Kim Kardashian hat sie angeblich verspeist, Tom Cruise wohl auch, und Jamie Oliver hat sich dazu Rezepte einfallen lassen: Der Verzehr der Plazenta nach der Geburt des eigenen Kindes ist Trend im angelsächsischen Raum. Und auch in Deutschland findet sich bei entsprechender Internetsuche eine Vielzahl von Einträgen dazu. Dabei verweisen die Konsumenten gerne auf das Tierreich, wo Mütter häufig die Nachgeburt verspeisen, um sich auf diese Weise die zahlreichen darin enthaltenen Nährstoffe und Proteine zu sichern – schließlich kostet die Geburt Energie. Beim Menschen wäre diese Zusatzversorgung zwar nicht nötig, doch soll die Plazenta die mütterliche Milchproduktion ankurbeln und das Risiko einer Wochenbettdepression minimieren, so die Begründung. Der Trend ist allerdings nicht ohne Risiken, wie die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in einer warnenden Mitteilung verlautbaren lassen: Eine zu Pillenform verarbeitete Plazenta habe zu einer gefährlichen Bakterieninfektion bei einem Neugeborenen geführt, das sich bei der Mutter damit angesteckt hat.

Im September 2016 war demnach ein Kind nach einer unauffälligen Schwangerschaft in Oregon zur Welt gekommen. Ein Abstrich während der Schwangerschaft hatte ergeben, dass der Geburtskanal der werdenden Mutter frei von B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae) war, die bei Neugeborenen schwere Infektionen auslösen können. Aber wenige Tage nachdem das Kind zur Welt gekommen war, musste es mit schweren Atemproblemen auf die Intensivstation, wo die Bakterien nachgewiesen wurden. Nach einer elftägigen Behandlung mit Antibiotika wurde das Baby wieder entlassen, nur um kurze Zeit später erneut in ein zweites Krankenhaus eingeliefert zu werden. Eine Abstimmung zwischen den behandelnden Ärzten beider Krankenhäuser lieferte dann einen ersten Hinweis auf die Ursache: Die Mutter habe sich die Plazenta aushändigen lassen, um sie mit nach Hause zu nehmen. Auf Nachfrage gab die Frau zu, dass sie den Mutterkuchen an eine Firma geschickt hatte, die daraus Pillen zubereitet und wieder zurückgesandt hat.

Dazu wurde das Material gesäubert, dehydriert und gemahlen. Die Mutter bekam die Pillen drei Tage nach der Geburt und nahm anschließend dreimal täglich zwei Tabletten zu sich. Eine Analyse der Inhaltsstoffe ergab schließlich, dass sich aktive B-Streptokokken in der vermeintlichen Arznei befanden. Wahrscheinlich hatte die Firma die Plazenta nur unzureichend erhitzt, weswegen die Keime nicht abgetötet wurden. Dank kontinuierlicher Antibiotikagabe überstand das Baby die Infektion ohne bleibende Schäden.

Die Plazenta wirkt im Mutterleib wie eine Barriere, die das Ungeborene vor schädlichen Keimen oder Chemikalien wie Schwermetallen schützt. Neben Streptokokken können noch andere gefährliche Bakterien wie auch Viren oder Schadstoffe darin angereichert vorhanden sein, die dann die Gesundheit der Babys wie der Mütter gefährden, warnen die CDC. Zudem gebe es keinerlei wissenschaftlich gesicherte Hinweise, dass der Plazentaverzehr eine positive Wirkung habe. Das zeigt unter anderem eine Übersichtsarbeit von Crystal Clark von der Northwestern University in Chicago im Fachblatt "Archives of Women's Mental Health". Zusammen mit ihrem Team hat sie die – zugegeben dürftige – Studienlage ausgewertet. Allein eine Studie aus dem Jahr 1954 weist auf einen positiven Zusammenhang zwischen Plazentamahl und Milchproduktion hin. Allerdings, so schränken die Forscher ein, genüge sie bei Weitem nicht heutigen wissenschaftlichen Standards.