Mindestens 75 Millionen einheimische Wildtiere sterben jedes Jahr in Australien, weil sie von verwilderten Hauskatzen getötet werden. Dabei kann die eingeschleppte Plage sogar in von ihr dünn besiedelten Regionen einen dramatischen Rückgang bei Nage- und Beuteltierarten verursachen, wie eine experimentelle Studie von Anke Frank von der University of Tasmania in Hobart und ihren Kollegen belegt. Die Biologen hatten zwei je 12,5 Hektar große Savannenareale im tropischen Norden Australiens eingezäunt und in zwei Hälften unterteilt, von denen eine katzenfrei gehalten wurde, während die Tiere in der anderen auf die Jagd gingen. In allen vier Bereichen setzten sie zudem je 20 Langhaarratten (Rattus villosissimus) aus, deren Schicksal in den folgenden Monaten überwacht wurde. Während sie in den katzenfreien Areal gut überlebten und sich vermehrten, verschwanden sie in den beiden anderen Flächen innerhalb von drei beziehungsweise 16 Monaten – erlegt von den Katzen.

Die deutlichen zeitlichen Unterschiede erklärten sich durch das Vorhandensein von Dingos in einem Areal: Die Wildhunde machen ihrerseits Jagd auf die Katzen und halten sie einigermaßen im Zaum – allerdings nicht ausreichend, um kleinere Säugetierarten vor dem lokalen Verschwinden zu bewahren. Um Australiens einzigartige Tierwelt zu schützen, empfehlen die Biologen daher drastische Maßnahmen: So sollten Dingos als natürliche Feinde von Katzen – wie auch von Füchsen, einer weiteren problematischen Art aus Europa, – geschützt und wichtige Naturschutzgebiete katzensicher eingezäunt werden. Zudem empfehlen die Forscher die Bekämpfung der Katzen durch spezifische Krankheiten und Bejagung sowie die serienmäßige Sterilisierung von Haustieren, um den kontinuierlichen Nachschub verwilderter Exemplare einzudämmen. Andernfalls drohe eine weitere große Aussterbewelle australischer Arten, so die Forscher.