Jedes Jahr erkranken in Deutschland 300 000 Menschen an Demenz. Doch ein Drittel der Fälle sei durchaus vermeidbar, behauptet nun eine Kommission der Zeitschrift "Lancet" in einem jetzt auf einer Konferenz vorgestellten Bericht. Die Gruppe identifiziert neun Risikofaktoren, die mit Lebensstil und medizinischer Versorgung zusammenhängen und deren Bekämpfung ein weit größeres Potenzial für die Verhinderung von Demenz habe als die gegenwärtig eingesetzten und getesteten Medikamente. Zusätzlich seien auch bei der Behandlung von Demenz nichtmedikamentöse Verfahren gegen bestimmte Symptome effektiver als Pharmazeutika.

Das Team aus 24 Fachleuten verschaffte sich einen systematischen Überblick über die bereits existierende Forschung über Präventions- und Behandlungsansätze für Demenz. Dabei kommt die Kommission zu dem Ergebnis, dass sich ein Fünftel aller Demenzerkrankungen schon in relativ jungen Jahren aufhalten ließe. Schlüssel dazu seien neben Bildung die Behandlung von Bluthochdruck, Übergewicht und Schwerhörigkeit. Im höheren Alter ließen sich weitere 15 Prozent der Demenzfälle verhindern, indem man gegen Depression, Diabetes und Einsamkeit vorgehe und sich regelmäßig bewege. Auch Rauchen sei ein wichtiger Risikofaktor. Neu sind diese Erkenntnisse nicht. Wie bei vielen anderen Erkrankungen auch hat Prävention bei Demenz jedoch im Vergleich zur Wirkstoffentwicklung einen vergleichsweise geringe Priorität in der Forschung und medizinischen Praxis. Man solle beim zunehmenden Fokus auf neue, experimentelle Medikamente die bereits vorhandenen Ansätze wie Prävention nicht aus dem Blick verlieren, schreibt die Arbeitsgruppe.