Lesermeinung - Spektrum der Wissenschaft

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  • Determinismus – Freier Wille

    30.03.2010, Karl-Heinz Schack, Minden
    Sehr geehrte Damen und Herren,

    hiermit danke ich H. Dr. Hartmut Lemmel für seine Stellungnahme zur Bedeutung der Verantwortung, auch wenn es keinen freien Willen geben sollte. Zusätzlich habe ich den Eindruck, dass die „Beweise“ gegen den freien Willen nicht immer so ganz überzeugend sind.

    Wissenschaftliche Arbeit hat das Ziel Gesetzmäßigkeiten gemäß kausaler Bedingungen festzustellen. Aus einmaligen zufälligen oder zufallsähnlichen Erscheinungen können keine Gesetzmäßigkeiten abgeleitet werden. Dementsprechend sind wissenschaftliche Versuche, die später den Eindruck erwecken, dass es keinen freien Willen gibt so aufgebaut, dass Gesetzmäßigkeiten erkannt werden. Spontane Äußerungen eines freien Willens, treten dabei eher als Ausreißer, oder Messfehler auf ohne die Kausalität grundsätzlich in Frage zu stellen. Aus derartigen Versuchen kann keine Aussage über den freien Willen gemacht werden, weil gerade diese Freiheit außerhalb der kausalen wissenschaftlichen Vorgehensweise liegt.

    Als ein Beweis für den fehlenden freien Willen wurde z.B. angeführt, dass bereits einige Sekundenbruchteile bevor eine Entscheidung bewusst wird, messbare Änderungen der Hirnströme feststellbar sind. Da eine ganze Person aber nicht nur aus dem besteht, was gerade im Bewusstsein abläuft, ist das nicht logisch. Ein Entscheidungsprozess ist mehr als nur ein Nervenimpuls. Einige Prozesse hierzu mögen bewusst sein, andere sind es nicht. Da diese Prozesse mit Nervenimpulsen verbunden sind, kann etwas messbar sein, bevor der Prozess ganz abgeschlossen ist. Dass einzelne Nervenimpulse messbar sind, ohne dass wir uns dessen bewusst sind, ist kein Beweis, dass es den freien Willen nicht gibt.

    Jeder, der vergeblich versucht hat mit dem Rauchen aufzuhören, wir zugeben, dass das mit dem freien Willen nicht so ganz einfach ist. Trotzdem kommt es hin und wieder vor, dass es jemand schafft, mit dem Rauchen aufzuhören. Etwas Freiheit scheint also da zu sein.

    Grundsätzlich ist ein Mensch in der Lage seine Handlungen zu reflektieren, zu planen und über die möglichen Folgen seiner geplanten Handlungen nachzudenken. Auch wenn das Ergebnis dann nicht immer so wird wie gewünscht. Dieses gibt dem einzelnen ein klein wenig Freiheit, die sich nicht mit reinen Kausalzusammenhängen und Untersuchungen von Nervenimpulsen erklären lassen.

    Untersuchungen wie Denkvorgänge funktionieren sind sicherlich sehr wertvoll. Von den dabei gewonnenen Erkenntnissen abzuleiten, dass es außerhalb des untersuchten Bereichs nichts anderes mehr gibt, ist verfehlt.

    Bei genauer wissenschaftlicher Betrachtung, kann ein Physiker durchaus zu dem Schluss kommen, dass kein kausaler Zusammenhang besteht kann, wenn manchmal Leute beim Erklingen von Musik anfangen zu tanzen. Die Energie der Luftschwingungen ist nämlich viel zu gering, um derart große Körper in Bewegung zu setzen. Eine ähnlich eingeschränkte Betrachtungsweise liegt m. E. vor wenn jemand auf Grund wissenschaftlicher Untersuchungen behauptet, dass es keinen freien Willen gibt.

    Möglicherweise ist der freie Wille nicht bei allen Leuten gleich stark ausgeprägt. (Bei wissenschaftlich denkenden Menschen wohl eher schwächer ;-).) Möglicherweise liegt der größte Teil des freien Willens nicht in der Ebene des Bewusstseins, sondern in tieferen Schichten der Persönlichkeit.

    Bevor man jedoch den freien Willen ganz streicht, sollten aber wohl Versuche mit dem Ziel den freien Willen zu finden durchgeführt werden. Dabei sollte es den Teilnehmern ermöglicht werden, eine freie Entscheidung zu treffen. Wenn dann auch nur ein einzelner Teilnehmer tatsächlich eine freie Entscheidung trifft, wäre das z.B. ein Beweis, dass es den freien Willen grundsätzlich gibt ;-).

  • Simpel

    30.03.2010, M. Dolle
    Das sollte Allgemeinwissen sein:

    Licht -> Fotosynthese der Primärproduzenten -> Calvinzyklus -> Zooplankton -> kleiner Fisch -> großer Fisch -> (potenziell) Ich

    Die Belastung der Ozeane durch menschliche Eingriffe in Form von Verschmutzung, Bergbau, Düngung, Überfischung, ja sogar Hormonzufuhr ist ohnehin enorm. Wir sollten uns eindimensionale Eingriffe in ein komplexes System vielleicht einfach mal verkneifen.
  • "Lösung" mit Nebenwirkungen

    30.03.2010, Robert Orso
    Man fragt sich schon, ob manche Wissenschaftler nicht zu spezialisiert sind. Anstatt die Ursachen zu bekämpfen, werden abenteuerliche Notlösungen erdacht.

    Auf die Idee, dass eine erhöhte Ozeanalbedo auch die Fotosyntheserate des Phytoplanktons reduziert, ist wohl noch keiner gekommen. Immerhin ist der gesamte maritime Lebenskreislauf von diesen Kleinstlebewesen abhängig, mit möglicherweise verheerenden Folgen für die Fischpopulation.

    Leider hat diese Art der Problem"lösung" Tradition. Wenn eingeschleppte Tiere die heimische Natur zerstören, setzt man andere eingeschleppte Tiere aus, die Erstere dezimieren sollen, nur um selbst wieder zu einem Problem zu werden.

    Wenn Nutzpflanzen durch Monokulturen anfällig gegen Krankheiten und Schädlinge werden, züchtet man nicht kräftigere Sorten, sondern solche, die gegen die immer giftiger werdenden Pflanzenschutzmittel immun sind.

    Wenn Industrieländer mit der Kohlendioxidreduzierung aus Rücksicht auf "die Wirtschaft" im Rückstand sind, kaufen sie eben Kontingente von armen Ländern oder ändern schlicht die Bewertung zu ihren Gunsten.
  • Schaumschlägerei mit Wirkung

    30.03.2010, Herbert Heyduck
    Der Albedo-Effekt wird wohl nicht der Einzige sein, den Schäume bewirken können. Es sieht so aus, als würden hier nur wirtschaftliche Nebenwirkungen berücksichtigt.
    Ich vermisse einen Hinweis auf eine Prüfung der biologischen Effekte im Artikel.
    Für die Meeresbewohner wird es durch die höhere Reflexion des Sonnenlichtes dunkler.
  • Falsches Erscheinungsdatum

    30.03.2010, Dr. Gilbert Brands, Krummhörn
    Ist Ihnen da ein Beitrag für den 1. April bereits auf den 30. März gerutscht?
  • Wieder eine blöde Idee

    30.03.2010, O. Meckes
    Ich stehe immer wieder fassungslos da und staune, was für einen Schwachsinn sich "Wissenschaftler" ausdenken, um etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen. Immer noch neue Probleme schaffen, statt das eigentliche Problem an der Wurzel zu packen: Energie vergeuden, um Bläschen im Meer zu machen! Dann brauchen wir bald jemand, der das Meer anheizt, um die fehlende Wärmeeinstrahlung der Sonne in die tieferen Meeresschichten auszugleichen usw ...

    Das Schlimmste daran ist, dass solche Wissenschaftler, vor allem wenn von der Energielobby gefördert, dann noch unserer Politik weismachen können, dass das toll ist (siehe Verbringung von Kohlendioxid unter die Erde und Laufzeitverlängerung von AKWs).
  • Titel Ihres Leserbriefes

    30.03.2010, Peter Kohler
    Anfrage: Weshalb schützt Schaum gegen Verdunstung? Da die Oberfläche einer geschäumten Flüssigkeit größer ist, als die einer glatten Flüssigkeit, müsste die Verdunstung doch zuehmen?!
    Antwort der Redaktion:
    Sehr geehrter Herr Kohler,



    Sie haben natürlich recht, dass sich die Oberfläche erhöht. Andererseits sinkt im Schaum auch der absolute Wassergehalt, das heißt, bezogen auf das Volumen enthält der Schaum sehr viel Luft, aber wenig Flüssigkeit: Es kann also auch weniger verdunsten. Zum anderen vergrößert sich zwar die Oberfläche, dafür nimmt die Albedo sehr stark zu, so dass dieser Effekt jenen der Verdunstung überwiegen dürfte - zumal die Schaumschicht nicht nur Millimeter dünn sein würde.


    Wie Seitz aber schon andeutet, ist sein Vorhaben noch sehr theoretischer Natur. Entsprechend große Schaumteppiche lassen sich zumindest momentan noch gar nicht erzeugen - von den Auswirkungen auf die Meeresumwelt ganz abgesehen.



    Daniel Lingenhöhl


    Redaktion spektrumdirekt
  • Titel Ihres Leserbriefes

    30.03.2010, Dr. Georg Stürmer 70176 Stuttgart
    Atrazin ist in Deutschland erst seit 1991 verboten, gleichwohl immer noch wegen seiner langen Verweildauer im Grundwasser in Konzentration oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser nachweisbar. Das Grundwasser kann also nicht als Trinkwasser verwendet werden - allerdings gab es wohl über längere Zeit auch lokale Ausnahmegenehmigungen (http://www.lgrb.uni-freiburg.de/lgrb/download_pool/lgrb_n0302.pdf). Neben den Pflanzenschutzmitteln sind weiterhin problematisch die Ausscheidung von Medikamenten, welche z.T. in den Kläranlagen nur unzureichend abgebaut werden. Infertilität und Feminisierung von Fischen wird vom Östrogeneintrag vorwiegend der "Pille" verursacht, Diclofenac führt zu Nierenschäden vorwiegend bei kleineren Tieren...die haben aber nicht die Möglichkeit der Dialyse...!
  • Aber auch Plato!

    29.03.2010, Rüdiger Jung, F-57100 Thionville
    Ja Herodot, aber auch Plato: "Kritias", Randziffer 108e, wo von Schlammmassen vor den Säulen des Herakles die Rede ist!
  • Das gibt es auch in Deutschland

    24.03.2010, C. Kaspar
    Wer sich mit der Reinigung von Abwässern und ebenfalls mit der Aufbereitung von Trinkwasser beschäftigt, muss nicht erst in die Ferne schweifen, um solare Technologien zu finden. In der Nähe von Hannover wird das schon seit Jahren praktiziert. Unter www.rsd-solar.de findet man eine kleine Firma, die eine entsprechende Technik entwickelt hat, die schon mehrfach eingesetzt wurde.
  • Die Katze auf dem heißen Frittendach

    23.03.2010, Michael Redmann, Freiburg
    Klingt doch super: 80 Prozent Temperaturerhöhung des kalten Winterdachs. Ob die Katze da heiße Pfoten bekommt? Wohl kaum, denn wahrscheinlich ist es nur eine Erhöhung von zehn auf achtzehn Grad. Die absolute Temperatur würde in diesem Beispiel also nur um magere 2,8 Prozent steigen. Ich will sagen: Vorsicht bei Relativangaben, wenn keine absoluten Skalen benutzt werden.
  • Spektrum im Wandel der Zeiten

    22.03.2010, Klaus Nökel, 76137 Karlsruhe
    Sie kennen das gängige Cliché über Klassentreffen: vom morgendlichen Blick in den Spiegel vertraut mit dem eigenen Aussehen stellt man im Nu fest, dass sich seit dem Abitur nur die anderen verändert haben. Ähnlich ging es mir, als ich vor ein paar Tagen einige Spektrum der Wissenschaft-Hefte aus den 1980ern zur Hand nahm und mich prompt festlas. Natürlich hatte ich über die Jahre den Wandel der Zeitschrift verfolgt, doch nun traf mich die Summe der Veränderungen mit voller Wucht.

    Damals wie heute beruht das Erfolgsrezept auf den von den primären Wissenschaftlern geschriebenen Hauptartikeln. Doch ist die Auszehrung des Standards über die Jahre unübersehbar. Damals brachten Sie in jedem Heft acht Artikel von üblicherweise je zehn Seiten. In diesem Format gelingt es noch, ein Thema für den Fachfremden aufzubereiten und trotzdem in sorgfältiger, präziser Sprache in die Tiefe der Materie einzutauchen. Im Mai 1987 waren die Artikel über Legasthenie, Polio-Virus und Schizophrenie solche Beispiele, im Juli 1987 diejenigen über Glucose und Altern, Detonationen, Symbiose in der Tiefsee und Optimierungsverfahren. Heute ist diese Tiefe allein schon (aber nicht nur) wegen der Kürze der Artikel gar nicht mehr erreichbar. Nehmen wir das Titelthema vom März 2010 (Geschwister der Sonne). Die 8 statt 10 Seiten Länge klingen nicht allzu dramatisch, doch sehen wir uns die Seiten näher an. Die erste und die halbe zweite Seite werden komplett an ein farbenprächtiges, ansonsten inhaltsleeres Bild verschwendet. Die Seiten 3-6 des Artikels werden zur Hälfte von einer ebenfalls nicht sehr inhaltsreichen, zudem redundanten Abbildung eingenommen, nur die auf den Seiten 7+8 sind hilfreicher. Der zweispaltige Druck tut ein Übriges, so dass am Ende kümmerliche drei bis vier Seiten "Nutzlast" verbleiben. Immerhin stammt der Artikel nach wie vor aus der Feder eines direkt in der Forschung tätigen Wissenschaftlers, werden diese "primären" Artikel doch zunehmend von sehr journalistisch aufgemachten Überblicksartikeln verdrängt, in denen Anekdotenhaftes an die Stelle inhaltlicher Tiefe tritt. Ähnliches bei den Abbildungen: Natürlich waren sie damals so schlicht, dass sie heute als unzeitgemäß empfunden würden. Aber könnte man nicht auch mit moderner medialer Technik ebenso aufs Wesentliche fokussierte, den Text ergänzende und nicht einfach wiederholende Darstellungen produzieren? Zu oft ist der Aussagegehalt der heutigen Illustrationen bei opulenter Grafik dünn (oder einfach Dekoration), zudem redundant, mehr Infotainment als Information.

    Ich werde mein Abonnement trotzdem nicht kündigen, finde es aber schon betrüblich genug, dass dies zunehmend aus nostalgischer Anhänglichkeit geschieht, denn die Euphorie, mit der ich es nach dem Lesen der ersten Hefte 1979 abschloss, hat sich gelegt. Damals bot SdW mir Nachrichten aus der Wissenschaft auf einem Niveau, das Bild der Wissenschaft oder P.M. nie erreichten. Heute finde ich so etwas nur noch im "neuen" Schwesterblatt Sterne und Weltraum (dem das SdW-Schicksal erspart bleiben möge) oder, wenn wir uns auf "universelle" Zeitschriften beschränken, bei American Scientist.

    Warum eigentlich? Zu gerne wüsste ich mehr über den Hintergrund der Veränderungen - vielleicht kann ich dann meinen Frieden mit ihnen finden. Wie viel ist dem reinen Kostendruck geschuldet? Erklärt schon dass die schlecht kaschierte Reduktion des Heftumfangs, will man nicht sensible Signalpreise mit dem Heftpreis überschreiten? Wie viel geht auf einen (wirklichen oder nur von Ihnen vermuteten) Geschmackswandel in Ihrer Leserschaft zurück? Glauben Sie, dass Sie im Kampf um immer weniger Lesebereite nur noch mit leicht verdaulichen Infohäppchen überleben können? Das könnte in eine gefährliche Abwärtsspirale führen. Womöglich gibt es einerseits unter Ihren treuen Lesern noch mehr wie mich, andererseits tendiert die Zahlungsbereitschaft gegen Null, wenn das Niveau die kostenlosen Massenangebote im Internet erreicht. Oder liegt das Problem am Ende auf der Angebotsseite? Ist im heutigen Wissenschaftsbetrieb einfach keine Zeit und Energie mehr für das Verfassen eines guten populärwissenschaftlichen Artikels, so dass Sie keine mehr angeboten bekommen, selbst wenn Sie welche drucken wollten?

    Ich wäre Ihnen für einige offene Antworten auf meine Fragen sehr dankbar.

    Beste Grüße
    Klaus Nökel
  • Im Zweifel für den Angeklagten

    22.03.2010, Dr. Kurt Schütz
    Im Zweifelsfall für den Angeklagten: Dieses wichtige Prinzip unserer Justiz scheint Ihr Autor im Fall Claudia Pechstein vergessen zu haben. Wie wäre sonst der abschließende Satz seines Berichtes, ob sie nicht doch ein wenig mitgeholfen habe, bliebe dahingestellt, erklärbar?
    Ich finde es beschämend, Menschen ohne ausreichende Beweise anzuschwärzen.

    Dr. Kurt Schütz, Himberg bei Wien
  • Mangelnde Vorstellungskraft

    20.03.2010, Gerhard Höberth
    Hier wird das Manko der modernen Wissenschaft deutlich. Da muss man den Vögeln erst die Federn abkleben, damit man auf dieses Ergebnis kommt? Und die Natur verwendet, was da ist. Wenn also Federn da sind, die dem Partner gefallen könnten und die noch dazu in Höhlen an Felswände anstoßen - und man braucht wirklich nicht viel Vorstellungskraft, um zu wissen, dass das von den Vögeln nicht unbemerkt geschieht -, dann wird das eben für die Partnerwahl und die Orientierung verwendet.

    Es tut mir echt leid, ich bin zwar ein großer Fan der Wissenschaft, aber mit dieser mangelnden Vorstellungskraft verursachen Wissenschaftler viel unnötiges Leid (vielleicht nicht in diesem Fall, aber in anderen Fällen sehr wohl). Ein bisschen weniger subjektblinder Objektivismus täte unserer Wissenschaft manchmal ganz gut.
  • Schlecht informiert

    19.03.2010, Marcel Hänggi, Zürich
    Konrad Kleinknecht zeigt sich in seinem Kommentar zur internationalen Klimapolitik in ärgerlicher Weise schlecht informiert. Die USA, China und Indien hätten das Kioto-Protokoll nicht unterschrieben: Das ist falsch. Die USA haben "Kioto" nicht ratifiziert (aber unterschrieben), China und Indien haben ratifiziert. Auch dass es in Kopenhagen darum gegangen sei, "eine Nachfolgeregelung für das Kioto-Protokoll zu finden", ist nicht korrekt: Es war gerade ein zentraler Streitpunkt, ob das Kioto-Protokoll durch ein neues Abkommen abgelöst oder fortgesetzt werden soll.

    Schließlich schreibt Kleinknecht, eine globale Zuteilung von Emissionsrechten nach dem Pro-Kopf-Prinzip, wie es der WBGU vorschlägt, würde Deutschland benachteiligen, da dieses seine emissionsintensiv produzierten Güter exportiere. Auch das ist falsch: Nach der bisher umfassendsten Studie zum Thema (Hertwich/Peters 2009) importiert Deutschland mehr Grauemissionen, als es exportiert; es stünde also bei einer Pro-Kopf-Zuteilung "zu gut" da. Freilich wäre das in einem wirklich globalen und funktionierenden Emissionshandelssystem irrelevant, da die Kosten der Emissionszertifikate letztlich via die Produktepreise bei den Konsumenten ankämen - egal, in welchem Land sie produziert wurden.

    Dass weder Deutschland noch die EU "im Alleingang die Welt retten" können, ist so richtig wie trivial und entbindet in keiner Weise von der Pflicht zu handeln.