Neue Forschungsergebnisse widerlegen die Annahme, der Neandertaler (Homo neanderthalensis) sei durch einzelne abrupte Kälteeinbrüche vor 24 000 bis 32 000 Jahren ausgestorben. Ein internationales Forscherteam um Chronis Tzedakis von der Universität Leeds hatte Radiokohlenstoffdatierungen an Werkzeugen und Sedimentproben durchgeführt und so den Einfluss der Kälteperioden untersucht. Es sei vielmehr wahrscheinlich, dass der Konkurrenzkampf mit dem modernen Menschen (Homo sapiens) oder eine Kombination aus Konkurrenz und langfristigen Klimaänderungen für das Verschwinden der Neandertaler verantwortlich war, so der Paläoökologe.

Neandertaler und moderner Mensch
© Ian Tattersall
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Die Wissenschaftler verglichen das per Radiokarbonmethode ermittelte Alter von Werkzeugen aus der Höhle Gorhams auf Gibraltar – der Ort, wo wahrscheinlich die letzten Neandertaler gelebt haben – mit ebenfalls radiokarbondatierten Sedimentproben aus Venezuela, in denen winzige Fossilien Auskunft über die klimatischen Bedingungen zum jeweiligen Zeitpunkt geben. Die venezolanischen Daten werden als geeignet eingestuft, da viele europäische Klimaveränderungen über den Golfstrom auch in Südamerika unmittelbar sichtbar werden.

Wahrscheinliche Zeitpunkte für Aussterbeereignisse des Homo neanderthalensis datierten die Forscher auf 32 000, 28 000 und 24 000 Jahre zurück. Nur das jüngste Datum fällt mit einer Klimaveränderung zusammen: Gletschervorstöße und stark absinkende Temperaturen in Nordeuropa. Allerdings blieb das Klima in Gibraltar davon größtenteils unbeeinflusst, eventuell durch warme Wassermassen, die aus dem subtropischen Atlantik in das Mittelmeer einströmten, so die Paläo-Meeresforscherin Isabel Cacho. Die Neandertaler hätten dieses Naturereignis also aller Wahrscheinlichkeit nach überlebt. (jm/lp)