Natürlich ist Pluto wegen seiner Lage am Rand des Sonnensystems ein eisiger Himmelskörper – und doch ist er auch für Astronomen immer wieder überraschend dynamisch. Neben strömenden Gletschern und Eisvulkanen scheint es dort riesige Eispyramiden zu geben, wie Jeffrey Moore von der NASA und sein Team in "Icarus" erläutern. Die Wissenschaftler hatten Bilder der von rippenartigen Oberflächenformen geprägten äquatorialen Hochebene Tartarus Dorsa analysiert, die von der Sonde "New Horizons" während ihres Vorbeiflugs aufgenommen worden waren. Ein Teil des Gebiets sah aus wie von Flecken übersät.

Bei genauerer Betrachtung entpuppten sich diese "Pockennarben" als riesige, eng aneinanderstehende Eiskanten, die an irdischen Büßerschnee erinnern. Diese kleinen Türmchen aus Eis und Schnee entstehen auf der Erde vornehmlich in trockenen Hochgebirgen, wenn Sublimation vorhandene Eisfelder nicht flächig abtaut, sondern scharfkantige Zacken und tiefe Tälchen dazwischen herausmodelliert. Ein ähnlicher Prozess tritt offensichtlich auf Pluto auf, wo das Eis allerdings nicht aus Wasser, sondern aus Methan besteht. Im Gegensatz zu unserem Planeten könnte sich dieser Prozess auf Pluto jedoch über mehrere Millionen Jahre hinziehen – so lange dauern dort Klimaänderungen an, schreiben die Forscher.

Während der Kaltzeiten gefriert das Methan und schlägt sich als Eis auf dem Untergrund nieder. Wenn sich der Zwergplanet dann leicht erwärmt, setzt die Sublimation ein: Das Eis geht direkt aus dem festen in den gasförmigen Zustand über. Das alles geschieht in einer eng begrenzten Zone am Äquator von Pluto, die mehr als zwei Kilometer in die Höhe ragt. Hier dürfte die noch einfallende Sonnenstrahlung am stärksten sein und den Sublimationsprozess einleiten.