Die Vernissage ist ein voller Erfolg: Schnell füllt sich die Galerie mit Kunstinteressierten. Kleine Gruppen von Menschen fachsimpeln über die Exponate oder halten Smalltalk. Zwischen den Besuchern schlängeln sich Studentinnen mit Tabletts voller Häppchen durch. Hier lässt sich jemand über die Ausstellung aus, dort berichtet ein anderer von seiner letzten Reise. Der Raum ist erfüllt von Stimmengemurmel, Gesprächsfetzen, klappernden Schuhen und klirrenden Gläsern. Und doch dreht die junge Frau, die mit ihrer Freundin plaudernd durch die Ausstellung geht, sofort den Kopf, als einer ihrer Bekannten ihren Namen ruft. Wenig später ist sie auch schon in ein neues Gespräch vertieft – gerade so, als sei der Klangteppich im Hintergrund für sie gar nicht existent.
Nichts Besonderes, meinen Sie? Das kenne doch jeder – sei es vom Betriebsjubiläum des Kollegen letztens oder dem Sektempfang nach der Trauung der besten Freundin? Stimmt! Doch auch wenn es uns nicht bewusst ist, vollbringt unser Gehirn bei Empfängen, Partys oder bei einem Gespräch im voll besetzten Restaurant eine wahre Meisterleistung: Es filtert die ­jeweils relevanten Informationen aus dem allgemeinen Geplapper heraus.
Vom Cocktailparty-Phänomen sprach daher der britische Kognitionswissenschaftler Colin Cherry (1914-1979) vom Imperial College in London, der 1953 als erster Wissenschaftler das Hören unter derartigen akustischen Extrem­bedingungen erforschte …