Meditation reduziert Stress, macht kreativer und verbessert die Gehirnleistung, das sagten Meditationsverfechter schon seit Langem. Nun liefern bildgebende Verfahren Belege dafür, dass Meditation neuronale Effekte hat: Elf Stunden Meditationstraining verändern die Struktur einer Gehirnregionen, die Menschen dabei hilft, ihre Gefühle und ihr Verhalten zu kontrollieren.

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Bereits nach wenigen Stunden Meditationspraxis zeigen sich Effekte im Gehirn: Forscher entdeckten, dass bei meditierenden Probanden eine Frontallappenregion besser vernetzt war als bei einer Vergleichsgruppe, die ein einfaches Entspannungstraining absolvierte.
In den 1990er Jahren entwickelte Yi-Yuan Tang von der Dalian University of Technology in China das integrative body-mind training (IBMT), eine Meditationstechnik, die an die traditionelle chinesische Medizin angelehnt ist. Für seine derzeitige Arbeit ließ er Studenten von der University of Oregon diese Form der Meditation einüben und untersuchte anschließend die Nervenfaserbündel in ihren Gehirnen. Nach 22 Meditationssitzungen, die über einen Monat verteilt jeweils eine halbe Stunde dauerten, entdeckten die Forscher Veränderungen des Nervenfasernetzwerks. Bei Probanden, die über die gleiche Zeitspanne ein herkömmliches Entspannungstraining absolvierten, blieben die Strukturen unverändert.

Die Veränderungen spielten sich vor allem im anterioren zingulären Kortex (ACC) ab. Diese Gehirnregion ist unter anderem daran beteiligt, Konflikte zwischen unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und aufzulösen. In der frühkindlichen Entwicklung führt eine zunehmende Vernetzung des ACC dazu, dass Kinder ihre Emotionen und Handlungen besser kontrollieren können. Schäden in dieser Hirnregion können etwa Aufmerksamkeitsstörungen und Depressionen auslösen.

Gemessen wurden die Änderungen mit einem Verfahren, das sich Diffusions-Tensor-Bildgebung nennt. Sie misst die "fraktionelle Anisotropie" in Hirnregionen – vereinfacht gesagt die Bewegung von Wassermolekülen entlang den Faserbündeln der weißen Substanz der Hirnbereiche. So können Rückschlüsse auf die Qualität des Netzwerks gezogen werden.

In früheren Studien hat sich das integrative body-mind training bereits als Stresstherapie bewährt: Chinesische Studenten, die sich vor einer wichtigen Prüfung in dieser Meditation übten, schütteten weniger Stresshormone aus. Ein regelmäßiges IBM-Training über fünf Tage erhöhte in einer anderen Untersuchung den Blutstrom im rechten anterioren zingulären Kortex. Nach Puls, Atmungsfrequenz und Positur zu urteilen, waren die Versuchspersonen auch entspannter als Personen, die regelmäßiges Entspannungstraining erhielten.

Beim integrative body-mind training geht es um einen Zustand der entspannten Wachheit und nicht wie bei manchen anderen Meditationstechniken um die Kontrolle der Gedanken. Über Anweisungen eines Trainers, der Atemanleitungen, mentale Bilder und andere Techniken einsetzt, soll begleitet von ruhiger Musik ein Bewusstsein für Körper und Geist geschaffen werden.(vk)