Wenn man Urinale mit einem dünnen Gel beschichtet, spritzt es nicht mehr beim Pinkeln. Zu diesem Schluss kommt eine Arbeitsgruppe um Alfonso Castrejón-Pita von der University of Oxford nach ausführlichen Versuchen mit Silikonkautschuk. Mit einer Hochgeschwindigkeitskamera filmten die Wissenschaftler, wie Flüssigkeitstropfen auf verschiedenen Arten harter und weicher Oberflächen auftreffen. Wie das Team berichtet, brauchen Flüssigkeitstropfen beim Aufprall auf eine weiche Oberfläche bis zu 70 Prozent mehr kinetische Energie, um in kleinere Tröpfchen zu zerplatzen, als auf einer harten Oberfläche – Ursache ist nach Angaben von Castrejón-Pita, dass bei der Verformung weicher Schichten Energie abgeleitet wird.

Die Tröpfchen, die beim Pinkeln aus dem Urinal spritzen, verseuchen nicht nur das direkte Umfeld der Toilette, sondern bieten auch Bakterien eine geeignete Brutstätte – ein Problem besonders in oft frequentierten öffentlichen Toiletten. Deswegen ist zurückspritzender Urin Gegenstand intensiver Forschung: Bereits 2013 konstruierte eine Arbeitsgruppe von der Brigham Young University deswegen einen künstlichen Harnleiter und eruierte den Aufprallwinkel für Urinstrahlen. Mit einer Kombination solcher Techniken mit nachgiebigen Urinalbeschichtungen ließe sich herumspritzender Urin vermutlich fast so gut vermeiden wie durch Hinsetzen. Auch für weniger alltagsnahe Anwendungen bietet sich ein solcher Spritzschutz an, zum Beispiel in Bereichen, in denen mit gefährlichen Flüssigkeiten gearbeitet wird, oder im Lebensmittelbereich, in dem sich gefährliche Keime in Tröpfchen ausbreiten können.