine kontinuierliche und unterbrechungsfreie Stromversorgung zu sichern.
    Dies ist aber nicht die Herausforderung, um die es geht, wenn die Stromversorgung eines Landes auf eine nachhaltig aus natürlichen Energiekreisläufen zu entnehmende sichere und bedarfsgerechte Elektrizitätsversorgung umgestellt werden soll. Eine Industrienation benötigt auch dann eine zuverlässige Stromversorgung, wenn über längere Zeit kein Wind bläst und Fotovoltaik zugeschneit, ist oder wegen Nebelwetterlagen kaum Leistung abgibt. Diese in Europa anzutreffenden Situationen habe ich mit meinen Wetteruntersuchungen über einen fast 40-jährigen Zeitraum sehr gründlich analysiert. Heraus kommt, dass pro Kopf der Bevölkerung, je nach Ausgestaltung der gesamten Versorgungsstruktur, eine Speicherkapazität von 100 bis 250 Kilowattstunden benötigt wird, um auch die ungünstigen Wetterperioden sicher überbrücken zu können.
    Das wären dann schon 10.000,- bis 25.000,- € alleinige Akkumulatorkosten, die pro Kopf der Bevölkerung anfielen wären, um sicheren regenerativen Strom, der aus Wind und Sonne gewonnen wurde, bereitstellen zu können. Bei einer Lebensdauer von Bleiakkumulatoren von fünf Jahren wären das allein und ohne Verzinsung jährliche Kapitalkosten von 2000,- bis 5000,- € pro Bürger. Im Vergleich dazu liegt die jährliche Stromrechnung eines Einfamilienhaushalts bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh und einem Strombezugspreis von 20 Ct/kWh bei ca. 700,- €/Jahr.
    Die Herstellkosten zur Schaffung einer Kilowattstunde Speicherkapazität mit einem Ringwallspeicher kann dagegen in einer Größenordnung zwischen 10,- und maximal 50,- € erwartet werden. Die Lebensdauer bemisst sich in vielen Jahrzehnten und hat bei ordentlicher Bewirtschaftung keine Grenzen. Nur einmal auf 50 Jahre umgelegt käme die Schaffung von einer Kilowattstunde Speicherkapazität auf anteilige jährliche Kapitalkosten (wieder ohne Zinsen) von 0,20 bis 1,- €. Die Speicherkapazitätskosten pro Bürger und Jahr lägen damit zwischen 20,- und 250,- €/Jahr. Das läge zwischen einem Hundertstel bis maximal einem Zwanzigstel der Kosten, die Blei Akkumulatoren hervorrufen würden.
    Die hohen Kosten von Batterielösungen haben auch mit dem enormen Energieverbrauch zu tun, der die Herstellung dieser Batterien erfordert. Die Energie-Amortisationszeit gibt an, wie viele Jahre ein Energieversorgungssystem laufen muss, bis es die Energie, die zu dessen Herstellung aufgewandt wurde, wieder eingespeist hat. Bei Ringwallspeichern, die mit Windenergie- und Fotovoltaikanlagen zu einem Hybridsystem kombiniert werden, das jederzeit, auch über Flauten hinweg in der Lage ist, bedarfsgerechten und sicheren Strom bereitzustellen, ist, je nach Auslegung und konkreten Verhältnissen, eine Energieamortisationszeit von unter drei Jahren zu erwarten. Im Fall von Batteriesystemen läge diese Zeit deutlich höher und es würde, wenn dabei nicht aufgepasst wird, für die Herstellung sogar mehr Energie verbraucht werden, als damit jemals zurückgewonnen werden kann.
    Ganz abgesehen davon hat speziell der „kostengünstige“ Bleiakkumulator das Problem der Selbstentladung. Wollte man damit Stromüberschüsse des Sommers in den Winter übertragen, dann hätte sich die gespeicherte überschüssige Energie des Sommers bereits verflüchtigt, wenn sie in einer Flauteperiode während des Winters gebraucht würde.
    Was den Ausbau Windenergie betrifft stimme ich im Übrigen Ihrer Auffassung zu.



    Dr.-Ing. Matthias Popp



    Anbei einige Links, wo ebenfalls auf die die von Ihnen angesprochene Problematik eingegangen wird:
    http://www.poppware.de/Ringwallspeicher/Fragen_und_Antworten/Gigantismus.htm,
    http://www.poppware.de/Ringwallspeicher/Fragen_und_Antworten/EIKE-Kritik_am_Ringwallspeicher.htm,
    http://www.poppware.de/Links_und_Downloads/Matthias%20Popp%20-%20Redbeitrag%20beim%20BUND%20in%20Kemnath%20-%20%20zu%20-%20Atomkraft%20nein%20danke%20-%20verantwortungsvoll%20in%20die%20Zukunft.pdf
  • Schön, wenn sich ein Physiker einmal nicht im Besitz der absoluten Wahrheit wähnt

    30.01.2012, Wilfried Knapp
    Die Standardmodelle der Wissenschaft haben alle ein Ablaufdatum, wie die Geschichte der Wissenschaft eindrucksvoll nahelegt - ich würde keinen Grund sehen, warum dies nicht auch für den aktuellen Stand der Physik gelten sollte. Proponenten der Standardmodelle vermitteln jedoch regelmäßig den Eindruck, dass sie sich im Besitz der absoluten Wahrheit wähnen, was mir seit einiger Zeit etwas auf die Nerven geht, da ich den Eindruck habe, dass trotz großen Aufwands seit geraumer Zeit nicht wirklich etwas weiter geht. Daher finde ich es befreiend, wenn sich ein Physiker einmal etwas skeptisch über seine (eigenen und die seiner Kollegen) Erkenntnismöglichkeiten äußert, und ob die Details auch alle so stimmen, spielt dann eigentlich keine wesentliche Rolle.
  • Problemmonde – Mondprobleme!?

    30.01.2012, Klaus Deistung
    Das Thema ist zeitgemäß, gut und weist in die baldige Zukunft! So wie einst die Ozeane eine unendliche Wasserwüste waren, unser Sonnensystem die einzigen bekannten Planeten hatte – auch hier gab es mehrfach Entdeckerfreuden - so werden auch Exo-Monde in Zukunft in Massen entdeckt werden.
    Interessant war auch die Feststellung/Überraschung, dass einige Exoplaneten – so wie man sie gefunden hat – noch nicht erklärbar sind: Supererden machen Superprobleme:
    http://www.spektrum.de/alias/exoplaneten/supererden-machen-superprobleme/1137214
    Das wird bei den Monden nicht viel anders werden. Wie Monde entstanden sein könnten/sind haben wir bei den Monden des Sonnensystems - speziell bei unserem Erdmond - ausführlich untersucht, und eine Variante aus den Überlieferungen noch nicht beachtet.

    Im Beitrag behauptet der Autor: „Wir verdanken die Existenz unseres Mondes einem kosmischen Zufall. Er entstand vor 4,5 Milliarden Jahren bei einer großen Kollision...“ Das klingt so, als ob es so war! Es ist eine Theorie, die in einer Rechnersimulation mit vielen Einschränkungen von vielen Astronomen mehr oder weniger anerkannt wird. Ergebnisse aus Sonden beweisen: Es kann auch anderes gewesen sein! Z. B. der Projektwissenschaftler Bernard Foing [1]: „Die mit 'SMART-1' angestellten Messungen stellen die Theorien des gewaltsamen Entstehens des Mondes und seiner Entwicklung in Frage.“
    In einem Beitrag [2] habe ich mich mit der Mondentstehung auseinandergesetzt.

    [1] WELT.de/AP: Entstehungstheorien zum Mond müssen neu diskutiert werden. Welt.de vom
    5. September 2006
    http://www.welt.de/wissenschaft/article150387/Entstehungstheorien_zum_Mond_muessen_neu_diskutiert_werden.html
    [2] Deistung, K.: GIANT IMPACT – Theia und die große Himmelsschlacht. Matrix Band 64 / Juli/August 2011, S. 32 - 37
  • Quantenphysik: Keine Wellen, sondern Wahrscheinlichkeitsfelder

    30.01.2012, Hans Palm, Frankfurt am Main
    Quanten sind das Fundament der Materie, und so bildet die Quantenphysik das Fundament der Physik.

    Dieses Fundament erscheint unsicher, weil wir im Mikrokosmos in der Regel nicht mit festen Werten arbeiten können, sondern mit Wahrscheinlichkeiten vorlieb nehmen müssen.

    Zudem begegnen uns hier Gesetzmäßigkeiten, die scheinbar unserer Alltagserfahrung und dem gesunden Menschenverstand widersprechen:

    a) Ein Teilchen erscheint je nach Art der Messung entweder kompakt, einen engen Raum einnehmend, oder als Welle, im Raum "verschmiert".

    b) Man kann nur entweder den Ort oder den Impuls eines Teilchens messen, nicht beide gleichzeitig (heisenbergsche Unschärferelation).

    So haben wir es im Physikunterricht gelernt, doch beschreiben diese Aussagen meiner Meinung nach die Realität nicht ganz richtig.

    Zu a) Wenn wir zum Beispiel im Doppelspalt-Experiment ein kompaktes Teilchen messen, handelt es sich um einen möglichen Zustand (Ort) des Teilchens, während andere Zustände (Orte) auch möglich sind; also erhalten wir keinen absolut gültigen exakten Wert, sondern einen Näherungswert, der nur einen Teil der realen Möglichkeiten zeigt.
    Wenn wir hier aber das messen, was gemeinhin als Welle bezeichnet wird, handelt es sich in Wirklichkeit um die Menge aller Zustände (Orte), die dem Teilchen möglich sind, verbunden mit den jeweiligen Wahrscheinlichkeiten. Wir erhalten also mehr und ausführlichere Informationen, aber eben keinen exakt definierten Einzelwert, sondern ein Feld aller Wahrscheinlichkeiten für die Werte, die das Teilchen annehmen kann, was viel aussagekräftiger ist.

    Zu b) Wenn wir den exakten Ort eines Teilchens kennen, sind wir nicht in der Lage, den exakten zugehörigen Impuls zu messen (genauso umgekehrt), einfach weil es ihn nicht gibt.
    Was wir stattdessen erhalten, ist wieder ein Wahrscheinlichkeitsfeld aller möglichen Impulszustände, die das Teilchen an diesem Ort annehmen kann (und natürlich umgekehrt).
    Es wäre auch unsinnig, sowohl für den Ort als auch für den Impuls exakte Werte zu erwarten, da beide nur Möglichkeiten darstellen und sich ihre Unsicherheiten multiplizieren würden

    * * *

    Ein weiteres scheinbares Problem im Fundament der Physik ist die Gültigkeit der Gravitation in der Quantenwelt:
    Wenn zwei punktförmige Teilchen sich so nahe wie möglich kommen, müsse die Anziehungskraft zwischen ihnen unendlich groß werden.
    Tatsächlich spielt die Gravitation aber im Quantenbereich keine Rolle, weil die Teilchen nicht wie die Massen im Makrokosmos als ruhend angesehen werden können, sondern stets mit hoher Geschwindigkeit unterwegs sind. So wäre hier die Bestimmung einer Ruhemasse unsinnig. Unser Universum ist darauf aufgebaut, dass die Teilchen in Bewegung in bleiben, sonst könnten sie sich nicht verbinden.

    * * *

    Ein Fehler im Artikel ("Die Physik - ein baufälliger Turm von Babel", Spektrum 2/12, Seite 61):
    Der Autor interpretiert den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik so, dass bei irreversiblen Prozessen die Entropie zwangsläufig zunähme. Wäre diese Betrachtungsweise richtig, hätte Leben nie entstehen können.
  • O je ...

    30.01.2012, Fritz Kronberg
    Hier hat jemand zwar eine ganze Menge Physik gelernt, aber das Wesen der Naturwissenschaften nicht begriffen. Naturwissenschaften, also auch die Physik, haben nicht den Anspruch, Wahrheiten zu formulieren. Sie liefern Modelle, deren Güte sich anhand der zutreffenden (oder auch nicht) Vorhersagen über das Verhalten von Materie (im weitesten Sinn) bei bekannten Bedingungen beurteilen lässt. So lange eines dieser Modelle nicht durch die Realität widerlegt wurde, wird es als "wahr" betrachtet. Falls es zu einer Widerlegung kommt, wird versucht, das Modell zu verbessern. Meistens ergibt sich, dass ein Modell so gut ist, dass man es für einen bestimmten Bereich des Naturgeschehens als wahr betrachten kann, wie z. B. die Newtonsche Mechanik. Kein Physiker, der seine Sinne noch beisammen hat, wird versuchen, alles auf die Newtonsche Mechanik zurückzuführen, eben weil sie nicht uneingeschränkt gilt. Mir ist auch kein ernst zu nehmender Physiker bekannt, der versprochen hätte, ein Theoriegebäude zu errichten, das die gesamte Welt erklärt. So etwas tun nur Journalisten, aber das sind ohnehin Menschen, die es sich zum Beruf gemacht haben, über Dinge zu schreiben, von denen sie nichts verstehen. Offenbar gehört Tony Rothman zu eben dieser Sorte Menschen.
  • Reingelegte Experten

    30.01.2012, Detlef Schroedter, Hamburg
    Die Wirkung von Demokratien im Tierreich sind immer wieder beeindruckend.
    Dass man aus den zur Zeit noch sehr elementaren Experimenten Aussagen für die positive Wirkung "ahnungsloser" Stimmberechtigter in Demokratien bei komplexen Entscheidungsprozessen ableiten kann, geht aber aus meiner Sicht noch zu weit.
    Denn die Experimente haben in der Regel zwei wichtige Eigenschaften: a) Es gibt eine klare Lösung (gelb heißt Futter, blau heißt kein Futter) und b) diese wird plötzlich verändert (blau heißt Futter, gelb nicht).
    Die erste Eigenschaft ist kritisch, weil wir in den komplexen Entscheidungsprozessen der Gesellschaft solche klaren Lösungen nicht haben. Tatsächlich bilden sogar alle der von den Experten vorgetragenen Entscheidungsmöglichkeiten ein mögliches Optimum (zumindest gemäß der Expertenmeinung). Für die Fische wäre das etwa die Entscheidung zwischen dem vergifteten Futter, das sie alle langsam tötet (aber eventuell. langsam genug, um Nachkommen zu zeugen) und dem Futter, zwischen dem sich Fressfeinde tummeln, die einige von ihnen sofort töten. Welches ist das geringere Übel?
    Der zweite Punkt ist kritisch, da unsere Experten hoffentlich nicht damit rechnen müssen, dass sich die Regeln, nach denen sie ihre Entscheidungsvorschläge aufgebaut haben, plötzlich ändern. Dann wäre ihre Aussagekraft sowie nur zufällig.
    Aus den Demokratie-Experimenten sehe ich zur Zeit vor allem zweies: Die Macht der Evolution, auch alte, unreflektierbare, eventuell sogar genetisch determinierte Verhaltensmuster sozialer Gemeinschaften durchbrechen zu können, wenn sie die Umwelt ändert. Und einen Konsens auch ohne Alphatier treffen zu können, wenn zwischen verschiedenen Alternativen entschieden werden muss, von denen sich keine besonders auszeichnet.
    Für alles weitere warte ich lieber noch auf differenziertere Experimente.
  • angeregt :-)

    30.01.2012, Volker Biallaß
    Die An- bzw Aufgebrachtheit, mit der viele hier reagieren, erstaunt mich nun doch. Wie kann ein Autor so viele Leser/Teilchen anregen, wenn er tatsächlich fundamental daneben liegen sollte?

    Keine Erregung ohne erfolgreiche Koppelung, Vorzeichen hin oder her.

    Carl Friedrich von Weizäcker merkte zur Kopenhagener Deutung an:
    »"Was beobachtet worden ist, existiert gewiss; bezüglich dessen, was nicht beobachtet worden ist, haben wir jedoch die Freiheit, Annahmen über dessen Existenz oder Nichtexistenz einzuführen." Von dieser Freiheit macht sie dann denjenigen Gebrauch, der nötig ist, um Paradoxien zu vermeiden.«

    Mir scheint, als würden mit genau diesem Verfahren dem Autor nun genau die Impulse zugeschoben, die nötig sind, um Paradoxien zu verschleiern. Oder anders gesagt, viele Begriffe wie z.B. Vorstellung werden in der Kritik weitaus unschärfer und beliebiger geführt, als es sich im Essay selbst beobachten lässt.

    Wenn ich einem ungenehmen Text [oder noch viiiiel einfacher gleich seinem Autor bzw dessen Genese] Sinn- und Zusammenhanglosigkeit unterstelle, dann habe ich ihn abgefertigt. Es scheint hier eine Tendenz zutage zu treten, die sich in ihrer Ehre verletzt fühlt und nicht mehr als eine Abfertigung im Sinn hat (so wie der GRID am CERN im Wesentlichen ja auch nur an der Eliminierung des Nichtssagenden malocht).

    Unterstellt man aber, dass Princeton kein Schilda ist, dann kann man dem Essay Zusammenstellungen entnehmen, die weniger auf die Ehre der Pyhysik als auf das Ehrgefühl vieler Physiker abzielen, die ehedem spannende und das Agreement der Physiker strapazierende Fragestellungen wach halten wollen.

    Kann es selbstverständlich sein, dass die Wirklichkeit nicht selbstverständlich ist? Anhand der meisten Kommentare müsste dem so sein, dann aber wohl nicht wirklich, ja vielleicht sogar wirklich nicht :-))

    Die 'Erfahrbarkeit' der Quantenphysik unterscheidet sich meines laienhaften Erachtens nicht fundamental von den Erfahrbarkeiten der makroskopischen Welt, denn man kann den Umgang mit dem Mikroskop durchaus so trainieren, dass es als eine Verfeinerung des evolutiv entstandenen Augenapparates zur Normalität zuzurechnen ist. Bezüglich der Mathematik ist es nicht anders, auch hier ist ein Apparat angeboren, kann trainiert und mit Werkzeugen aufgerüstet werden.

    Was kritisiert Rothman nun anderes, als dass viele abgeschlossene Studiengänge gerne abgeschlossene Zusammenhänge darbieten, den Fokus so verschieben, dass zwischen Technik und Wissenschaft gar nicht mehr unterschieden wird, da die Wissenschaft verzichtbar wird, sich die Technik verselbstständigt hat.

    Dass man vieles nicht so sehen und betrachten darf, wie gemeint wird, dass der Autor es eben so präsentiere, da es nicht anders in das Verständnis passt, weckt in mir die Angst, dass es um die 'Wahr'nehmung nicht immer gut bestellt ist, dass sich da ein technischer (gar technokratischer) Dogmatismus einwurzeln könne, wo der Boden lieber locker und der Erosion aufgeschlossen bleiben müsste.
  • Religion kann keine Wissenschaft sein

    30.01.2012, Dr. Joachim Hradetzky, Naturwissenschaftler
    Die von Christian Trapp beanspruchte Wissenschaftlichkeit der Theologie lässt sich schlicht an folgenden fundamentalen Hypothesen überprüfen:

    A: "Gott existiert" (Standpunkt der Theologie). Diese Behauptung ist nicht falsifizierbar, da Nichtexistenz grundsätzlich nicht bewiesen werden kann. Also genügt diese Aussage keinesfalls wissenschaftlichen Ansprüchen und das auf ihr beruhende Glaubensgebäude ist mit Wissenschaft nicht vereinbar. Diese Aussage ist ein Dogma.

    B: "Gott existiert nicht" (Standpunkt der Wissenschaft). Diese Behauptung ist falsifizierbar, ein einziger objektiver und wissenschaftlich haltbarer Beweis für das Wirken eines Gottes würde ausreichen, um sie zu widerlegen. Den gibt es aber bislang nicht.

    Wohlgemerkt: Die These „Gott existiert nicht“ wird hiermit nicht bewiesen, sie kann aber solange aufrechterhalten werden, solange kein Gegenbeweis vorgelegt wird.