Ein so komplexes System wie das globale Klima lässt sich nur schwer prognos­tizieren, doch dass die industrielle Weltwirtschaft mit ihren Emissionen zur Erd­erwärmung beiträgt, ist unter Experten kaum noch strittig. Bleibt nur die Frage, wie einschneidend die Folgen des anthropogenen Klimawandels sein werden. Die so ­genannten Klimaskeptiker unterstellen den Warnern panischen Alarmismus; sie plädieren für Abwarten und vermuten gelegentlich, ein bisschen höhere Temperaturen könnten der Wirtschaft sogar ganz guttun.

Dem widerspricht nun eine aufwändige Modellrechnung der Ökosystem- und Wirtschaftsforscher Marshall Burke, Solomon M. Hsiang und Edward Miguel von der Stanford University und der University of California in Berkeley. Das Trio ging der Frage nach, wie sich ein Anstieg der Temperatur auf die Wirtschaftsleistung auswirkt – zunächst lokal in den wohlhabenden Industrieländern der gemäßigten Zonen beziehungsweise in den wärmeren Entwicklungsländern und schließlich im globalen Mittel.

Dem Modell zufolge ist die Produktivität generell optimal, wenn die jährliche Durchschnittstemperatur rund 13 Grad beträgt; bei höheren Werten fällt die Wirtschaftsleistung überraschend deutlich ab. Da fast alle ökonomisch schwachen Länder in warmen Regionen liegen, beeinträchtigt dort eine zusätzliche Erwärmung die Wirtschaft besonders stark, während die von Natur aus angenehm laue Arbeitsumwelt der reichen Industrienationen ein paar Grad mehr wesentlich besser verkraftet. …