Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

Ihre Beiträge sind uns willkommen! Schreiben Sie uns Ihre Fragen und Anregungen, Ihre Kritik oder Zustimmung. Wir veröffentlichen hier laufend Ihre aktuellen Zuschriften.
  • Einschätzung von Herrn Willmitzer wird geteilt

    04.02.2012, Dr. J.Götz
    Deutschland vergibt seine Chancen, indem seine Bürger aus emotionaler Abneigung - häufig unter dem Deckmantel eines "Sicherheitsdenkens" - Technologien verdammen. Dabei haben breite Schichten wenig Grundkenntnisse, um die zur Diskussion stehenden Sachverhalte hinreichend beurteilen zu können. Selbst die Chance, an sich an "Tagen der offenen Tür" Kenntnisse zu verschaffen und Fragen zu stellen, wird nur in geringem Umfang genutzt. Stattdessen vertrauen sie lieber - mehr oder weniger - den Medien.

    Der Wissenschaft vertraut man eher weniger, weil man zu ihr ein zwiespältiges Verhältnis hat. Einerseits zwar Respekt vor der wissenschaftlichen Leistung, aber auch Furcht, weil von Otto Normalbürger nicht zu verstehen. Die Medien machen ihrerseits aus dieser Situation das große Geschäft: Sie versehen halb Verstandenes mit einer reißerischen Überschrift und verkaufen es.

    Und auf diese Art und Weise werden in der breiten Masse Grundhaltungen aufgebaut, die mehr von Halbwahrheiten und Emotionen, aber gerade nicht von Kenntnissen bestimmt sind. Und dann gibt es noch Politiker und Wahlen. Eine hervorragende Darstellung zu deren Rolle findet sich in ZRP 1/2006 S. 10 ff in dem Artikel "Die Wahlabhängigkeit der Politiker als Funktionsmangel der Demokratie" von Herr Prof. Dr. Dr. hc. W. Schmitt Glaeser. Diesem Artikel ist nichts hinzuzufügen, außer, dass so auch die so genannte "Energiewende" 2011 zustande gekommen ist.
  • Gene dirgieren Geschlechterrollen

    04.02.2012, Hartl Johann
    Ich weiß ja nicht, und aus dem Artikel geht nicht hervor, ob das ohne weiteres auf menschliches Verhalten übertragbar ist.


    Frage: Haben Frauen, die Kinder haben wollen müssen, weil sie "sonst nicht in den Himmel kommen" wenn sie mal sterben (wachset u. mehret euch sonst ... nicht ... Himmel), und wenig weibliche Hormone in ihrem Körper haben, weniger Pflegetrieb? Also ich als Mann fühlte mich glücklich bei der Pflege und Aufzucht meiner eigenen Kinder. In meiner Berufstätigkeit als Erzieher an einer Schule für körperlich und geistig behinderte Kinder und Jugendliche habe ich mich beim Windelwechsel sehr wenig, wenn überhaupt, glücklich gefühlt. Wo habe ich mehr weibliche Hormone in meinem Körper?
  • Die Substanzmetaphysik von Mario Bunge und Manfred Mahner

    04.02.2012, Norbert Hinterberger, Hamburg
    Diese Diskussion um Seinsmetaphysik versus Prozessmetaphysik ist sehr wichtig. Das Buch ist klar geschrieben. Bunge und Mahner vertreten eine Seinsmetaphysik, die von Dingen bzw. Objekten bzw. Teilchen als Grundsubstanz unseres Universums ausgeht. Die für die Quantentheorie wichtigen Begriffe der Verschränkung und der Dekohärenz werden hier nicht verhandelt. Diese experimentierbaren und gut gestützten Phänomene sind nur mit einer modernen Wellenvorstellung der Elementar-'Teilchen' in Einklang zu bringen. Aus diesen Gründen teilt die Mehrheit der Physiker die Auffassung von Bunge und Mahner nicht, sondern bevorzugt ihre kampferprobte Prozess-Sichtweise als relevante Beschreibungs- und vor allem Erklärungsebene. Grundsubstanz ist hier eher die Energie - und zwar bevorzugt die in Wellenform.

    Zum Substanz-Begriff von Bunge und Mahner gibt es eine Kritik von mir: Norbert Hinterberger, "Aufklärung und Kritik", 3/2011.

    Auszug: (...) Insbesondere die Tatsache, dass die Autoren (S. 21-23) selbst von intrinsischen und essentiellen Eigenschaften reden, die ein Ding erst zu dem machen, was es ist, macht den eben referierten Ausschluss der Eigenschaften aus den Entitäten auch pragmatisch sinnlos; logisch ist er ohnedies fragwürdig.
    Überdies wird eben auch die Energie zu einer bloßen Eigenschaft der Materie gemacht, ebenso wie die Masse. Zu diesem Zweck wird eigens E = mc^2 in sehr spezieller Weise interpretiert.

    Auf S. 35f ist in diesem Zusammenhang die Rede von drei Missverständnissen", die offenbar sowohl Physikern als auch Philosophen angelastet werden:

    "Missverständnis 1: Die Bezeichnungen ,Materialisation von Energie' bzw. ,Vernichtung von Materie' für die Bildung von Elektronenpaaren sind inkorrekt. Was ,vernichtet' wird, wenn ein Elektron-Positron-Paar in ein Photon transformiert wird, ist nicht etwa Materie, sondern Masse, welche eine Eigenschaft von Teilchen und Körpern ist, aber nicht von Photonen. Umgekehrt entsteht mit Masse ausgestattete Materie bei der Bildung von Elektronenpaaren. (Die beiden Seiten der Erhaltungsgleichung 2mc² = hv gelten nicht gleichzeitig: Die linke Seite gilt vor, die rechte nach der Annihilation.) Im Gegensatz zu Energie ist Masse eben keine universale Eigenschaft von Materie."

    In Bezug auf die Photonen gehen die Autoren offenbar von der Ruhemasse aus, was natürlich unschlüssig ist, da Photonen nie in Ruhe sein können (die Ruhemasse ist eine rechnerische Idealisierung, die in der Natur nicht vorkommt). Der letzte Satz ist also falsch.
    B&M gehen hier davon aus, dass Bosonen keine Ruhe-Masse haben, und deshalb soll Masse im Gegensatz zur Energie keine universale Eigenschaft von Materie sein. Nun gelten zwar die Bosonen offiziell eben nicht als Materieteilchen, sondern als ,Boten'- bzw. Kraftteilchen. Aber die Stringtheoretiker weichen diesen recht künstlichen Unterschied gerade auf (mit ihren Energiefäden, die für beide in Anschlag gebracht werden, für Fermionen und Bosonen; in der Supersymmetrie können sie sich ohnedies ineinander umwandeln). Auch H. D. Zeh (nicht gerade als Freund der Stringtheorie bekannt) hält die Implikation der Autoren, dass Strahlung keine Materie sei, für unhaltbar. Im Übrigen, wer spricht denn von ,Vernichtung' angesichts der Energieerhaltung. Man spricht immer nur von Umwandlungen. Wenn ein Elektron-Positron-Paar in ein Photon transformiert wird, dann geht Materie - natürlich samt ihrer Masse - in Strahlungsenergie über, denn beides ist ja in Strahlungsenergie umgewandelt worden (wir sehen hinterher doch keine Materie mehr, die bloß von ihrer Masse befreit wäre, es sei denn, wir bezeichnen diese Strahlung einfach wieder als Materiestrahlung wie es viele Physiker auch tun, und die hat natürlich Masse bzw. Energie). Bei der Bildung von Elektronenpaaren läuft der umgekehrte Vorgang. Und die beiden Seiten der Erhaltungsgleichung dürfen dazu gar nicht gleichzeitig gelten. Das ist trivial. Man weiß also nicht, warum die Autoren das überhaupt erwähnen. Dieser Umstand ändert aber nichts daran, dass in beiden Fällen echte Energieäquivalente resultieren, die man kaum als bloße Eigenschaften von Materie bezeichnen kann. Sonst könnte man straffrei den Zirkel formulieren, das Eine sei bei diesem Hin und Her die Eigenschaft des jeweils anderen. So kann man Energie samt Masse als Entitäten verschwinden lassen. Es scheint aber im Gegenteil so, das Materie ohnedies nur eine andere Erscheinungsform der Energie ist - eben so etwas wie ,geronnene' Energie. Masse dürfte bei diesem Vorgang der grundlegende und nicht der abgeleitete Begriff sein, denn über Masse verfügt sowohl die Energie als auch die Materie, wie wir seit Einstein wissen (...)
  • Pilzgefahr?

    04.02.2012, Dietmar Achilles
    Was geschieht, wenn nun dieser Pilz in die moderne industrialisierte Welt Einzug nimmt? Müssen wir uns dann um die Haltbarkeit vieler und wichtiger Produkte Sorgen machen?
    Antwort der Redaktion:

    Sehr geehrter Herr Achilles,

    ich denke, da müssen wir uns keine Sorgen machen zumindest nicht in höheren Breiten: Der Pilz stammt aus den Tropen und dürfte frostige Temperaturen kaum vertragen. Wahrscheinlicher ist auch, dass die Enzyme des Pilzes chemisch nachgebaut und dann eingesetzt werden, statt den Pilz einfach freizusetzen.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Daniel Lingenhöhl

  • Optische Täuschung auf dem Traktor

    03.02.2012, Jürgen Hartmann
    Das was Herr Radicec erlebte, beschrieb bereits der sowjetische Schriftsteller Michail Scholochow in seinem 1930 erschienenen Roman "Neuland unterm Pflug": Im Zuge der Kollektivierung der Landwirtschaft wurde der Romanheld aus Petersburg in die Steppe am Don geschickt, um dort als Traktorist unermesslich große Felder zu pflügen. Abends vom Traktor gestiegen hatte er dann das Gefühl, dass die Erde unter ihm weggleitet, begleitet von Übelkeit und Kopfschmerzen - und das, obwohl er sich in seiner Unterkunft befand. Er hatte mehrere Wochen damit zu kämpfen...
    Eine ähnlich Empfindung hatte ich, als ich das erste Mal eine fast 1000 km lange Autofahrt hinter mir hatte - wenn ich nicht direkt auf den Fußboden schaute, kam es mir vor, dass sich der Boden unter mir wegbewegt. Das verging erst am nächsten Tag.
  • Auch Punktmuster haben ihre Tücken

    03.02.2012, Andrea Kamphuis
    Dass Filmszenen epileptische Anfälle auslösen können, ist ja bekannt - siehe z. B. Markus A. Dahlems Beitrag hier: http://www.scilogs.de/blogs/blog/graue-substanz/2011-11-29/kultur-optimaler-reiz-ueberflutung
    Aber auch statische Muster scheinen Tücken zu haben. Ein Bekannter, der sonst nicht zu epileptischen Anfällen oder Migräneattacken neigte, hatte in Phasen des Alkoholmissbrauchs oder -entzugs Probleme mit bestimmten regelmäßigen Punktmustern. Diese perforierten Schallschutzplatten, die früher oft hinter Münztelefonen hingen, konnten bei ihm Zusammenbrüche auslösen, die er als epileptische Anfälle beschrieb.
  • Alles im Dienste der Klimahysterie?

    03.02.2012, Gilbert Brands, Krummhörn
    "...Der Rückgang reichte aus, um Eiszeiten auszulösen." Ich frage mich allen Ernstes, auf welcher Wissensgrundlage sich der Redakteur erdreistet, komplexe Themen, die bekanntermaßen viele Ursachen haben, auch für die ferne Vorzeit auf einen einzigen Faktor zu reduzieren. Um es mal so beleidigend wie möglich zu sagen: diese gebetsmühlenartige Reduktion auf CO2 in vielen Kommentaren artet allmählich in Scharlatanerie aus.
  • Unpräzise Fragestellung

    03.02.2012, Mike
    Die Frage ist sehr unpräzise gestellt, da nach "einzelnen" und nicht "verschiedenen" Wägestücken gefragt wird. Außerdem sind Wägesätze ähnlich wie Geldstücke üblicherweise in 1,2,5,10g Einheiten gestückelt um leichter Rechnen zu können.
  • Elefanten nach Australien

    02.02.2012, georg scherbaum
    Also Elefanten wäre eine gute Idee, aber Giraffen und einige Großantilopen Afrikas müssten dazu. Als Wildfleischfresser maximal Geparden. Alles mit Maß. Ich würde den WWF und den deutschen 4-Pfoten-Verein dazuziehen; vielleicht könnte man so Artenschutzprogramme billiger und gleichzeitig kostengünstiger gestalten. Viel Glück
  • Seekrankheit nach langer Zugfahrt

    02.02.2012, Halec Radicec
    Interessante Geschiche.
    Ich bin einmal drei Tage lang mit dem Zug unterwegs gewesen. Kaum am Boden angekommen, bin ich gestolpert und beinahe umgefallen, obwohl der Boden glatt war. Verursacht wurde das von dem Eindruck/dem Gefühl, der Boden würde sich wie durch Wellen bewegen. Nah einigen mislungenen Versuche habe ich das Laufen aufgegeben und mich auf einer Wiese hingelegt. Nach einiger Zeit bin ich aufgewacht und es ging auch mit dem Laufen.
  • ist doch irgendwie selbstverständlich...

    02.02.2012, Uwe Zimmermann
    ...die einzige Möglichkeit den Stau zu verhindern, ist es, die Passagiere vorher zu sortieren, dazu brauche ich keine aufwändige Studie und keine Modelle - das sagt mir der gesunde Menschenverstand. Gleichzeitig verstehe ich nicht, warum die Fluggesellschaften, die tagtäglich mit diesem Problem konfrontiert werden, nicht schon längst ein funktionierendes System gefunden haben.

    An vielen Flughäfen, von denen ich in letzter Zeit gestartet bin, werden die Passagiere grob in zwei oder drei Gruppen nach Sitzreihennummer sortiert, gleichzeitig wird aber diese Sortierung nicht wirklich überwacht, so dass die Drängler der ersten Reihen stets wieder für Verstopfung sorgen. Dabei wäre es so einfach, die Sitzreihen nacheinander aufzurufen...

    Ich verstehe auch nicht, wieso die Fluggesellschaften nicht sehr viel restriktiver im Bezug auf das Kabinengepäck sind. Auf meinen Flügen blockieren immer Mitreisende das Boarding, weil sie ihr viel zu großes und umfangreiches Kabinengepäck nicht verstaut bekommen.

  • Intuition statt Herleitung

    02.02.2012, Dr. Wolfgang Klein
    Als Mathematiker mit theoretischer Physik als Nebenfach (schon einige Zeit her) kann ich die Sicht des Autors Tony Rothman nur bestätigen. Bei mir hat es einige Semester gedauert, bis ich wirklich verstanden hatte, wie theoretische Physiker zu ihren Gleichungen und Ungleichungen kommen, nämlich nicht wie Mathematiker durch Herleitung aus (letztendlich) wenigen einfachen Axiomen, sondern durch Analogieschlüsse, Ahnungen, "Intuition" und so fort.

    Vor einiger Zeit habe ich mal versucht, mich ein wenig mit Stringtheorie zu befassen (z.B. mit dem Lehrbuch von M. Kaku). Dieses fängt im Grund damit an, dass die verwendeten Symmetriegruppen vom Himmel fallen. Das Thema Symmetriegruppen steht meines Wissens in enger Beziehung zu dem, was Tony Rothman über den Lagrangeformalismus und das Wirkungsprinzip schreibt (Erhaltungsätze, Satz von E. Noether). Gerade beim Satz von E. Noether habe ich den Eindruck, dass der von Physikern zwar häufig zitiert, aber nicht wirklich verstanden wird, falls die Betreffenden überhaupt die Arbeit von Emmy Noether gelesen haben.

    Bedauerlich ist auch der teilweise schlampige Umgang mit mathematischen Theorien (Operatortheorie, Lie-Gruppen). Man sehe sich beispielsweise die Ausführungen von Walter Greiner über Lie-Gruppen und Lie-Algebren an und vergleiche die mal mit einem Mathematikbuch zum selben Thema. Mir ist noch die denkwürdige Aussage meines Professors für theoretische Physik (Haug) in Erinnerung: "Ein Hilbertraum ist ein undendlichdimensionaler Vektorraum mit Skalarprodukt." Ein anderes Beispiel ist sein Umgang mit uneigentlich Integralen: Ein existierendes beidseitig uneigentliches Integral wandelte er in zwei nicht existierende einseitig uneigentliche Integrale um, formte diese zu zwei existierenden eigentlichen Integralen um und hatte dann in Summe das beidseitig uneigentliche Integral vom Anfang in ein eigentlich Integral umgewandelt.

    Man erinnere sich an die Aussage von Bertrand Russell, dass man ausgehend von einer falschen Aussage jede Aussage herleiten kann. Beispiel: 0 = 1 => Bertrand Russell ist der Papst.
  • Warum es sich neben einer Kiste besser denkt

    01.02.2012, Hartl Johann
    Also ich glaube da fehlt eine Information dazu, wie man das am besten in den Alltag überträgt. Natürlich hat der Verfasser recht mit diesem bildlich dargestellten Versuch. Ich verstehe das folgendermaßen:
    Man hat eine Sache zu bearbeiten. Z.B. anfertigen eines Gebrauchsgegenstandes. Solange man mit dem Erstellen des Gebrauchsgegenstandes theoretisch aus Texten und unmittelbar davorstehend befaßt ist, ist man "mitten in der Kiste." Entferne ich mich aber räumlich, setze mich irgendwo hin und lasse von innen her von selbst einströmendes Gedankengut kommen, dann ergeben sich meist ganz neue Perspektiven, die die praktische Arbeit am Gebrauchsgegenstand fördern. Man ist dann bildlich gesprochen eben "neben der Kiste".
    Antwort der Redaktion:

    Lieber Herr Hartl,

    den Autoren der Studie geht es um die ganz konkrete, wortwörtliche Umsetzung. Um die Erkenntnisse in den Alltag zu übertragen, müssten Sie sich also eine Kiste zimmern und direkt daneben Platz nehmen, wenn Sie nach kreativen Problemlösungen suchen.

    Da sich der förderliche Effekt jedoch nur zeigt, wenn man die Ergebnisse vieler Teilnehmer mittelt, sollte man als Einzelner besser keine größeren Hoffnungen mit dieser Maßnahme verbinden. Da sind die von Ihnen vorgeschlagenen Methoden sicher deutlich erfolgversprechender.

    Mit besten Grüßen, Jan Dönges (Redaktion)

  • Punktförmige Teilchen?

    01.02.2012, Hans Palm, Frankfurt am Main
    Eine Ergänzung zu meinem vorherigen Leserbrief:

    Es ist unklar, ob es überhaupt punktförmige Teilchen, also Teilchen ohne räumliche Ausdehnung gibt. Bei Elektronen, Myonen und Neutrinos hält man es für möglich. Allerdings sind diese Teilchen besonders schnell, also erst recht keine Angriffspunkte für Gravitationskräfte.

    Für Quarks wird auch Punktförmigkeit angenommen; jedenfalls können sie sich nicht unendlich nahe kommen, weil dann die Teilchen, die sich aus ihnen zusammensetzen, auch punktförmig würden.
  • Eine Zumutung

    01.02.2012, K. J. Düsberg
    Der Artikel von Tapp ist eine Zumutung: Weder über die Theodizee-Problematik im Besonderen noch über religionsphilosophische Probleme im Allgemeinen informiert er in korrekter Weise.

    Es wird zwar über Versuche berichtet, das Theodizee-Problem zu lösen. Verschwiegen wird aber, dass diese Versuche längst als gescheitert erwiesen sind: Es gibt keine – haltbare – Lösung des Theodizee-Problems (was Löffler im anschließenden Streitgespräch bemerkenswerterweise zugesteht). Es sei hier nur auf den kurzen Übersichts-artikel von Andrea M. Weisberger verwiesen: „The Argument from Evil“ (in: Michael Martin [ed.], The Cambridge Companion to Atheism).

    Überhaupt ist die Auswahl der erwähnten Literatur extrem selektiv und einseitig: Es kommt nur solche pro, keine kontra Religion vor. Kein einziges Wort zu dem Klassiker der modernen Religionsphilosophie (und -kritik): „The Miracle of Theism“ (dt.: „Das Wunder des Theismus“) von John Leslie Mackie geschweige denn eines zu neueren Publikationen wie „Breaking the Spell. Religion as a Natural Phenomenon“ von Daniel C. Dennett, „Religion Explained. The Evolutionary Origins of Religious Thought“ (dt.: “Und Mensch schuf Gott”) von Pascal Boyer, „The God Delusion“ (dt.: „Der Gotteswahn“) von Richard Dawkins, „Die Frage nach Gott“ von Norbert Hoerster, „God. The Failed Hypothesis. How Science Shows that God does not Exist“ von Victor J. Stenger oder “Irreligion. A Mathematician Explains why the Arguments for God just don’t Add up” von John Allen Paulos.

    Dabei ist doch offenkundig, dass man erst dann von der Vernünftigkeit des religiösen Glaubens (und der Wissenschaftlichkeit theologischer Dogmatik) zu reden berechtigt wäre, wenn man die in diesen und vielen anderen Publikationen enthaltenen religionskritischen Argumente entscheidend entkräften würde. Nicht einmal eine Andeutung, wie das gehen soll, findet sich in dem Artikel. Jedenfalls ist der Hinweis darauf, dass die von vielen als widersprüchlich angesehene christliche Trinitätslehre sich doch als widerspruchsfrei herausgestellt habe, in diesem Zusammenhang eine ganz unerhebliche Marginalie.

    Nebenbei bemerkt: „dass Wissenschaftler für ihre Prämissen Gewissheit beanspruchen müssen und damit auf einen Akt der Anerkennung oder des Glaubens angewiesen sind“ (und insofern wohl eine quasireligiöse Einstellung haben sollen), mag zwar eine These von Habermas wiedergeben, steht aber im Widerspruch zu dem in der Wissenschaftstheorie so gut wie unstrittigen Fallibilismus in bezug auf empirische Wissenschaften (siehe z.B. Gerhard Schurz, Einführung in die Wissenschaftstheorie). Was man von Habermas’ wissenschaftstheoretischen Eskapaden zu halten hat, kann man u. a. bei Adolf Grünbaum nachlesen (A. Grünbaum, Die Grundlagen der Psychoanalyse. Eine philosophische Kritik [dt. Übers. von: The Foundations of Psychoanalysis. A Philosophical Critique], etwa S. 66: Habermas kenne nicht einmal den „elementaren Lehrstoff der Wissenschaftsphilosophie“).

    Zu drei von Löffler im anschließenden Streitgespräch mit Voland aufgestellten Behauptungen jeweils ein kurzer Kommentar:

    1) Der Versuch, im Rahmen der Big-Bang-Kosmologie (ohne Inflation) den kosmologischen Gottesbeweis zu reanimieren, ist längst als misslungen nachgewiesen, auch ohne Rekurs auf Multiversum-Theorien, u. a. von Adolf Grünbaum in einer Reihe von Aufsätzen (z. B.: „Die Schöpfung als Scheinproblem der physikalischen Kosmologie“ [dt. Übers. von: „The Pseudo-Problem of Creation in Physical Cosmology“], „Theological Misinterpretations of Current Physical Cosmology“).

    2) Löffler behauptet, dass auch Wissenschaft auf Grundannahmen basiere, die ihrerseits nicht überprüfbar seien; ein Beispiel sei das Kausalprinzip. Diese Behauptung ist schlicht falsch. Schon älteren wissenschaftstheoretischen Veröffentlichungen kann man entnehmen, dass das Kausalprinzip eine empirische Aussage macht, die zwar weder direkt verifizierbar noch direkt falsifizierbar, sehr wohl aber auf indirekte Weise überprüfbar ist. Das hat z. B. Wolfgang Stegmüller gezeigt im Abschnitt 7 von Kapitel VII seines Buchs „Probleme und Resultate der Wissenschaftstheorie und Analytischen Philosophie, Band I: Wissenschaftliche Erklärung und Begründung“. Man sollte deshalb besser nicht von einer Grundannahme, sondern von einer Oberhypothese sprechen. Wissenschaftliche Oberhypothesen sind zudem in hohem Maß bestätigt und damit – vermutlich – wahr. Das trifft für das Kausalprinzip zumindest dann zu, wenn man neben deterministischer auch probabilistische Kausalität mit einbezieht. Im Gegensatz dazu ist die für jede Religion konstitutive Oberhypothese „es gibt Übernatürliches“ – vermutlich – falsch. Denn für diese Existenzaussage gibt es nicht den Hauch eines Belegs. Und eine Existenzaussage, für die es keinerlei Beleg gibt und auch keine adäquate Erklärung dafür, warum, zumindest bisher, Belege ausgeblieben sind, sollte man rationalerweise als falsch ansehen. Der Unterschied zwischen Wissenschaft und Religion ist somit einer zwischen Wahrheit und Falschheit.

    3) Man kann natürlich Fragen stellen, auf die die Wissenschaften keine Antworten geben. Das Problem ist nur, dass die von Religionen bereitgestellten Antworten auf diese Fragen nichts taugen. Löffler erwähnt die Frage „nach dem letzten Sinn der Gesamtwirklichkeit“. Die religiösen Antworten darauf unterstellen, dass es einen solchen Sinn überhaupt gibt. Bisher ist es jedoch noch niemandem gelungen, diese Existenzbehauptung auch nur halbwegs plausibel zu machen (worauf Voland zu Recht verweist; s. auch Bernulf Kanitscheider, Entzauberte Welt). Als weitere Fragen führt Löffler an: „Was ist wichtig im Leben?“, „Wo soll man sich engagieren?“. Dabei geht es offenbar um normative Angelegenheiten, etwa um Moral oder Politik. Dass in dieser Hinsicht Religionen Besseres zu bieten hätten als Ethik oder politische Philosophie, ist wohl kaum anzunehmen. Jedenfalls ist eine religiöse Begründung von Moral unhaltbar – was man im Wesentlichen schon seit Platon weiß. Eine kurze Zusammenfassung der zentralen Argumente gegen religiöse Begründungen von Moral findet sich in dem Artikel von David O. Brink: „The Autonomy of Ethics“ (in: Michael Martin [ed.], The Cambridge Companion to Atheism).