"Gangnam Style" ist ein Song eines südkoreanischen Musikers namens Psy. Der zunächst im Ausland kaum bekannte Musiker veröffentlichte das Lied am 15. Juli 2012, ein halbes Jahr später hatte der Clip mehr als einer Milliarde Klicks und war das bis dahin meistgesehene Video auf Youtube. Bis heute führt es mit mehr als zwei Milliarden Aufrufen die Rangliste an. Forscher der Eötvös-Loránd-Universität in Budapest, Ungarn, haben nun gezeigt, dass sich das Musikvideo im Internet nach ähnlichen Mustern ausbreitete wie eine Seuche. Dazu haben sie Twitter-Nachrichten zu diesem Song analysiert und statt geografischen Entfernungen die "Netzwerkdistanz" im globalen Kommunikationsnetz definiert. Wie diese Methode ergab, hat sich das Video wellenförmig in dem sozialen Netzwerk ausgebreitet.

Auch Krankheiten folgen solchen Wellenmustern. In vergangenen Jahrhunderten schwappten Krankheitsfronten wegen den begrenzten Möglichkeiten der Fortbewegung langsam von einem Ort zum nächsten. Historische Aufzeichnungen zeigen, dass im 14. Jahrhundert die Beulenpest in Europa etwa zwei Kilometer am Tag reiste. Heutzutage dagegen sind auch zweitausend Kilometer pro Tag kein Ding der Unmöglichkeit mehr; und mit dem Flugzeug lassen sich große Distanzen in kurzer Zeit zurücklegen.

Das Prinzip jedoch hat sich über die Jahrhunderte nicht geändert: Passt man die Parameter Ausbreitungszeit und -distanz entsprechend an, lässt sich die Ausbreitung von Infektionskrankheiten heute wie damals mit dem gleichen wellenförmigen Muster beschreiben. Auch soziale Phänomene wie Lieder, Tweets oder Videos wandern von Person zu Person. Zwar geschieht das nur im virtuellen Raum, dennoch – so vermuteten die Forscher am Anfang ihrer Arbeit – könnte eine ähnliche Ausbreitungsform zu Grunde liegen.

Um das zu ergründen, ersetzten die Wissenschaftler die geografische Entfernung durch eine effektive Distanz. Sie beschreibt im Prinzip, mit welcher Geschwindigkeit sich Informationen zwischen den Usern auf der ganzen Welt verbreiten können. Durch diese Änderung der Parameter fanden sie das gleiche Muster wie bei den Krankheiten. Informationsverbreitung in den sozialen Netzwerken hat also ebenfalls eine wellenförmige Signatur. Ähnliche Ergebnisse, so glauben die Forscher, würde man auch für Google-Anfragen erhalten.