Im Südsommer 2016 wurde offenbar, dass sich ein riesiger Spalt im Larsen-C-Schelfeis auf der Ostseite der Antarktischen Halbinsel beschleunigt ausweitet: Die Kluft ist über weite Strecken 100 Meter breit, 500 Meter tief und reicht bis an die Basis des Schelfeises – und sie kommt offensichtlich nicht zur Ruhe. Satellitendaten belegen, dass sie seit Jahresbeginn um weitere zehn Kilometer länger geworden ist. Mittlerweile fehlen nur noch 20 Kilometer, bis der Bruch das offene Meer erreicht und das Eis endgültig teilt. Es entstünde ein Eisberg, der mehr als doppelt so groß wie das Saarland wäre. Es würde sich dann um einen der größten Eisberge handeln, die weltweit bislang registriert worden wären, so der British Antarctic Survey. Das Schelfeis würde damit ein Zehntel seiner Fläche verlieren. Insgesamt ist der Riss nun 175 Kilometer lang.

Auch wenn sich der Spalt beschleunigt ausbreitet, sei dennoch unklar, wann sich der Koloss vom Schelfeis löst, sagte Adrian Luckman von der Swanseas University gegenüber der "BBC". Für das verbleibende Eispaket hätte dieser Bruch mittelfristig fatale Konsequenzen: Simulationen zeigen, dass anschließend der große Rest beschleunigt zerfallen könnte. Dies war bereits beim Larsen-B-Schelfeis der Fall, das sich 2002 innerhalb weniger Wochen in Einzelteile aufgelöst hatte, die anschließend auf das offene Meer trieben. Allerdings habe der Riss in Larsen-C inzwischen weicheres Eis erreicht, was seine Ausweitung verlangsamen sollte, meint Luckman. Er selbst erwarte jedoch in den nächsten Wochen und Monaten größere Ereignisse im Eis.

Der Zerfall derart großer Schelfeisgebiete hat auch Folgen für die landeinwärts folgenden Gletscher: Sie werden durch die massive Barriere im Meer im Fluss gebremst – fällt diese weg, beschleunigen sie sich und strömen schneller ins offene Meer, wo sie sich auflösen. Der Prozess trägt dann zum Anstieg der Meeresspiegel bei. Das Schicksal von Larsen-B und Larsen-C ist für die Antarktische Halbinsel allerdings nicht ungewöhnlich. Während der letzten Jahrzehnte zerfielen dort rund ein Dutzend größerer Eisschelfe oder verloren zumindest einen großen Teil ihres Volumens.