"Du kannst dir danach gern die Haare waschen", sagt Elisa Holz und platziert eine glibberige Paste in die Löcher der Haube auf meinem Kopf. Durch diese hindurch werden Elektroden mit meiner Kopfhaut verbunden, um Hirnströme zu messen. "Setz dich ganz ent­spannt hin", sagt Loïc Botrel und widmet sich dann dem Computer. Er ist für die Programmierung zuständig. Holz und Botrel sind Dokto­randen am Lehrstuhl für Psychologie der Universität Würzburg und echte Routiniers. Sie haben das "Brain Painting" bereits an vielen Probanden getestet und weiterentwickelt. Ich dagegen bin blutiger Anfänger. Wie soll ich allein "kraft meiner Gedanken" ein Bild malen?
Neben mir steht ein Verstärker, der meine schwachen Hirnströme im Elektroenzephalogramm (EEG) sichtbar machen wird. Vor mir zwei Bildschirme: Ein Laptop steuert das System, ein weiterer Monitor dient als Leinwand. An der Wand hängen, offenbar wie zur Inspiration, einige fertige Bilder. Eine gelähmte Probandin hat einen Sonnenuntergang und ein Segelboot dargestellt. "Dazu gibt es ein Pendant aus der Zeit, als sie noch mit der Hand malen konnte", erklärt Andrea Kübler. Seit rund 15 Jahren tüftelt die Würzburger Psychologie­professorin an Hirn-Computer-Schnittstellen, den so genannten Brain-Computer-Interfaces (BCIs). "Brain Painting ist natürlich vor allem toll für Patienten, die schon im gesunden Zustand gemalt haben. Die können sich da wirklich künstlerisch ausdrücken."
BCIs stellen eine direkte Verbindung zwischen Kopf und Computer her …