Teilchenbeschleuniger
Experimentieren am Limit
Den weltgrößten Teilchenbeschleuniger kann man nicht einfach einschalten. Angesichts der Komplexität des Large Hadron Collider ist es umso erstaunlicher, dass die Riesenmaschine schon jetzt Ergebnisse liefert.
Pannen vor der Generalprobe gab es viele. Einige waren richtiggehend skurril: So sorgte ein Stückchen Brot, das vermutlich ein Vogel fallen gelassen hatte, einmal für einen Kurzschluss in einem Stromverteiler. Ein anderes Mal ging etwas schief, als ein Teil des sonst in ultrakaltem Zustand betriebenen Beschleunigerrings aufgewärmt wurde: Einige Metallfinger, die einen sauberen elektrischen Übergang zwischen den luftleer gepumpten Röhren garantieren, in denen mittlerweile die Protonen fliegen, bogen sich plötzlich mehrere Zentimeter in die Kammern hinein – sie hätten die beschleunigten Teilchen unverzüglich aus der Bahn geworfen. Ganz zu schweigen von


Gerhard Samulat ist Diplomphysiker.
Er arbeitet als freier Wissenschaftsjournalist
in Wiesbaden.
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1. Sparsames Nichttun ...
10.09.2010, Prof. Dr. Karsten Löhr, Darmstadt/Paris2. Gut geschrieben, doch einige Anmerkungen müssen sein
21.10.2010, Dr.-Ing. Dietrich May, GengenbachDer Autor schreibt: "Weil der Kontakt einen gut 1000fach zu hohen elektrischen Widerstand aufwies, stieg im Sektor 3-4 die Stromstärke zwischen dem Ablenkmagneten und einem Fokussiermagneten unerwartet auf fast 9000 Ampere." Es ist eine bemerkenswert neue physikalische Erfahrung, dass das passive Bauelement Widerstand aktiv auf die Quelle einwirkt und den Strom erhöht. Richtig ist (siehe CERN Document EDS 973073), dass der Strom mit 10 A/s bis auf 8,7 kA hochgefahren wurde, als an einer Stelle die Supraleitung aussetzte. Dabei entstand eine Spannung von 300 mV, die bis auf ein Volt anstieg und somit den weiteren Stromanstieg verhinderte. Die Stromquelle wurde daraufhin kontrolliert heruntergefahren.
"Binnen weniger als eine Sekunde entflammte dort ein Lichtbogen und brannte blitzschnell ein Loch in die Helium-Ummantelung". Diese Behauptung bedürfte einer näheren physikalischen Begründung. Im Strahlrohr herrscht ein Ultrahochvakuum von 10-13 bar, im Isoliervakuum der Magnete eines von ca. 10-11 bar. Jedoch ist bei diesen Vakua die Teilchendichte so gering, dass bei den geringen Spannungen kein Lichtbogen entstehen kann. Selbst wenn man elektrische Feldüberhöhungen durch Spitzen und Kanten berücksichtigt, reicht die entstehende Spannung nicht aus, einen Lichtbogen zu zünden. Zum Vergleich: die Durchschlagspannung bei Luft unter Atmosphärenbedingungen und einem Zentimeter Elektrodenabstand beträgt 28 kV.
Allerdings verringert sich die Durchschlagsspannung dramatisch, sobald Helium geringer Dichte als Folge einer Leckage vorhanden ist – dafür habe ich bei CERN jedoch keine Belege gefunden. Für die Durchschlagspannung ursächlich dürfte wohl die Induktionsspannung beim Abschalten des Stromes sein.
Nach meinen Informationen aus dem CERN liegt die Ursache des Quenches in der Verbindung zweier Magnetspulen. Es gilt hier, zwei Kabel aus je 36 verdrillten Adern, die selbst wiederum aus 6000 bis 9000 Fasern à 7 Mikrometer Durchmesser bestehen, niederohmig zu verbinden. Der Übergangswiderstand sollte nominal drei Nanoohm sein.
Aus dem CERN habe ich eine Bilddatei erhalten, die für ein Dipolelement eine Masse von 35 Tonnen (statt der im Artikel erwähnten 22) ausweist.
Ökonomisch abwegig ist die Behauptung, "die Reparaturen haben sogar Geld gespart". Den Betriebskosten stehen üblicherweise Leistungen (in Form von wissenschaftlichen Ergebnissen) gegenüber, die Reparaturen sind aber per Saldo zusätzliche Ausgaben. Für die jetzt nicht durchgeführten Experimente braucht man das Geld eben später.
Zum Interview S. 39:
Sachlich korrekt wäre es, den Konjunktivus potentialis im allerletzten Satz durch ein Fragezeichen in der Überschrift auszudrücken. So entsteht eine sinnentstellende Aussageform.
3. Mit einer Fläche eine Datenmenge beschreiben?
28.10.2010, Reiner Großmann, Backnang