Obwohl die im Jahr 1977 gestartete Raumsonde Voyager 1 die Heliosphäre – den vom Sonnenwind durchströmten Raum – bereits verlassen hat, wird sie noch immer durch Prozesse auf der Sonne beeinflusst. Das interstellare Medium besteht aus kaltem, ionisierten Plasma und weist eine rund 40 Mal höhere Dichte auf als der Bereich innerhalb der Heliosphäre. Die Forscher gingen bislang davon aus, dass der Flug der Sonde durch den interstellaren Raum ruhig verlaufen würde. Stattdessen stellte sich heraus, dass die durch die Sonne hervorgerufenen Stoßwellen häufiger auftreten als erwartet.

Ausgelöst werden die Plasmaschwingungen durch koronale Massenauswürfe. Dabei lösen an der Sonnenoberfläche Verwirbelungen des Magnetfelds Eruptionen aus, bei denen Plasma abgestoßen wird. Als Folge wandern Druckwellen durch das Sonnensystem und erzeugen Stoßfronten, wenn sie auf das dichtere Medium des interstellaren Raums treffen. Seit 2012 registrierten die Instrumente der Raumsonde drei solcher Druckwellenereignisse, die das ionisierte Gas um die Sonde herum zum Schwingen anregten: das erste im Oktober 2012, ein zweites im April 2013 und das dritte im Februar 2014, das bis heute nicht abgeklungen ist.

Die Langlebigkeit der letzten Stoßwelle ist nicht geklärt. Seit Februar 2014 erhöhte die Sonde ihren Abstand zur Sonne um weitere rund 400 Millionen Kilometer, doch misst sie stets eine erhöhte und nach wie vor ansteigende Plasmadichte. Ob die auf die langanhaltende Störung oder auf ein allgemeines Anwachsen der Dichte im Raum zurückzuführen ist, lässt sich derzeit nicht mit Sicherheit entscheiden. Die Forscher erwarten allerdings, dass derartige Plasmawellen durchaus weit in das interstellare Medium hinein vordringen können – bis hin zu Entfernungen von etwa 40 Milliarden Kilometern. Das entspricht der doppelten derzeitigen Distanz der Raumsonde von der Sonne. Die Geschwindigkeiten, mit denen sich die Wellen ausbreiten, und ihre Ausdehnungen im Raum sind jedoch nicht bekannt.