Schmerzresistenz ist weniger eine Frage der Tapferkeit als der Erbanlagen. Dies berichtet ein internationales Wissenschaftlerteam um Clifford Woolf vom Massachusetts General Hospital. Schmerzunempfindlichere Menschen haben eine bestimmte Version des so genannten GCH1-Gens, welches die Menge des neu identifizierten Schmerzmoleküls BH4 reguliert.

Versuche mit Ratten machten die Wissenschaftler auf Enzyme aufmerksam, die nach Nervenschädigungen besonders aktiv waren und BH4 herstellten oder wiederverwerteten. Hemmer der BH4-Produktion konnten die Schmerzen der Tiere betäuben.

Daraufhin untersuchten Woolf und seine Mitarbeiter 168 Personen, die ein Jahr zuvor an den Bandscheiben operiert worden waren auf Variationen im GCH1-Gen. Die Patienten mit geringeren Schmerzen hatten vorwiegend eine bestimmte GCH1-Variante, die bei ungefähr 20 bis 25 Prozent der Menschen vorkommt, und die geringere Mengen an BH4 erzeugt.

Auch zeigten sich von 400 Probanden schon diejenigen mit nur einer Kopie dieser Gen-Variante bei Schmerztests als weitaus weniger empfindlich als Testpersonen mit gewöhnlicher GCH1-Ausstattung. Noch weniger sensitiv waren jene mit zwei Kopien der Schmerzschutz-Sequenz.

Das Molekül BH4 ist bisher für seine Rolle bei der Produktion von wichtigen Neurotransmittern bekannt. Wie genau es nun für die Empfindlichkeit gegenüber Schmerz verantwortlich ist, wollen die Forscher noch herausfinden.