Die Wolken hängen tief. Gelegentlich peitscht eine Windböe Regentropfen gegen die Windschutzscheibe, ein paar Graupelkörner sind dabei. Anfang März ringt der Frühling im hannoverschen Land noch mit dem Winter. Emil Schreiber, Doktorand am Albert-Einstein-Institut, biegt mit dem kleinen blauen Dienstbus kurz vor dem Dorf Ruthe rund 20 Kilometer südlich von Hannover von der Allee in einen Feldweg ein.

Das Eisengatter, das auf das Forschungsgelände mit dem Gravitationswellendetektor GEO600 führt und das Schreiber nun öffnet, liegt ein wenig versteckt zwischen verwildertem Gebüsch. An Tagen der offenen Tür empfängt hier ein Konterfei von Albert Einstein in Lebensgröße die Besucher. Heute jedoch hat es sich die Pappstatue drinnen gemütlich gemacht und blickt dort den Wissenschaftlern bei ihrer Arbeit über die Schulter.

Bis zu den Containerbauten, in denen sich Büro- und Laborräume befinden, sind es noch 600 Meter. Links säumt eine Apfelbaumplantage den schmalen Weg. "Rechts in dem Straßengraben verläuft eine der beiden Messstrecken unseres Gravitationswellendetektors", erklärt Schreiber. Das Wellblechrohr ist kaum zu erkennen. Man sieht ihm die Jahre schon etwas an. Der Witterung hält es tapfer stand, doch hier und da wuchert das Gras darüber.

In den Arbeitsräumen schlägt einem kreatives Chaos entgegen. Monitore summen. Emil Schreiber holt eine Messkurve auf den Bildschirm. "Hier sieht man die Erschütterung, die wir gerade eben verursacht haben, als wir mit dem Auto den kleinen Weg entlang gefahren sind", erläutert er. Eigentlich ist dieses Experiment aber kein Frühwarnsystem für näherkommende Besucher, sondern die Wissenschaftler lauschen damit nach Gravitationswellen aus den Tiefen des Weltalls.