Das Gehirn nimmt ein mit negativen Gefühlen verknüpftes Wort bereits als solches wahr, wenn es nur für Sekundenbruchteile zu sehen ist. Dies bestätigen Neurologen unter Leitung von Nilli Lavie vom University College London. Zwischen positiven und neutralen Wörtern konnten Probanden unter diesen Bedingungen dagegen nur schwer unterscheiden.

Lavie und ihre Kollegen gehen davon aus, dass es sich im Lauf der Evolution für das Gehirn als vorteilhaft erwiesen hat, mögliche Gefahren unbewusst und damit schnell wahrzunehmen. In den Versuchen äußerte sich dies zum einen darin, dass die Personen sich bei negativen Worten meist sicherer waren, diese korrekt eingeordnet zu haben. Zum anderen lagen sie noch immer häufig richtig, sogar wenn sie nach eigener Aussage lediglich geraten hatten. Dies war sogar der Fall, als die Wörter nur für ein Fünfzigstel einer Sekunde und sehr kontrastarm zu sehen waren.

Wie gut "unterschwellige Botschaften" tatsächlich funktionieren, ist seit Langem unter Wahrnehmungsforschern umstritten. Unter anderem für die Werbeindustrie könnten die neuen Erkenntnisse interessant sein. Ein Slogan wie "unser Produkt tötet Keime" würde dank des negativen Verbs in diesem Fall vermutlich eher wahrgenommen als "unser Produkt reinigt gründlich".

Unterschwellige Werbung in Form von kurzen Einblendungen ist jedoch in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern verboten. In den USA führte im Jahr 2000 ein Wahlkampfvideo der Republikaner zu einer Kontroverse, das in das Bild des Gegenkandidaten Al Gore kurz das Wort "RATS" einblitzte. (rs)