Von wegen Oberflächlich: Anders als bisher vermutet haben große Meteoriteneinschläge langfristige Auswirkungen, die bis in die Tiefen des Erdmantels reichen. Das schließt eine Arbeitsgruppe um Teresa Ubide vom Trinity College in Dublin aus Untersuchungen des 1,85 Milliarden Jahre alten Sudbury-Kraters in Kanada. Wie das Team jetzt im "Journal of Geophysical Research" schreibt, stammt eine etwa einen Kilometer dicke Trümmerschicht am Boden des Kraters nicht etwa aus der frühen Interaktion des geschmolzenen Kraterbodens mit Meerwasser, sondern aus späterem untermeerischen Vulkanismus, bei dem Magma aus dem Erdmantel die entscheidende Rolle spielte. Große Einschläge, so die Schlussfolgerung, erzeugen unabhängig von der beim Einschlag aufgeschmolzenen Erdkruste auch Gesteinsschmelze in der Tiefe des Mantels, die dann für geraume Zeit Vulkane im Kraterbecken speist. Auch auf anderen Himmelskörpern zeigen Krater Anzeichen für vulkanische Aktivität bis lange nach ihrer Entstehung.

Das Sudbury-Becken ist der etwa 60 mal 30 Kilometer messende Überrest eines einst viel größeren Kraters, den ein bis zu 15 Kilometer großer Himmelskörper schlug. Ein erheblicher Teil des ausgeworfenen Gesteins fiel anschließend in den Krater zurück und bildete eine so genannte Schmelzbrekzie – ein Gemisch aus geschmolzenem und zertrümmertem Gestein, das eine mehr als einen Kilometer dicke Schicht im Krater bildete. Dachte man bisher.

Chemische Untersuchungen des Teams um Ubide zeigen jedoch nun, dass diese so genannte Onaping-Formation aus zwei separaten Teilen besteht. Nur die untersten paar hundert Meter bestehen dabei aus Krustenmaterial – die darüber liegenden etwa 1000 Meter messenden Schichten dagegen sind untermeerische Vulkangesteine, die aus aufsteigendem Magma im überfluteten Krater entstanden. Womöglich schmolzen Teile des Mantels auf, weil durch den tiefen Krater der Druck plötzlich absank – jedenfalls hatten die Einschläge auf der frühen Erde viel weiter reichende Folgen als bloß eine Delle in der Erdkruste zu hinterlassen.