Die Kinder- und Jugend­psychologin Inge Kamp-Becker von der Universität Marburg warnt davor, das Etikett "Autismus" allzu freigiebig zu verteilen. Es handle sich um eine erblich bedingte Hirnentwicklungsstörung. Besonders auf Kinder, die nur in sich gekehrt oder sonst wie eigen erscheinen, treffe die Diagnose oft nicht zu. Sie als krank zu etikettieren, fördere eine Schonhaltung, die ihrer weiteren Entwicklung schade.

Frau Dr. Kamp-Becker, warum steigen die Autismuszahlen seit Jahren an?
Die Zunahme betrifft in erster Linie die Gruppe der "nicht näher bezeichneten" autistischen Störungen – darunter fallen solche, die nicht alle Kennzeichen der Störung in vollem Umfang erfüllen. Vor allem das Kriterium der durchgängigen, seit früher Kindheit an bestehenden Beeinträchtigungen wurde immer mehr aufgeweicht. Die Diagnose "hochfunktioneller Autismus" ist auf dem besten Weg, eine Modediagnose zu werden, wie das beim Burnout schon der Fall ist …