Berlin Mitte, irgendwann in naher Zukunft. Viel Grün, viel gute Luft und gepflasterte Sträßchen mit sorglos spielenden Kindern - vor allem aber eine Stille, die nur vom gelegentlichen Klingeln einer Fahrradglocke unterbrochen wird. So wahrhaft idyllisch könnte es im Innern unserer Ballungszentren zugehen, gäbe es da nicht ein Virus, das sich seit 50 Jahren in den Köpfen der Menschen einnistet. Ohne Rücksicht auf eigene Verluste sorgen die Infizierten für seine Vermehrung. Längst hat es sich breit gemacht in den Innenstädten, die in Asphaltwüsten und dem Lärm und dem Gestank der Millionen Auspuffe zu ersticken drohen, und ein Ende ist nicht absehbar: Die Rede ist natürlich vom Auto. Der Rückgriff auf medizinisches Vokabular liefert den einzig angemessen Vergleich für das Verhältnis von Mensch und Auto, findet jedenfalls Hermann Knoflacher, Verkehrsexperte von der TU Wien. "Das Virus Auto hat in den letzten 50 Jahren unseren Verhaltenskodex, unser Wertesystem und die Wahrnehmung total umkehrt." Jeder kenne die Konsequenzen des überbordenden Verkehrs, doch kaum einer hinterfrage ernsthaft dessen Berechtigung. Nur hin und wieder regt sich Widerstand. Zwar werden Landbewohner auf absehbare Zeit nicht ohne eigenes Fahrzeug auskommen. Aber ließen sich nicht wenigstens unsere Städte von den lärmenden, raumgreifenden und gesundheitsschädlichen Ungetümen befreien? Knoflacher und Mitstreiter suchen nach Alternativen, die die gleiche Mobilität, die gleiche Bequemlichkeit bieten - und...