Die stärkste Dürre seit 1200 Jahren hielt Kalifornien in den letzten Monaten im eisernen Griff. Nun brachte ein Wetterphänomen dem US-Bundesstaat zumindest regional etwas Erleichterung: Der so genannte "Ananasexpress" schaufelte mehrere Tage lang kontinuierlich feuchte Luft vom Pazifik an die nordamerikanische Westküste und sorgte für ergiebige Regen- und Schneefälle. Verursacht wird dieser atmosphärische Fluss – so die korrekte meteorologische Bezeichnung – durch einen besonders starken Zweig des Jetstreams, der sich über dem Pazifik etwa in Höhe der Hawaii-Inseln ausbildet und Richtung Nordamerika bläst. Dabei führt er beständig milde und vor allem feuchte Luftmassen heran, die sich dann entlang der Küstengebirge und der Sierra Nevada Kaliforniens aufstauen und abregnen beziehungsweise -schneien. Insgesamt kann ein ausgeprägter atmosphärischer Fluss 15 Mal mehr Wasser mit sich führen als der Mississippi.

Um die Dimensionen zu veranschaulichen: Allein die beiden größten Reservoirs Kaliforniens sollten mindestens 630 Millionen Kubikmeter Wasser durch die Tiefs erhalten. Das allein reicht noch nicht aus, um die schwere Trockenheit zu beenden, die seit drei Jahren anhält, doch lindert sie die Folgen zumindest etwas. Da die Stürme jedoch auf ausgetrocknete Böden trafen, die anfänglich prinzipiell sehr wenig Wasser aufnehmen können, gingen damit jedoch auch zahlreiche Erdrutsche, Schlammlawinen und lokale Überflutungen einher. Der Name "Ananasexpress" leitet sich vom Entstehungsort der Unwetter ab: Sie beginnen meist bei den Hawaii-Inseln, auf denen die Frucht in großem Stil angebaut und exportiert wird. Er trifft regelmäßig die Westküste Nordamerikas, das Phänomen tritt jedoch auch an anderen Westküsten der Kontinente auf und sucht etwa Großbritannien gelegentlich heim.