Das Meereis des arktischen Ozeans ist dynamisch. Im Sommer, bei Helligkeit rund um die Uhr, schmelzen Teile des schwimmenden Eises, und in der dunklen Polarnacht friert die Meeresoberfläche wieder zu. Einst galt das nur für einen vergleichsweise kleinen Teil des Eises. Der Großteil des Packeises, der harte Kern quasi, bestand aus dickem mehrjährigem Eis, jenem, das einige Sommer überstand und in den Wintern immer dicker wurde.

Es ist jenes mehrjähriges Eis, durch dessen Abschmelzen der Klimawandel die Arktis am härtesten trifft – es übersteht den Sommer, bietet vielen Tieren Zuflucht und Lebensraum und reflektiert nicht zuletzt viel Sonnenenergie zurück in den Weltraum. Wie Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts in Bremerhaven jetzt anhand von neuen Daten des Satelliten Cryosat-2 feststellen, steht es schlecht um dieses dauerhafte Packeis.

Die relativ kalten Jahre 2013 und 2014 hatten ein wenig Hoffnung geweckt, dass wieder mehr dauerhaftes Eis in der Arktis entstanden sein könnte. Doch der sehr warme Winter 2015 hat diese Eiszuwächse wohl vollkommen zunichtegemacht: Das Packeis ist selbst in normalerweise sehr eisreichen Regionen wie der Beaufortsee vor Alaska dünner als sonst. Tatsächlich ähnelt die Eislage nach Angaben der Wissenschaftler jener im Frühjahr 2012, dem Jahr mit dem bisherigen Negativrekord bei der Eisdicke.

Das relativ dünne, neu gebildete Eis wird, so die Wissenschaftler aus Bremerhaven, im Sommer ziemlich sicher verschwinden. Dazu transportieren Meeresströmungen einen beträchtlichen Teil des verbliebenen dicken Eises von der Nordküste Grönlands in den Nordatlantik, wo es ebenfalls schmilzt. Trotz des neu gebildeten Eises der letzten beiden Jahre müsse man damit rechnen, dass die Eisbedeckung des Polarmeers im Sommer niedriger ist als je zuvor, so der Meereisphysiker Stefan Hendricks.