Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Windkraftpotenzial für Europa

    10.01.2012, Dipl. Ing. Wolfgang Fischer, Pitten (Österreich)

    Im 2. Teil der Serie Energie wird die Nutzung der Energie des Windes behandelt. Dabei wird kaum auf die Frage eingegangen, wie groß ist das Windkraftpotenzial für Europa bzw. weltweit? Als Versuch einer Antwort möchte ich meine eigenen Berechnungen hinsichtlich Windenergie vorlegen: Ausgehend von der eingestrahlten Energie der Sonne auf die Erdoberfläche mit rund 5,6. 1021 kJ/Jahr (Erdoberfläche 510. Millionen km², eingestrahlte Energie durchschnittlich 8,7 kWh/m² Tag, Albedo rund 0,35) wird angenommen, dass nur 1 Promille in Windenergie umgesetzt wird. Das bedeutet, im Wind sind weltweit etwa 5,6 1018 kJ enthalten oder 1,56 1015 kWh.

    Das oben angeführte Windkraftpotenzial von Europa beträgt 1300 TWh oder 1300. 1012 kWh. Das sind ein 0,083 % Anteil der Gesamtwindenergie. Wenn weltweit das Zehnfache der in Europa geernteten Windenergie, das sind 13.000 TWh genutzt werden, ist das immer noch weniger als ca. 1 % der Gesamtwindenergie.

    Ein negativer Einfluss auf Windverhältnisse bzw. dem Klima und - der erzeugten Windenergie ist somit kaum denkbar.

    Den oben genannten Zahlen soll der Gesamtstrombedarf Europas (EU mit Schweiz und Norwegen) mit 4300 TWh für das Jahr 2020 und 5000 TWh für 2050 gegenübergestellt werden. Zusätzlich werden das Potenzial der Wasserkraft Europas (ca. 400 Th) und der Fotovoltaik mit realistischen 600 TWh hinzugezählt. Erst dann können knapp die Hälfte des europäischen Strombedarfs – in Summe 2300 TWh in Europa bereitgestellt werden. Soll Europa aber sicher mit elektrischer Energie versorgt werden, bleibt nur ein Ausweg, die moderne Kernenergie. Gerade hier hat der Kontinent alle Möglichkeiten, beginnend mit der vorhandenen Technik bis zu gut ausgebildetem Personal.

    Ein ganz entscheidender Punkt in allen bisher bekannten Konzepten ist das Fehlen leistungsfähiger Stromnetze. Hier hätte ich den Vorschlag entlang von Autobahnen oder Eisenbahnlinien einen geschlossenen Betonkanal mit den Innenabmessungen von etwa 4,0 x 2,5 m zu verlegen. In diesem werden auf beiden Seiten insgesamt 4 Hochspannungsgleichstromrohrgasleitungen für +/- 500 kV geführt. Jede Leitung ist für 2,5 GW Übertragungsleistung ausgelegt. Insgesamt kann so ein „Stromhighway“ 10 GW übertragen. Über Europa wird so ein Leitungsnetz gelegt, welches die regionalen Netze über Umrichterstationen verbindet.

    Zum Abschluss finde ich es äußerst störend, mit den Begriffen Leistung und Energie locker umzugehen. Was hat es für einen Sinn, wenn von installierter Windparkleistung von 27 GW und 20 GW Fotovoltaik berichtet wird, aber die erreichten Volllaststunden im Jahr unterschlage. Bei obigen Zahlenwerten wäre die Jahreserzeugung bei Windkraftanlagen etwa 55 TWh (2500 Volllaststunden/a) und bei der Photovoltaik nur geringe 18 TWh (900 Volllaststunden/a). Oder umgekehrt: Sollen angenommener Maßen die Stromlücke Europas von ca. 2000 TWh mit Photovoltaikanlagen geschlossen werden, ergibt sich ein Flächenbedarf von etwa 20.000 km². Von dem Materialbedarf gar nicht gesprochen.
    Antwort der Redaktion:
    Der Beitrag "Frische Brise" beginnt mit dem Satz: "... die Forscher um Michael B. McElroy von der Harvard University (Cambridge, Massachusetts) haben [ausgerechnet, dass] ... sich mit Windkraftanlagen eine Leistung erzielen [lässt], die mehr als dem 40-fachen des derzeitigen globalen Bedarfs an elektrischer Energie entspricht ..." Die Quelle dazu lautet: http://www.pnas.org/content/early/2009/06/19/0904101106 (Global potential for wind-generated electricity). Das ist mithin eine saubere Angabe über die Potenziale der Windenergie. Und zwar gleich zu Beginn des Beitrags. Sie deckt sich aber offensichtlich nicht mit Ihren Kalkulationen.



    Im Gegenteil: Von der Harvard University (und andere Quellen bestätigen das) wird behauptet, dass allein mit Windenergie der gesamte Strombedarf der Welt gedeckt werden könne, selbst wenn die Anlagen (ausschließlich an Land aufgestellt) nur zu einem Fünftel der Zeit laufen sollten und ansonsten Flaute herrscht. Zusammen mit der Fotovoltaik und weiteren erneuerbaren Energien sollte sich demnach (leicht) ein Energiesystem aufbauen lassen, das auf fossile Energieträger und der Atomkraft verzichten kann.



    Dreh- und Angelpunkt ist - wie Sie richtigerweise erkannt haben - das Stromnetz. Überaus interessant finde ich Ihren Vorschlag, entlang von Autobahnen oder Eisenbahnlinien einen Tunnel zu verlegen, in dem Hochspannungsleitungen verlegt werden sollten. Das deckt sich mit dem Positionspapier "Stromübertragung für den Klimaschutz" (http://www.vde.com/de/InfoCenter/Seiten/Details.aspx?eslShopItemID=d5fef2e1-d1e6-4e07-b26d-0e26f8699416) des Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik VDE und ist sehr unterstützenswert. (Für ein anderes Magazin habe ich darüber bereits berichtet.)



    Zu Ihrem letzten Punkt möchte ich vermerken, dass ich als Physiker sehr wohl darauf achte, die Begriffe Leistung und Energie sauber zu trennen. Falls es mir in dem vorliegenden Beitrag mal nicht gelungen sein sollte, bitte ich Sie, mir die Stelle(n) zu benennen.



    Dass sowohl Windenergieanlagen als auch Solaranlagen nicht immer gleichmäßig Strom produzieren, ist mir selbstverständlich bewusst. Daher hatte ich bereits zu Beginn des Artikels (als es um das Gesamtpotenzial der Windenergie ging) angemerkt: "... Die durchschnittliche Auslastung deutscher Windkraftanlagen ... [betrug] in den vergangenen zehn Jahren etwa 17 Prozent. Das heißt, die Anlagen standen die meiste Zeit still ..." Man muss in diesem Zusammenhang fairerweise aber auch erwähnen, dass die Potenzialanalysen der Harvard University ausschließlich auf Windkraftanlagen mit einer Leistung von 2,5 MW berechnet wurden, es mittlerweile aber bereits deutlich leistungsfähigere Anlagen gibt (was ich im Beitrag auch erwähnte).



    Herzlichen Dank für das aufmerksame Lesen des Beitrags.




    Bitte beachten Sie dazu auch die Stellungnahmen des Autors: Kommentare 12, 18 und 19!
  • Es ist ja so einfach

    10.01.2012, Ulrich Dittmann
    Im Grunde könnten wir alle "Heiligen Schriften" der verschiedenen Religionen, oder auch langatmige philosophische Abhandlungen über Moral und Ethik, einstampfen - wenn wir uns an dem alle Werte umfassenden schlichten Sprichwort, "Was du nicht willst das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu", orientieren würden.
    Der daraus folgende, logische Umkehrschluss, "Was du willst, das man dir tu, das füg auch anderen zu", beinhaltet auch das Gebot einer allumfassenden Nächstenliebe zu allen unseren kleinen tierischen Mitgeschwistern, was Albert Schweitzer so trefflich mit vier Worten, als die "Ehrfurcht vor dem Leben" definierte.
    Es ist ja so einfach.
    Alles ist vielfach gesagt und geschrieben - und auch allen bekannt. Logischerweise wäre ein solches Leben auch im Sinn eines möglichen Schöpfergotts.
    Doch offenbar ist der Mensch unfähig, all das in dicken Büchern verstaubende, hehre Gedankengut zu Religionen und Wissenschaften im Alltag umzusetzen.
  • Glaubensfragen

    10.01.2012, Martin Schade
    Die beiden Artikel zu "Vernunft und Glaube" gehen von einer falschen Fragestellung aus; die gebrachten Beispiele sind gegenüber Fragen menschlichen Verhaltens banal (und Jesus war kein Palästinenser, dieser Begriff hatte damals eine andere Bedeutung). Bereits zur Diskussion um den Empiriokritizismus bin ich&np;- als Ingenieur - der Meinung, dass es nicht darauf ankommt Empfindungen zu erklären, sondern welche hervorzurufen bzw. zu vermeiden. So sollte man auch hier akzeptieren, dass - solange man keine Maßnahmen daran knüpft - eigentlich egal ist, ob man z.B. die Welt als Kugel oder als Scheibe auffasst. Erst wenn man ein Ziel verfolgt, und aus unterschiedlichen Weltmodelle verschiedene Wege dorthin folgert, wird der Unterschied relevant.
    Man kann sein Vorhaben, z.B. eine Brücke, zwar exakt berechnen, aber ob es dann gelingt, diese auch gemäß den Plänen zu errichten, ob alle Mitarbeiter richtig arbeiten, ob sich die Projektgegner wie angenommen verhalten, und wie sich die bisher Unbeteiligten dazu positionieren werden, das weiß man nicht. Hier kann man nur glauben, dass es gelingt, das Vorhaben zu realisieren. Das heißt, Ihr Artikel engt unzulässig auf religiösen, insbesondere etablierte Varianten des christlichen Glaubens, ein. Den Glauben an den technischen Erfolg des Bauvorhabens und an den kaufmännischen Ertrag - und wie man Chancen und Risiken gegenüber stellen kann - betrachten Sie nicht. In [*] finden wir meines Erachtens richtig formuliert: "Bei beiden Spezies sitzt das Gefühl am Steuer, der Verstand pflastert nur die Straße" und meint, dass man mit dem Verstand nur Varianten ausarbeiten, aber sich nicht für eine entscheiden kann. Letztlich geht es darum, ob man vernünftig ist und es bleiben läßt, oder im Glauben an den Erfolg das Risiko eingeht. Und manchmal muss man seinen Verstand sehr anstrengen, um etwas Spaß zu haben.
    Das Problem läuft meines Erachtens darauf hinaus, dass man einschätzen muss, wie sich die Leute, insbesondere die Mitarbeiter, gegenüber den auf sie zukommenden Aufgaben und Problemen verhalten werden, ob sie diese richtig und gemeinsam angehen werden oder ob Streit und Zwietracht mehr Aufmerksamkeit gewinnen als die vorliegende Aufgabe. Die Hermeneutik - deren Hintergrund unzureichend erklärt worden ist - sollte deshalb auch angewandt werden, das Verhalten der Projektbeteiligten besser zu verstehen.
    Die Atheisten haben zweimal versucht, das Problem zu lösen: Die Rechten haben in der genetischen Disposition die Ursache für alle Probleme gesehen, eine aufwändige Auswahl betrieben und viele Leute kaum mitwirken lassen. Und die Linken haben in materiellen Bedingungen z. Zt. der Kindheit die eigentliche Ursache für alle Abweichungen gesehen und versucht, diese auszugleichen. Von diesem Standpunkt ausgehend sind sogar Einsatzbereitschaft und überdurchschnittliche Ergebnisse als Fehler gewertet und bekämpft worden. Der Sozialismus hat damit geendet, dass viele Leute auf Positionen festsaßen, von denen sie nur noch wegwollten.
    Eine Freund-Feind-Maschine wäre sicherlich hilfreich, aber aus dem Scheitern beider Diktaturen ergibt sich, dass man einen Menschen nicht unabhängig von seiner Persönlichkeit einschätzen kann. Gläubige Menschen gehen davon aus, dass Gott - ob absichtlich, oder weil auch er das nicht anders kann - die Seelen der Menschen mit unterschiedlichen Vororientierungen erschafft, oder dass diese bereits aus einem vorigen Leben vorgeprägt sind. Unser Apostel Paulus hat in seinem Ersten Brief an die Korinther erläutert: "12,4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber [es ist] derselbe Geist; 12,5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und [es ist] derselbe Herr; 12,6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber [es ist] derselbe Gott, der alles in allen wirkt. 12,7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. 12,8 Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; 12,9 einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, 12,10 einem anderen aber [Wunder-]Kräfte, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen aber [verschiedene] Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. 12,11 Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will." [aus dem Web]
    Der Staat bzw. das Bildungssystem erhält daraus die Aufgabe, die mit der Seele gegebenen Anlagen der Menschen frühzeitig zu erkennen, auszubilden und die Menschen dementsprechend einzusetzen. Dazu ist auch zu klären, inwieweit ideelle Werte wie Orden und Ehrenzeichen sowie Titel zur materiellen Produkton erforderlich seien, und demzufolge auch Mittel aufzuwänden sind, um diese zu reproduzieren. Schwer verständlich ist für mich, dass das atheistische Gleichheitsgefasel immer noch Anhänger findet. Dabei ist mit Stirners "Einzigen" schon 1844 die schlechte Perspektive des atheistischen Standunktes offenbart worden.

    Sowohl in der Technik als auch in der Ökonomie ist heute akzeptiert, daß Hard- und Software beide Arbeit erfordern und ihren Wert haben; sonst wäre das Urheberrecht gegenstandslos. Bei dem Kopieren von Information von einer CD auf eine Diskette, einen Flashspeicher oder andere Datenträger wird keine Materie übertragen, sondern nur Information weitergegeben - und diese verschwindet dabei nicht an ihrem Ursprungsort. Übliche Computer benötigen nach ihrer materiellen Fertigstellung noch ein Betriebssystem, welches auch von einer RAM-Disk laufen kann, aber nach dem Ausschalten weg ist.
    Wieso bitte können die Geisteswissenschaftler schwerlich akzeptieren, dass ein Mensch sowohl den materiellen Körper auch eine Initialisierungssoftware - die Seele - erhält, bzw. dass diese überhaupt erst den Menschen ausmacht, und dass diese aus einer anderen Welt stammt?

    Für unser finales Projekt, die Rückkehr in die andere Welt, fragen wir uns, wie wir unsere Seele für den Übergang vorbereiten. Die Regeln, nach denen der Herr die Tür zum Paradies öffnet oder verschlossen hält, sind das Thema der Religion. Diese zu verstehen ist die Erkenntnis der Welt sicherlich nützlich; schließlich hat der Herr sie geschaffen, damit wir unsere Anlagen in ihr zu Fähigkeiten ausprägen. In einer Diskussion mit Zeugen Jehovas ist mir klargeworden, dass "Welt" für das im griechischen Original stehende "Kosmos" gesetzt ist; welches damals so viel wie das heutige "Wirtschaftssystem" bedeutet hat. In dessen der Verständnis liegt die Kirche auch einige Jahrhunderte hinter dem aktuellen Stand.
    Meine Erfahrung ist, dass
    * viele Vorgänge heute auf mehrere Leute aufgeteilt sind, so daß andere beeinflussen, ob das, was jemand tut, böse oder gut wird;
    * die ausschlaggebende Entscheidung - während sich die klugen zurückhalten - oft von einem dummen Menschen getroffen wird;
    * von jeder Alternative immer weitere Leute sowohl un- als auch günstig betroffen sind, so dass es keine Egoistischen Handlungen gibt;
    * wir dazu neigen, Menschen als Angehörige einer Gruppe zu sehen und als "einen von denen" zu beurteilen;
    so dass eine moralische Wertung des Anteils einzelner schwer möglich ist. Die Kirche hat mir bisher keine Antwort darauf gegeben. Hier sollten sich Philosophen und Theologen um eine Klarstellung bemühen.

    Da die Rückkehr in die andere Welt im Prinzip um die Verschiebung einer Datei vom diesseits an einen ihr entsprechenden Ort im Jenseits handelt, ist die Religion als ein Teilgebiet der Informatik anzusehen. Die überkommenen, ungenauen Begriffe der Theologie sollten in Begriffe der IT übersetzt werden; zuvor wäre allerdings die Begriffswelt der IT zu ordnen und sinnverändert übernommene Begriffe anderer Fachgebiete zu ersetzen.

    [*] Richard Wrangham Dale Peterson : Bruder Affe, S. 237
  • Exponentiell oder quadratisch?

    10.01.2012, Dr. Jens-Uwe Bußer, München
    Auf Seite 82 (linke Spalte, ganz unten) heißt es, dass die Leistung einer Windkraftanlage EXPONENTIELL mit dem Durchmesser des Rotors steigt. Meines Wissens nimmt die Leistung aber QUADRATISCH zu - wie die überstrichene Fläche eben …



    Antwort der Redaktion:
    Vielen Dank für Ihr Interesse an Spektrum der Wissenschaft. Der Zusammenhang zwischen Rotordurchmesser und Spitzenleistung hat sich in Untersuchungen tatsächlich als nahezu exponentiell erwiesen, wie Sie der angehängten Grafik entnehmen können, die von der Website www.weltderphysik.de stammt. Sie zeigt den Zusammenhang zwischen Spitzenleistung und Rotordurchmesser in halblogarithmischer Auftragung; es ergibt sich nahezu eine Gerade. Das überrascht möglicherweise, denn mit wachsendem Rotordurchmesser steigt die Rotorfläche nur im Quadrat. Jedoch steigt zugleich die Höhe der Rotornabe über dem Boden und damit auch die Windgeschwindigkeit (diese wächst mit der Höhe) - und die Leistung der Anlage wächst mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit. Diese Zusammenhänge ergeben gemeinsam offensichtlich eine nahezu exponentielle Funktion, zumindest im untersuchten Bereich.
  • Religion nicht auf gleicher Stufe wie Naturwissenschaften

    10.01.2012, Dr. J. Mueller-Schroeder
    Schade, dass sich Spektrum der Wissenschaft als indirektes Sprachrohr der katholischen Kirche (Sekte) verwenden lässt. Wenn sie einen wirklich kompetenten Gesprächspartner zu diesen Fragen engagieren wollten, dann müsste es jemanden vom Kaliber eines Michael Schmidt Salomon oder Richard Dawkins sein. In Ihren Artikeln wird die Religion viel zu ernst genommen und auf die gleiche Stufe gestellt wie die Naturwissenschaften. Tatsache ist und das weiß jeder ehrliche seriöse Naturwissenschaftler, dass Religion 300 Jahre nach Newton, 150 Jahre nach Darwin, nichts mehr auf dieser Welt zu suchen hat. Religion verhindert seriöse Entwicklung und bindet massiv Kräfte, welche viel vernünftiger zum Wohle der Mitwelt eingesetzt werden könnten. Personen, welche noch immer an übernatürliche Kräfte glauben, sind noch nicht in unserem Jahrtausend angekommen und zeichnen sich durch einen eklatanten Mangel an Bildung aus.


  • Patt auf erkenntnistheoretischer Ebene

    10.01.2012, Jürgen Jensen, Bremen
    Die erfreulich respektvolle, ja entspannte Atmosphäre scheint mir ein Hinweis dafür zu sein, dass einige Vertreter religiöser Ansichten in der Tat eines von Humanismus und Aufklärung gelernt haben: Toleranz. Was Vertreter wissenschaftlicher Ansichten von Religionen lernen können, wird nicht so ganz klar. Bescheidenheit oder auch eine gewisse Demut ist für Wissenschaftler allerdings immer angebracht.

    In dem Gespräch zwischen Eckart Voland und Winfried Löffler werden viele Argumente genannt, die seit Langem in der Debatte um ,Glauben und Wissen' ausgetauscht werden. Hier das Problem der Theodizee, dort das Unvermögen dem Ganzen einen Sinn zu geben, einen Grund der Welt zu finden. Ob die Antwort der Religion befriedigt und sie nicht als dogmatischer Abbruch erscheint, ist eine andere Sache.

    Auch auf der erkenntnistheoretischen Ebene scheint es nach einem Patt auszuschauen, wenn der Glaube des Wissenschaftlers an die Existenz einer Welt erwähnt wird. Hier möchte ich eine zuspitzende Anmerkung machen; kann man die Annahme einer existierenden Welt mit dem Glauben eines religiösen Menschen an einen, auch nicht hinterfragbaren, Gott vergleichen, von dem es bekanntlich mehrere Ausfertigungen gibt, was nicht verwundert, da er/sie menschliche Konstruktionen sind? Von der logischen Herangehensweise kann man die jeweiligen Annahmen wohl gleichsetzen, ich frage mich aber in eher pragmatischer Hinsicht: Ist der Glaube an die Existenz des Weihnachtsmannes das gleiche wie der Glaube an die Existenz eines Tannenbaums?
    Antwort der Redaktion:
    Danke für Ihren freundlichen Brief! Auch mir kam das Gespräch - gut vorbereitet unhd moderiert von der SdW-Reaktion! – als ein Beispiel rationaler, respektvoller und freundlicher Auseinandersetzung vor. Zu Ihrer sachlichen Frage: Natürlich nicht. Der Tannenbaum wie auch der Weihnachtsmann sind beide als empirisch problemlos umschreibbare Objekte konzipiert, wobei aber für die Existenz des Tannenbaums erdrückend viel spricht, für die des Weihnachtsmannes nichts (für das fliegende Spaghettimonster u. a. Karikaturen gilt dasselbe). Aber so einfach machen es sich die großen Religionen ja auch nicht: Ihr "Gott" ist kein seltsames empirisches Zusatzobjekt, sondern eher so etwas wie eine Annahme zur weltanschaulichen Komplettierung oder zusammenordnenden
    Einbettung all dessen, was uns unseren verschiedenen Lebensbereichen (Wissenschaft, Alltagsrationalität, Zwischenmenschliches, ...) so begegnet. Meinem Verständnis nach meinen sich religiöse Menschen einen besseren, zusammenhängenderen Reim auf die Gesamtwirklichkeit machen zu können. Nichtreligiöse Menschen meinen ohne so eine Annahme auszukommen, nehmen aber dafür vielleicht andere weltanschauliche Komplettierungen vor (gar nicht so selten trifft man z. B. auf Vorstellungen eines in sich
    verehrungswürdigen Kosmos). Das "Beweisziel" in Debatten über solche weltanschauliche Gesamtdeutungen ist aber gar nicht, dem Gesprächspartner die eigene Position "anzudemonstrieren", sondern der Nachweis, dass es nicht grundsätzlich unvernünftig ist, so zu denken (Ähnliches gilt übrigens für viele Grundlagendebatten in der
    Philosophie, aber auch z. B. um Deutungen der Mathematik oder Quantenphysik). Und hier scheint mir der Theismus bessere Karten zu haben, als seine momentane Presse glauben machen mag.


    Freundliche Grüße, Ihr Winfried Löffler
  • Vernunft & Glaube

    10.01.2012, Ralf Sprenger, Ravensburg
    Wow. Einfach nur wow. Ich bin immer wieder überrascht, dass es im 21. Jahrhundert Menschen gibt, die tatsächlich händeringend und mit vielen blumigen Worten eine Rechtfertigung für bronzezeitliche Märchen suchen. Die Theologie ist ein System, das entwickelt wurde, um den Glauben an eine Märchenfigur respektabel und rational erscheinen zu lassen, ein Vehikel zur Rationalisierung des Irrationalen. Die Gründe für den Glauben an das Übernatürliche (von dem Götter eine Teilmenge sind), lassen sich ohne Probleme auf evolutionäre Anpassungen zurückführen; wie im Streitgespräch gesagt, wir sind alle Animisten, bedingt durch unsere Entwicklungsgeschichte. Christian Tapps Artikel strotzt nur so vor all den Widersprüchlichkeiten, die in allen Religionen stecken. Der Versuch, diese durch Theologie zu rationalisieren (und damit wegzudiskutieren), nimmt dabei teils bizarre Züge an: Da wird von "direkten Aussageinhalten" ("Schöpfung durch Gott") und bildhaften Ebenen geredet. Was aber ist ein direkter Aussageinhalt? Eine Realität? Heißt das, dass (der christliche) Gott real ist? Wenn dem so ist, dann sollten dafür auch Belege aufgezeigt werden. Wo sind diese? Und weshalb spricht der Artikel ausschließlich vom christlichen Gott? Wieso ist dieser real, alle anderen Götter, an die geglaubt wird oder wurde, aber nicht?
    Es mag durchaus sein, dass Richard Dawkins in vielen seiner Formulierungen "über das Ziel hinausschießt". Aber er ist in der Lage, hinter die aufgeblasenen Phrasen der Apologeten zu sehen und das Nichts dahinter zum Vorschein zu bringen. W. Löffler behauptet, fast alles, was Dawkins in Bezug auf Religionen behauptet, sei falsch - nur um ein paar Paragrafen weiter das müde alte kosmologische Argument zu bringen: Gott als ursachenlose Ursache des Universums. Dawkins und vor ihm andere (etwa Ernst Nagel) haben zu Recht gefragt, weshalb dieser Gott Ursache seiner selbst sein kann, das Universum aber nicht. Und auch andere "Gottesbeweise" werden von Dawkins durchaus angemessen behandelt. Wem dabei sauer aufstößt, dass Dawkins' Formulierungen einen höflichen Ton vermissen lassen, der kann sich ohne Weiteres anderen Philosophen, die dieselben Fragen weniger "schrill" formuliert haben (beispielsweise Russell), zuwenden.
    Beide Artikel (Hauptartikel und Streitgespräch) lassen auch moderne wissenschaftliche Erkenntnisse vermissen. Was ist mit modernen neuro- und evolutionsbiologischen Forschungsergebnissen?
    Theistische Auffassungen hatten lange genug Zeit, für ihre Behauptungen Belege zu bringen. Sie sind damit regelmäßig gescheitert. Zu keiner Zeit wurde ein direkter oder indirekter Beweis oder ein vernünftiges philosophisches Argument für die Existenz von Göttern oder anderen übernatürlichen Entitäten erbracht. Übernatürliche Deutungen für Phänomene sind immer wieder durch natürliche Erklärungen ersetzt worden. Religionsphilosophie, und dies verdeutlichte mir Christian Tapps Artikel wieder einmal, ist nur der verzweifelte Versuch, die letzten Reste vom Boden eines leeren Fasses zu kratzen.
  • Sphärenmusik

    10.01.2012, Max Kobbert
    Es wäre schön, wenn die Schwingungsmuster - evtl. in den Hörbereich hinein transponiert - als wav-Dateien für die User hörbar gemacht werden könnten.
  • Zum Glück verbrennen wir Kohle, Gas und Öl ?

    09.01.2012, Holzherr Martin, CH 8406 Winterthur
    Dass schon in den nächsten 1 1/2 tausend Jahren unter natürlichen Umständen eine neue Kaltzeit zu erwarten wäre, überrascht mich völlig, ging ich doch davon aus, dass die jeztige Warmzeit besdonders lang anhalten werden aufgrund der aktuellen Erdbahnparameter.
    Damit hätte Gerd Ganteför ja recht, der sein letztes Kapitel im Teil IV seines Buches "Klima, der Weltuntergang findet nicht statt" mit "Wir brauchen die Klimaerwärmung!" überschrieben hat und darin behauptet, ohne anthropogenes CO2 wären in den nächsten Jahrhunderten Kanada, Sibirien und Skandinavien vorübergehend unbewohnbar geworden.

    Natürlich wird jetzt etwas zuviel des Guten gemacht, aber würde man jetzt die CO2-Emissionen sofort einstellen, hätten wir uns - mindestens für die nächsten 1000 Jahre - vor der nächsten Kaltzeit bewahrt und sonst kaum Schaden angerichtet.
    Antwort der Redaktion:
    Ja und nein. Der Übergang in eine Kaltzeit ist eher gemächlich, so dass zwischen dem Ende der Warmzeit und dem Entstehen eines kontinentalen Eisschildes Jahrtausende liegen können. Wir sind mit dem Kohlendioxid also ein paar Millennien zu früh dran.

    L.F.
  • Gelungene Fragen und argumentative Antworten

    09.01.2012, Herbert Höhnel, Weilheim
    Die Anfangsfrage kann ich als Leser mit einem eindeutigen "Ja" beantworten, vor allem wenn dieses Gespräch mit Herrn Eckart Voland und Herrn Winfried Löffler als Beispiel gelungener Fragen und argumentativer Beantwortung genommen wird. Der kritische Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, politischer Reflexion sowie sozialer Kompetenz wurde hervorragend erfüllt. Dies ist in heutigen Medien leider nur noch selten zu finden und wird wahrscheinlich auch wenig gefordert. Diese Form ermöglicht nicht nur lernen, sondern auch noch einen persönlichen Genuss. Meine Gratulation zu diesem Beitrag! Ich würde mir weitere Beiträge dieser Art wünschen.
  • 1. Hauptsatz der Thermodynamik

    09.01.2012, Fabian Cundano Maltez
    Wie können aus einem Vakuum ohne Energiezufuhr von außen reale Photonen emittiert werden? Verstößt dies nicht gegen den 1. Hauptsatz der Thermodynamik? Sind die virtuellen Photonen im abgeschlossenen Vakuum nicht irgendwann verbraucht?
    Antwort der Redaktion:
    In der Arbeit, auf die Sie sich beziehen, wurden die Photonen mittels Zufuhr von Energie "materialisiert": Die Forscher legten ein hochfrequentes Magnetfeld an die
    Versuchsanordnung, das sie unter Einsatz von Energie erzeugten. Deshalb liegt kein Verstoß gegen den 1. Hauptsatz der Thermodynamik vor. Zu Ihrer zweiten Frage: Die virtuellen Photonen sind nie verbraucht, denn sie
    resultieren aus Quantenfluktuationen, einer inhärenten und mithin unvermeidlichen Eigenschaft des Vakuums.
  • Augen auf!

    09.01.2012, Höfling Bernhard
    Auweia, der Autor soll sich doch mal so einen Baum vom Wipfel beginnend mit eigenen Augen ansehen. So wird er erkennen, dass ein Baum ganz oben relativ wenige und auch dünne Äste hat und somit seine Aussage: " ... Summe der Querschnitte in jeder Höhe ... " nicht stimmen kann! Das heißt, diese Schlussfolgerung aus Lenonardos Summenformel ist so nicht zulässig!
  • Zusammenhang zwischen Dirac-See und Dunkler Energie?

    09.01.2012, Jens W. Hafner, Jona (Schweiz)
    Die Mutmassung, dass das Vakuum doch nicht leer ist, sondern nur so etwas wie die dunkle Oberfläche einer an Energie reichen Welt "darunter" darstellt, legt den Schluss nahe, auch eine auch Erkärung für die "Dunkle Energie" zu liefern: Dichterhöhungen dieses "Subvakuum-Feldes" im Bereich der Galaxien.
    Das Vakuum wäre demnach also nicht nur nicht leer, sondern in seiner unsichtbaren Tiefe auch ungleichmäßig voll - mit Schwerkraftwirkung im sichtbaren Bereich.
    In diesem Zusammenhang wären Orte starker Verdichtung als "Dunkle Materie" messbar, solche mit geringerer Dichte über einen grossen Raum hinweg als "Dunkle Energie".


    Jens W. Hafner
  • Religion

    09.01.2012, Christian Penn, Linz (Österreich)
    Bei Religion dreht es sich im Wesentlichen um die Frage, ob Götter existieren oder nicht. Götter sind Wesen, die mächtiger sein sollen als Menschen, meist sogar allmächtig. Religiöse Menschen glauben, dass Götter existieren, wissen es aber nicht. Nicht religiöse Menschen glauben nicht, dass Götter existieren, wissen es aber auch nicht.
    Um zu wissen, dass Götter existieren, müsste man nämlich meiner Meinung nach entweder direkt Kontakt zu ihnen haben oder jemanden kennen, der vertrauenswürdig scheint und behauptet, direkten Kontakt zu Göttern zu haben.
    Zu wissen, dass etwas nicht existiert, ist auf der anderen Seite generell schwierig und eigentlich nur in Gedankenkonstrukten wie der Mathematik möglich.
    Das einzig Interessante wäre vielleicht ein Versuch, die alltäglichen Begriffe Glauben und Wissen sauber zu definieren, ansonsten ist das Thema weder schwierig noch interessant, und ich verstehe nicht warum dem in Spektrum der Wissenschaft so viel Raum gegeben wird.
  • Falsche Fragestellung

    09.01.2012, Martin Schade, Bützow
    Die beiden Artikel zu "Vernunft und Glaube" gehen von einer falschen Fragestellung aus; die gebrachten Beispiele sind gegenüber Fragen menschlichen Verhaltens banal (und Jesus war kein Palästinenser, dieser Begriff hatte damals eine andere Bedeutung). Bereits zur Diskussion um den Empiriokritizismus bin ich - als Ingenieur - der Meinung, dass es nicht darauf ankommt Empfindungen zu erklären, sondern welche hervorzurufen bzw. zu vermeiden. So sollte man auch hier akzeptieren, dass - solange man keine Maßnahmen daran knüpft - eigentlich egal ist, ob man z. B. die Welt als Kugel oder als Scheibe auffasst. Erst wenn man ein Ziel verfolgt, und aus unterschiedlichen Weltmodelle verschiedene Wege dorthin folgert, wird der Unterschied relevant.
    Man kann sein Vorhaben, z. B. eine Brücke, zwar exakt berechnen, aber ob es dann gelingt, diese auch gemäß den Plänen zu errichten, ob alle Mitarbeiter richtig arbeiten, ob sich die Projektgegner wie angenommen verhalten, und wie sich die bisher Unbeteiligten dazu positionieren werden, das weiß man nicht. Hier kann man nur glauben, dass es gelingt, dass Vorhaben zu realisieren. Das heißt, Ihr Artikel engt unzulässig auf religiösen, insbesondere etablierte Varianten des christlichen Glaubens, ein. Den Glauben an den technischen Erfolg des Bauvorhabens und an den kaufmännischen Ertrag - und wie man Chancen und Risiken gegenüberstellen kann - betrachten Sie nicht. In [*] finden wir meines Erachtens richtig formuliert: "Bei beiden Spezies sitzt das Gefühl am Steuer, der Verstand pflastert nur die Straße" und meint, dass man mit dem Verstand nur Varianten ausarbeiten, aber sich nicht für eine entscheiden kann. Letztlich geht es darum, ob man vernünftig ist und es bleiben lässt, oder im Glauben an den Erfolg das Risiko eingeht. Und manchmal muss man seinen Verstand sehr anstrengen, um etwas Spaß zu haben.
    Das Problem läuft meines Erachtens darauf hinaus, dass man einschätzen muss, wie sich die Leute, insbesondere die Mitarbeiter, gegenüber den auf sie zukommenden Aufgaben und Problemen verhalten werden, ob sie diese richtig und gemeinsam angehen werden oder ob Streit und Zwietracht mehr Aufmerksamkeit gewinnen als die vorliegende Aufgabe. Die Hermeneutik - deren Hintergrund unzureichend erklärt worden ist - sollte deshalb auch angewandt werden, dass Verhalten der Projektbeteiligten besser zu verstehen.
    Die Atheisten haben zweimal versucht, das Problem zu lösen: Die Rechten haben in der genetischen Disposition die Ursache für alle Probleme gesehen, eine aufwändige Auswahl betrieben und viele Leute kaum mitwirken lassen. Und die Linken haben in materiellen Bedingungen zur Zeit der Kindheit die eigentliche Ursache für alle Abweichungen gesehen und versucht, diese auszugleichen. Von diesem Standpunkt ausgehend sind sogar Einsatzbereitschaft und überdurchschnittliche Ergebnisse als Fehler gewertet und bekämpft worden. Der Sozialismus hat damit geendet, dass viele Leute auf Positionen festsaßen, von denen sie nur noch wegwollten.
    Eine Freund-Feind-Maschine wäre sicherlich hilfreich, aber aus dem Scheitern beider Diktaturen ergibt sich, daß man einen Menschen nicht unabhängig von seiner Persönlichkeit einschätzen kann. Gläubige Menschen gehen davon aus, dass Gott - ob absichtlich, oder weil auch er das nicht anders kann - die Seelen der Menschen mit unterschiedlichen Vororientierungen erschafft, oder dass diese bereits aus einem vorigen Leben vorgeprägt sind. Unser Apostel Paulus hat in seinem Ersten Brief an die Korinther erläutert: "12,4 Es gibt aber Verschiedenheiten von Gnadengaben, aber [es ist] derselbe Geist; 12,5 und es gibt Verschiedenheiten von Diensten, und [es ist] derselbe Herr; 12,6 und es gibt Verschiedenheiten von Wirkungen, aber [es ist] derselbe Gott, der alles in allen wirkt. 12,7 Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. 12,8 Dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; 12,9 einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, 12,10 einem anderen aber [Wunder-]Kräfte, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen aber [verschiedene] Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. 12,11 Dies alles aber wirkt ein und derselbe Geist und teilt jedem besonders aus, wie er will." [aus dem Web]
    Der Staat bzw. das Bildungssystem erhält daraus die Aufgabe, die mit der Seele gegebenen Anlagen der Menschen frühzeitig zu erkennen, auszubilden und die Menschen dementsprechend einzusetzen. Dazu ist auch zu klären, inwieweit ideelle Werte wie Orden und Ehrenzeichen sowie Titel zur materiellen Produkton erforderlich seien, und demzufolge auch Mittel aufzuwänden sind, um diese zu reproduzieren. Schwer verständlich ist für mich, dass das atheistische Gleichheitsgefasel immer noch Anhänger findet. Dabei ist mit Stirners "Einzigen" schon 1844 die schlechte Perspektive des atheistischen Standunktes offenbart worden.

    Sowohl in der Technik als auch in der Ökonomie ist heute akzeptiert, dass Hard- und Software beide Arbeit erfordern und ihren Wert haben; sonst wäre das Urheberrecht gegenstandslos. Bei dem Kopieren von Information von einer CD auf eine Diskette, einen Flashspeicher oder andere Datenträger wird keine Materie übertragen, sondern nur Information weitergegeben - und diese verschwindet dabei nicht an ihrem Ursprungsort. Übliche Computer benötigen nach ihrer materiellen Fertigstellung noch ein Betriebssystem, welches auch von einer RAM-Disk laufen kann, aber nach dem Ausschalten weg ist.
    Wieso bitte können die Geisteswissenschaftler schwerlich akzeptieren, dass ein Mensch sowohl den materiellen Körper auch eine Initialisierungssoftware - die Seele - erhält, bzw. dass diese überhaupt erst den Menschen ausmacht und dass diese aus einer anderen Welt stammt?

    Für unser finales Projekt, die Rückkehr in die andere Welt, fragen wir uns, wie wir unsere Seele für den Übergang vorbereiten. Die Regeln, nach denen der Herr die Tür zum Paradies öffnet oder verschlossen hält, sind das Thema der Religion. Diese zu verstehen ist die Erkenntnis der Welt sicherlich nützlich; schließlich hat der Herr sie geschaffen, damit wir unsere Anlagen in ihr zu Fähigkeiten ausprägen. In einer Diskussion mit Zeugen Jehovas ist mir klargeworden, dass "Welt" für das im griechischen Original stehende "Kosmos" gesetzt ist; welches damals so viel wie das heutige "Wirtschaftssystem" bedeutet hat. In dessen der Verständnis liegt die Kirche auch einige Jahrhunderte hinter dem aktuellen Stand.
    Meine Erfahrung ist, dass
    * viele Vorgänge heute auf mehrere Leute aufgeteilt sind, so dass andere beeinflussen, ob das, was jemand tut, böse oder gut wird,
    * die ausschlaggebende Entscheidung - während sich die klugen zurückhalten - oft von einem dummen Menschenen getroffen wird,
    * von jeder Alternative immer weitere Leute un- oder günstig betroffen sind,
    * wir dazu neigen, Menschen als Angehörige einer Gruppe zu sehen und als "einen von denen" zu beurteilen,
    so dass eine moralische Wertung des Anteils einzelner schwer möglich ist. Die Kirche hat mir bisher keine Antwort darauf gegeben. Hier sollten sich Philosophen und Theologen um eine Klarstellung bemühen.

    Da die Rückkehr in die andere Welt im Prinzip um die Verschiebung einer Datei vom diesseits an einen ihr entsprechenden Ort im Jenseits handelt, ist die Religion als ein Teilgebiet der Informatik anzusehen. Die überkommenen, ungenauen Begriffe der Theologie sollten in Begriffe der IT übersetzt werden; zuvor wäre allerdings die Begriffswelt der IT zu ordnen und sinnverändert übernommene Begriffe anderer Fachgebiete zu ersetzen.

    [*] Richard Wrangham Dale Peterson : Bruder Affe, S. 237