Je älter der Vater, desto mehr typische Nerd-Eigenschaften zeigen Söhne mit zwölf Jahren. Das berichten britische Forscher jetzt in der Fachzeitschrift "Translational Psychiatry". Das Team um Magdalena Janecka vom King’s College in London hatte Daten von Zwillingen aus mehr als 4000 britischen Familien analysiert, die aus einer repräsentativen nationalen Studie zur Kindesentwicklung stammten.

Die Nerdiness der Zwölfjährigen bestimmten die Wissenschaftler, indem sie bei ihnen drei Merkmale erhoben: nonverbale Intelligenz, Fokus auf Spezialinteressen und die Neigung, sich gegenüber Mitmenschen spröde und distanziert zu verhalten. Der resultierende Geek-Index (der englische "Geek" entspricht hier in etwa dem deutschen "Nerd") lag bei Kindern mit zunehmendem Alter der Väter höher, während das Alter der Mütter keine Rolle spielte. Dieser Effekt war zwar im Schnitt über alle Kinder nachweisbar, doch bei den Söhnen deutlich ausgeprägter. Fünf Jahre mehr auf dem Buckel der Väter verschafften den Söhnen im Schnitt 1,5 Geek-Punkte mehr.

Waren die Väter bei der Geburt beispielsweise jünger als 35 Jahre, lag der Wert beim Nachwuchs im Schnitt bei zirka 40; hatten die Männer hingegen die 50 überschritten, stieg er auf 46. In diesem Fall hatten die Kinder mit 16 Jahren auch häufiger Bestnoten in naturwissenschaftlich-mathematisch-technischen Disziplinen. Je nerdiger die Zwölfjährigen, desto mehr dieser Fächer hatten sie belegt und desto besser ihre Noten darin.

Eine andere Studie hatte kürzlich vermeldet, dass die Kinder älterer Mütter klüger sind, dieser Effekt aber allein auf Faktoren wie höheres Bildungsniveau und Einkommen gründe. Der nerdige Nachwuchs lässt sich auf diese Weise jedoch nicht erklären: Wenn man den sozioökonomischen Status der Väter konstant hält, punkten die Söhne unvermindert auf dem Geek-Index.

"Der Geek-Index ist zu rund 57 Prozent erblich bedingt"

Auch "Ausreißer" auszuschließen – also Jungs mit maximalem Nerd-Faktor – änderte nichts. Vielmehr spielten offenbar die Gene eine entscheidende Rolle: "Der Geek-Index ist zu rund 57 Prozent erblich bedingt", stellten Janecka und Kollegen fest, indem sie eineiige und zweieiige Zwillinge verglichen. Und erstaunlicherweise trugen die Gene umso mehr zur Nerdiness des Sohnemanns bei, je älter der Vater war. Wie die Forscher erläutern, bedarf eine späte Elternschaft aus evolutionärer Sicht einer gewissen Fitness, um hinreichend lange zu überleben und sich fortzupflanzen.

Allerdings liegt auch das Risiko, Autismus zu entwickeln, bei den Kindern älterer Väter höher. Könnten hier dieselben Mechanismen am Werk sein, nur in unterschiedlicher Dosis? Autismus sei zwar eine komplexe Entwicklungsstörung und etwas ganz und gar anderes, als ein Nerd zu sein, erinnern die Autoren, doch einige Facetten überlappen sich. So verfügen Autisten vermehrt über besondere Talente wie ein exzellentes Gedächtnis, zugleich aber geringe soziale Fertigkeiten, sie verbringen viel Zeit mit ausgesuchten Interessen und sind wenig an anderen Menschen interessiert. Auch finden sich in Berufsgruppen wie der des Ingenieurs häufiger Menschen mit autistischen Zügen.

Nerds begeistern sich für ähnliche, oft karriereträchtige Disziplinen, glauben die Forscher. Die vorliegenden Daten gäben jedoch noch keinen Aufschluss darüber, ob das reservierte Sozialverhalten im späteren Berufsleben einer Karriere nicht doch im Wege stehe.