Nicht nur auf der Erde, auch auf dem Saturnmond Titan existieren offene Meere – doch mit unseren Ozeanen haben sie wenig gemein: Sie bestehen aus flüssigem Methan und Ethan und nicht aus Wasser. Offensichtlich unterscheidet sich ihre Dynamik ebenfalls von den Gewässern auf der Erde, denn Wellen schwappen auf Titan praktisch nicht umher. Laut einer Studie von Cyril Grima von der University of Texas, veröffentlicht im Journal "Earth and Planetary Science Letters", erreichen Wellen auf dem Trabanten maximal eine Höhe von einem und eine Länge von 20 Zentimetern. Echte Monsterwellen auf der Erde dagegen können sich bei Sturm bis zu 25 Meter auftürmen.

Für ihre Studie nutzten die Wissenschaftler Radardaten der Raumsonde Cassini, deren Mission im September 2017 endet. Mit einer neu entwickelten Methode berechneten Grima und Co die Oberflächenrauheit der drei Gewässer Kraken Mare – der größte See Titans –, Ligeia Mare und Punga Mare in sehr hoher Auflösung. Cassini hatte sie im April 2017 noch ein letztes Mal überflogen, so dass ihre Tiefe demnächst ebenfalls ausgewertet werden kann. Gleichzeitig untersuchten die Astronomen die Windgeschwindigkeit in den betroffenen Regionen, die bei nur 0,79 Kilometer pro Stunde in zehn Meter Höhe liegen soll. Ein derart laues Lüftchen hatten die Forscher nicht erwartet; zumal nicht im Sommer, der als windreichste Saison auf Titan gegolten hatte. Damit müsse man auch nicht mit gefährlichen Böen rechnen, wollte man eines Tages eine Sonde in diesen Gewässern landen lassen, so Grima.