Australiens Tierwelt gilt wegen ihrer Beuteltiere und anderer Kreaturen bis heute als ziemlich einmalig. Doch ist sie nur ein trauriger Rest, denn vor 50 000 Jahren umfasste die Fauna des fünften Kontinents riesige Kängurus, tonnenschwere Wombats, autogroße Schildkröten, gewaltige Warane und Riesenvögel. Sie sind heute alle verschwunden, und Gifford Miller von der University of Colorado und sein Team legen neue Belege dafür vor, dass der Mensch an ihrem Aussterben schuld ist. Die Wissenschaftler untersuchten Sedimentbohrkerne aus dem Indischen Ozean, die direkt vor der westaustralischen Küste gezogen worden waren. Die Schichten umfassen die letzten 150 000 Jahre und damit einen kompletten Eiszeitzyklus. Neben den Sedimenten aus Staub und anderen Verwitterungsprodukten interessierten Miller und Co vor allem organische Überreste wie Pollen und Pilzsporen – darunter vor allem die der Gattung Sporormiella. Dieser Pilz gedeiht besonders gern auf dem Dung großer Pflanzenfresser.

"Die von uns in großer Zahl bis vor 45 000 Jahren nachgewiesenen Sporen deuten darauf hin, dass es hier im Südwesten zahlreiche Herbivoren gab. Doch innerhalb weniger tausend Jahre kollabierten deren Bestände", so Miller. Weniger Pflanzenfresser bedeuteten weniger Ausscheidungsprodukte und damit Siedlungsraum für die Pilze. In den Sedimentbohrkernen schwanden die Sporenmengen von Sporormiella deshalb dramatisch. Das Klima schien sich dagegen kaum geändert zu haben, denn während der gesamten Zeit blieb die Region dicht bewaldet – auch das Ökosystem ist also weitgehend gleich geblieben. Folglich hatte das Aussterben andere Gründe, meinen die Forscher. "Im Gebiet tauchten einige der frühesten Belege für Menschen in Australien auf. Dagegen gibt es keine Belege für signifikante Klimaveränderungen, während die Megafauna verschwand", erklärt Miller weiter.

Seit Langem streiten sich Wissenschaftler über die Gründe für diesen Artenverlust: Die ersten Australier überjagten die Tiere und änderten die Ökosysteme durch den gezielten Einsatz von Feuer, womit die Megafauna nicht zurechtkam, so die eine These. Ihre Gegner verweisen dagegen auf einen tief greifenden Klimawandel, der vor 70 000 Jahren begann und in dessen Folge Australien in weiten Teilen trockener wurde. Dichte Wälder wichen vielerorts offenem Buschland oder Wüsten. Und natürlich gibt es noch eine Fraktion, die eine Kombination aus Jagd und Klima verantwortlich macht. In einer früheren Studie zeigten zumindest Modellrechnungen, dass schon ein geringer Jagddruck durch die einwandernden Jäger, die auf eine unvorbereitete Tierwelt trafen, ausgereicht haben könnte: Bereits das Töten von nur einem Jungtier pro Jahrzehnt und Mensch aus der damaligen Bevölkerung hätte ausgereicht, um innerhalb weniger hundert Jahre große Kängurus, Wombats oder Warane auszurotten.