Dass man HIV bis heute nicht endgültig heilen kann, hat einen einfachen Grund: Das Virus kann sich in bestimmten Zellen verstecken. In diesen ruhenden Immunzellen, so genannten CD4-T-Zellen, überleben die Viren jahrelang im Körper, ohne jemals vom Immunsystem aufgespürt zu werden – oder gar von HIV-Forschern. Nun allerdings scheint zumindest letzteres Problem gelöst zu sein: Eine Arbeitsgruppe um Benjamin Descours von der Université de Montpellier identifizierte ein Molekül, an dem man das Versteck von HIV sicher erkennen kann. Die ruhenden T-Zellen, die insgeheim mit HIV infiziert sind, tragen demnach ein Molekül namens CD32a an der Oberfläche – alle anderen nicht.

Descours und sein Team untersuchten die Genexpression in ruhenden, mit HIV infizierten T-Zellen, die sie mit Hilfe eines markierten HIV-Erregers identifizierten. Dabei spürte die Gruppe 16 Proteine auf, die in der Membran stecken und so auch von außen sichtbar sind. CD32a war in dieser Sammlung nicht nur das am stärksten produzierte, sondern tauchte nach Angaben des Forschers in anderen Zellen nicht auf. Mit Antikörpern gegen dieses Protein fischten sie dann gezielt HIV-tragende T-Zellen aus dem Blut von Menschen, deren HIV-Infektion durch Medikamente fast komplett unterdrückt ist. Das war bisher nicht möglich. Sollte sich die Entdeckung bestätigen, könnte man das Oberflächenprotein als Zielmarkierung benutzen – und mit geeigneten Wirkstoffen das Virus in seinem letzten Rückzugsort vernichten. Es sei denn, HIV hat noch ein anderes Versteck in der Hinterhand.