An der Grenze zwischen Brasilien und Venezuela erstreckt sich ein Reservat so groß wie Portugal, welches das indigene Volk der Yanomami und ihre Lebensweise schützen soll. Insgesamt leben dort 22 000 Yanomami – von denen einige noch nie Kontakt zur so genannten Zivilisation hatten. Das bestätigen Aufnahmen eines Überflugs durch die brasilianische Indianerschutzbehörde FUNAI, welche "Survival International" letzte Woche veröffentlicht hat. Mehr als 100 Menschen leben in dem Dorf, das aus der Luft fotografiert wurde. Seine Bewohner gehören zu den mindestens drei unkontaktierten Yanomami-Gruppen des Reservats.

Yano genanntes Runddorf der unkontaktierten Yanomami-Indianer im brasilianischen Regenwaldgebiet.
© Guilherme Gnipper Trevisan / Hutukara
(Ausschnitt)
 Bild vergrößernBlick in das Runddorf
Beim Überflug konnten die beteiligten Wissenschaftler keine Anzeichen "moderner Zivilisation" feststellen: Es sind weder Metallgegenstände noch industriell gefertigte Kleidung zu sehen.

Die Auswertung der Bilder deutet an, dass diese Yanomami auch über benachbarte Dörfer noch keine Berührung mit industriellen Gütern hatten: Die Wissenschaftler der FUNAI fanden keine Hinweise auf Metalltöpfe, Macheten oder moderne Kleidung. Dennoch wirkten die Mitglieder der als Moxihatetema bezeichneten Gemeinschaft gesund und wohlgenährt – wofür auch die ausgedehnten Gemüsegärten rund um das Yano genannte Runddorf sprechen.

Trotz der abgeschiedenen Lage der Region ist die Zukunft des Volkes jedoch bedroht, warnten Sprecher der Hutukara Yanomami Association. Mehrere tausend illegale Goldgräber seien in den letzten Wochen in das Reservat eingedrungen, um dort nach dem Edelmetall zu schürfen. Ihre Aktivität habe in den vergangenen Monaten wegen der wirtschaftlichen Krise stark zugenommen. Gleichzeitig hat der Staat der Schutzbehörde FUNAI das Budget stark gekürzt, so dass sie ihren Aufgaben nur noch unzureichend nachkommen kann. Immer wieder kommt es daher zu Konflikten zwischen Indianern und Goldgräbern oder Holzfällern, die nicht selten tödlich enden – auch für die Eindringlinge. Ebenfalls letzte Woche wurden mehrere Goldgräber durch Pfeile auf Yanomamiland getötet.

Häufig kommt es dann zu blutigen Vergeltungsmaßnahmen. Außerdem bedrohen eingeschleppte Krankheiten sowie das bei der Goldgewinnung nötige Quecksilber die Yanomami. Zusammen mit dem Militär und Polizeieinheiten versucht die FUNAI daher seit Oktober, die Schürfer aus dem Reservat zu vertreiben, etwa 1000 Personen wurden demnach schon aus der Region verwiesen. Diese Erfolge sind jedoch meist nur kurzfristig, da die Goldgräber oft von lokalen Politikern und Geschäftsleuten unterstützt werden, so die Hutukara Yanomami Association. Die nächste Goldgräbersiedlung befindet sich nur rund 25 Kilometer entfernt von der Moxihatetema-Gemeinschaft und verfügt sogar über eine Landepiste – was die nachhaltige Stilllegung des Bergbaus erschweren dürfte.