Das harte Training eines militärischen Trainingscamps führt dazu, dass Männer üppigere Frauen attraktiver finden. Zu diesem Schluss kommen Carlota Batres und Andrew Perrett von der University of St Andrews in Großbritannien auf der Basis des Vergleichs von hart trainierenden Personen mit einer Kontrollgruppe. Die 23 Männer und 8 Frauen im Alter von etwa 20 Jahren durchliefen ein zehntägiges militärisches Training und wurden zu drei Zeitpunkten gebeten, aus einer Auswahl von Porträtfotos des anderen Geschlechts jene auszuwählen, die sie am attraktivsten fanden. Schon am dritten Tag des Trainings zeigten die physisch beanspruchten Männer eine deutliche Präferenz für Frauengesichter, die Merkmale höheren Körpergewichts aufweisen. Bei Frauen jedoch und der unbeanspruchten Kontrollgruppe zeigte sich kein vergleichbarer Effekt. Das Ergebnis spricht dafür, dass sexuelle Präferenzen von der Umwelt direkt beeinflusst werden.

Dass es einen Zusammenhang zwischen einem männlichen Faible für dickere Frauen und härteren Umweltbedingungen gibt, ist länger bekannt. Allerdings ist bisher unklar, ob es sich um eine kulturelle Besonderheit handelt oder ob die individuellen Präferenzen direkt von den Bedingungen bestimmt werden. Die Arbeit von Batres und Perrett deutet jetzt auf die zweite Variante hin: dass Männer auf starke Beanspruchung mit einer systematischen Veränderung ihrer Präferenzen reagieren und dass diese neue Neigung zu Frauen mit etwas üppigeren Formen unter den verschärften Bedingungen dauerhaft bestehen bleibt. Warum sich bei Frauen kein vergleichbarer Effekt zeigt, interpretieren die beiden dahingehend, dass es sich um eine biologisch sinnvolle Reaktion handele. Demnach seien üppige Frauen besser für harsche Bedingungen ausgestattet und deswegen eine entsprechende Präferenz der Männer sinnvoll. Doch dabei handelt es sich um Spekulation: Batres und Perrett präsentieren keine weiteren Indizien, die diese spezielle Interpretation stützen.