Vor einem Jahr hatten die Forscher Teri Krebs und Pål-Ørjan Johansen von der naturwissenschaftlich-technischen Universität Norwegens in Trondheim Studien aus den 1960er Jahren ausgewertet, bei denen Alkoholkranke mit einer Dosis LSD therapiert wurden – ein verwegener Ansatz, der bei vielen Patienten aber wirkte [1]. Kritik blieb nicht aus: Die eine Droge ersetze nur die andere und sei mindestens genauso schädlich für Körper und Geist. Diese Bedenken wollten Krebs und Johansen nicht unbeantwortet lassen. Sie nahmen sich Daten aus einem US-amerikanischen Gesundheitssurvey vor und meinen nun mit Sicherheit sagen zu können: Psychedelische Substanzen wie LSD, Mescalin (aus dem Peyote-Kaktus) und Psilocybin (zu finden in Magic Mushrooms) stellen für sich genommen kein Risiko für die seelische Gesundheit dar [2].

"Klassische serotonerge Psychedelika sind nach aktuellem Forschungsstand nicht gefährlich für das Gehirn oder andere Organe, sie verursachen weder sozialen Rückzug, noch Abhängigkeit oder übermäßigen Konsum", erklärt Krebs. "LSD und Psilocybin werden daher in der Regel von Experten für weniger schädlich gehalten als Alkohol, Zigaretten und andere verbreitete Freizeitdrogen."

Ein gegenteiliges Bild zeichnen immer wieder erzählte Anekdoten von Menschen, die noch lange nach einem Trip mit Angst, Panik, Halluzinationen oder Depression zu kämpfen hatten. Dass es sich dabei nur um seltene Einzelfälle handelt, demonstrieren die Forscher durch die Auswertung einer groß angelegten Umfrage. Sie griffen dazu auf das National Survey on Drug Use and Health zurück, das jedes Jahr Drogenkonsum und Gesundheit einer repräsentativen Stichprobe von 130 152 US-Amerikanern erfasst. 21 967 von ihnen nahmen nach eigenen Angaben regelmäßig LSD, Pilocybin oder Mescalin zu sich.

Krebs und Johansen fanden zunächst heraus, dass die 21 967 Drogennutzer tatsächlich eher psychisch erkrankten. Dabei dürfe man aber eines nicht übersehen: Der durchschnittliche Nutzer bewusstseinsverändernder Substanzen unterschied sich nicht nur in seinem Drogenkonsum von enthaltsamen Menschen, sondern trug eine ganze Reihe von Risikofaktoren für psychische Erkrankungen mit sich herum. Beschreiben könnte man ihn als jungen Mann, weiß oder mit gemischtem ethnischen Hintergrund, gebildet und vergleichsweise wohlhabend, unverheiratet und risikofreudig, nicht selten durch schwierige Erfahrungen im Leben vorbelastet und Drogen gegenüber im Allgemeinen nicht abgeneigt. Ringt ein solcher Mensch um sein Seelenheil, dann vielleicht auch deshalb, weil seine Risikofreude ihn in eine brenzlige Situation getrieben hat, weil er sich einsam fühlt oder weil Erinnerungen aus der Kindheit ihm keine Ruhe lassen.

Als die Wissenschaftler deshalb solche bekannten Risikofaktoren in ihre Analysen mit einbezogen, waren LSD und Co. plötzlich kein Problem mehr für die psychische Gesundheit. Auch Symptome der fortbestehenden Wahrnehmungsstörung nach Halluzinogen-Gebrauch (HPPD), die sich laut DSM-IV infolge der Einnahme psychedelischer Substanzen entwickeln kann, waren nicht etwa häufiger bei den Konsumenten. Stattdessen schienen einige Gruppen – wenn auch nur in geringen Ausmaßen – von den Substanzen zu profitieren: Jüngere Konsumenten zum Beispiel hatten weniger Probleme mit Ängsten, und ältere mussten kaum auf psychische Medikamente zurückgreifen. Die Frauen unter den Drogennutzern wurden außerdem seltener psychotisch. "Psychedelische Stoffe rufen häufig individuell sehr tiefgreifende und spirituell bedeutsame Erfahrungen hervor und wirken nachhaltig wohltuend", führt Krebs als mögliche Erklärung an.

Leider kann die retrospektive Arbeit der Forscher nicht ausschließen, dass bei manchen Menschen genau das Gegenteil der Fall ist. Vielleicht profitierte die eine Hälfte der 21 967 untersuchten Personen auf beschriebene Weise von regelmäßigen Trips, während die andere Hälfte doch unter Angst, Panik und Depressionen litt – aus dem Mittelwert lässt sich das nicht ablesen. Alleinige Auslöser psychischer Störungen scheinen psychedelische Substanzen jedoch nicht zu sein. Für wen speziell sie ein Risiko darstellen und wem sie hingegen zu mehr Wohlbefinden verhelfen, bleibt herauszufinden – vielleicht wird dann eines Tages der Einsatz von LSD und Co. in Therapien nicht mehr verwegen, sondern alltäglich sein.