Vollmond
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Wenn die Tage wieder länger werden, die Temperaturen allmählich steigen und die ersten Pflanzen blühen, beginnt im Tierreich die Paarungszeit. Um Teiche und Tümpel quaken nachts unzählige Frösche – die männlichen Lurche rufen nach geschlechtsreifen Weibchen. Wird es Vollmond, versammeln sich Scharen vieler Amphibienarten wie verabredet, um sich zu vermehren.

Bislang war dieses Phänomen nur von Meerestieren bekannt, beispielsweise von bestimmten Fischen, Meeresringelwürmern oder Wasserschnecken, Krebsen und Korallen. "Den Tieren kann jedoch weder ein Sinn für Romantik nachgesagt werden noch sind sie mondsüchtig", betont Enrique Arboleda, Meeresbiologe bei den Max F. Perutz Laboratories der Universität Wien. Die auf den Vollmond abgestimmte Paarung der Lebewesen sei notwendig, um ihre Art zu erhalten.

Gemeinsam ist diesen Tieren, dass sie im Wasser laichen – die Besamung der Eier findet also außerhalb des Körpers statt. Das bedeutet, dass die Fortpflanzung nur dann erfolgreich ist, wenn die Spermien und Eizellen gleichzeitig im Wasser schwimmen. Denn im Wasser ist der Laicherfolg nicht nur durch Fressfeinde erschwert, sondern auch durch die Strömung. "Hinzu kommt, dass die Eier und Spermien in den großen Wassermengen des Meeres sehr schnell stark verdünnt werden", schildert der Meeresbiologe.

Viele Arten behelfen sich deshalb mit den regelmäßigen, monatlichen Änderungen des Mondlichts. Dabei steuert die nächtliche Helligkeit des Erdtrabanten die Reifungszeit der Wassertiere. Folglich wird eine große Anzahl an Männchen und Weibchen zeitgleich paarungsfähig. "Dadurch kann ein synchrones Massenlaichen erfolgen, so dass ausreichend Keimzellen zur gleichen Zeit zusammentreffen", erläutert Arboleda.

Der Vollmond beeinflusst die Tiere jedoch nur indirekt. "Bei Vollmond gibt es rund um die Uhr Licht, was in anderen Mondphasen nicht der Fall ist", sagt Arboleda. Das Licht sei zwar schwächer als das Tageslicht der Sonne, aber das 24 Stunden anhaltende Licht wirke auf die innere Uhr der Lebewesen und damit auch auf den Reifezyklus der Keimzellen. Darüber hinaus spielen die Wassertemperatur und der pH-Wert eine Rolle beim perfekten Timing der Paarung.

Lichtempfindliche Zellen, so genannte Fotorezeptorzellen, nehmen die nächtlichen Helligkeitsunterschiede wahr und leiten die Informationen an das Gehirn weiter. Es kann sich dabei um einfache Zellen, komplexe Augen oder um lichtempfindliche Nervenzellen handeln. Welche Zellen das Licht registrieren, unterscheidet sich von Art zu Art. Die Lichtreize lösen im Nervensystem eine Kette chemischer Reaktionen aus. "In der Regel steuert das Gehirn dementsprechend die Hormonausschüttung und damit die Reifung der Keimzellen sowie das Paarungsverhalten der Wasserlebewesen", erklärt Arboleda.

Oft wird dem weiblichen Zyklus und dem Paarungsverhalten der Menschen nachgesagt, ebenfalls dem Rhythmus des Monds folgen. Doch die Wissenschaft konnte bislang keinen derartigen Zusammenhang feststellen. Im Gegensatz zu den Tieren kommen Menschen also noch in den Genuss echter Romantik.